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Gelbschwarze Plagegeister – wie gefährlich sind Wespen wirklich?

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Gelbschwarze Plagegeister wie gefährlich sind Wespen? | Video verfügbar bis 13.08.2020 | Bild: ARD

Zugegeben, wenn man im Sommer im Freien gemütlich frühstücken möchte oder an heißen Tagen am Abend den Grill anwirft, finden sich mit ziemlicher Sicherheit auch Wespen ein – und stören den Frieden. Viele Menschen reagieren geradezu panisch auf die Plagegeister, versuchen sie zu töten oder wenigstens zu vertreiben. Dabei sind Wespen ausgesprochen nützliche Tiere und übernehmen wichtige Aufgaben im Ökosystem.

Nur zwei Arten machen uns das "Futter" streitig

In Deutschland gibt es neun "soziale" Wespenarten; Wespenvölker, die Nester gemeinsam besiedeln. Diese Völker können hunderte, manche sogar tausende Tiere stark sein. Wespen ernähren sich hauptsächlich von Pflanzensäften und Obst. Aber sie sind auch Räuber, jagen andere Insekten, weil die eigene Brut tierisches Eiweiß zur Entwicklung braucht.

Was viele nicht wissen: Auch Hornissen gehören zu den Wespen. Und: Die meisten Arten sind eher friedlich und suchen nicht die Nähe zum Menschen. Nur mit zwei der neun Arten geraten wir häufiger aneinander: der "Deutschen Wespe" und der "Gemeinen Wespe". Sie steuern gezielt unseren Frühstückstisch an – auf der Suche nach Süßem und Eiweißhaltigem.

Wespennester fachgerecht Umsiedeln

Die Steckbriefe zeigen, eine friedliche Koexistenz mit den Tieren ist in den meisten Fällen möglich und bringt Gartenbesitzern sogar Vorteile, denn die meisten Wespenarten vertilgen erhebliche Mengen anderer Schadinsekten. Viele Obstbauern und Gartenbesitzer hängen sich deshalb sogar gezielt Wespennester in die Bäume. Obst und Bäume werden vor anderen Insekten geschützt, und die Ernte fällt reicher aus.

Ein Wespennest von Feldwespen.
Feldwespen siedeln gewöhnlich jedes Jahr am selben Standort an. | Bild: "Nido di vespe". Lizenziert unter CC BY 2.5 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nido_di_vespe.jpg#/media/File:Nido_di_vespe.jpg

In manchen Fällen lässt sich eine Umsiedlung eines Wespennestes aber nicht vermeiden. Was dann? Wespen dürfen laut  Bundesnaturschutzgesetz nicht ohne vernünftigen Grund in ihrer Entwicklung gestört oder getötet werden. Wichtig ist deshalb, sich fachkundigen Rat zu holen und die Umsiedlung von einem Fachmann machen zu lassen. Noch gibt es leider nicht überall in Deutschland Fachleute, die sich auf eine schonende Umsiedelung von Wespennestern spezialisiert haben.

Wer ein Wespennest hat, das stört oder ängstigt, sollte sich zunächst an die örtliche Stadtverwaltung oder die zuständige Naturschutzbehörde wenden. Eine andere Möglichkeit bietet auch die Online-Datenbank von Hymenoptera. Dort kann man sein Bundesland auswählen, seine Stadt eingeben, schon bekommt man den nächstgelegenen Ansprechpartner.

Oft sind es Imker oder Imkerinnen, die sich zum Wespenberater haben schulen lassen und fachgerechte Umsiedelungen durchführen können. Die Kosten für eine notwendige Umsiedelung – etwa wenn Kinder gefährdet sind – übernimmt in den meisten Fällen die zuständige Naturschutzbehörde. Vielerorts ist auch die Feuerwehr zuständig.

Hornissen stehen unter besonderem Schutz

Eine Hornisse von vorne.
Hornissen sind in manchen Teilen Deutschlands kaum mehr zu finden. | Bild: „Hornisse 2“. Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hornisse_2.jpg#/media/File:Hornisse_2.jpg / Flugwapsch62

Hornissen stehen genau wie Wildbienen oder Hummeln unter besonderem Schutz (§44 Bundesnaturschutzgesetz). Eine Umsiedelung von Hornissennestern darf darum nur durch Fachpersonal und mit einer besonderen Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde durchgeführt werden. Eigenmächtiges Entfernen von Hornissennestern kann mit hohen Geldstrafen geahndet werden.

Hornissen galten lange Zeit als aggressiv, ihr Gift als besonders stark. Beides stimmt nicht. Die Tiere gehören zu einer der friedlichsten Wespenarten überhaupt. Selbst im unmittelbaren Nestbereich lassen sie sich kaum stören, und man muss sie schon sehr reizen oder das Nest attackieren, damit die Tiere sich verteidigen. Hornissenstiche sind zwar schmerzhaft, das Gift allerdings im Vergleich zu dem von Bienen weniger stark.

Anaphylaktischer Schock – sehr selten und trotzdem Grund zur Vorsicht

Viele Menschen reagieren allergisch auf Insektengifte vor allem auf das Gift von Bienen und Wespen. Verlässliche Zahlen, wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind, gibt es leider nicht. Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle sind nicht ungewöhnlich und selten gefährlich.

Allerdings kann es in seltenen Fällen auch zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock kommen. Gefährlich wird es immer dann, wenn sich Reaktionen abseits der Stichstelle einstellen – etwa plötzlicher Blutdruckabfall, Übelkeit, Müdigkeit, Atemnot oder eine Schwellung im Gesicht, obwohl man beispielsweise im Arm gestochen wurde. Bei solchen Symptomen nicht zögern, den Notruf zu wählen! Besondere Vorsicht ist bei denjenigen geboten, die bereits mit allergischen Reaktionen auf Insektenstiche reagiert haben.

Autor: Wolfgang Zündel (HR)

Stand: 09.07.2019 04:10 Uhr

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