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Pestizide töten Vögel

PlayArbeiter befüllen Traktor
Pestizide töten Vögel | Video verfügbar bis 15.04.2021 | Bild: ARD

Sie sind nicht das Ziel der landwirtschaftlichen Spritzmittelausbringungen, trotzdem leiden auch Wildvögel unter den Auswirkungen des Gifteinsatzes. Quasi ein Kollateralschaden im Kampf gegen Pflanzenschädlinge.

Problemfall Monokultur

Zwei Männer gehen durch ein riesiges Rapsfeld
Vögel werden zu unbeabsichtigten Kollateralschäden der Landwirtschaft. | Bild: NDR

Ackerbauliche Flächen werden in Deutschland größtenteils als Monokulturen betrieben. Hektargroße Flächen, auf denen nur eine einzige Pflanzenart wächst. Aber so schön fürs Auge auch – beispielsweise – die riesigen Rapsfelder sind, diese Monokulturen sind sehr anfällig für Schädlinge. Damit die Pflanzen trotzdem ungestört gedeihen, werden auf den Flächen mehrfach im Jahr Pestizide versprüht: Insektizide gegen Fraßschädlinge (wie Insekten), Herbizide gegen Unkraut, Fungizide gegen Pilzbefall. Mehr als 90 Prozent der deutschen Ackerbauern arbeiten so.

Folgen für die Nahrungskette

Meisen an einer Futterstation
Damit sie nicht verhungern, sind viele Vögel auch im Sommer auf Fütterung angewiesen. | Bild: NDR

Die Spritzmittel sind effektiv – sehr effektiv. Peter Berthold, früherer Direktor der Vogelwarte Radolfzell am Bodensee, erinnert sich: "Wenn man früher im Auto gefahren ist, vor allem in warmen Nächten, dann hat man so viele Insekteneinschläge gehabt, dass man mehrfach in der Nacht an eine Tankstelle musste. Nicht um zu tanken, sondern um die Windschutzscheibe zu reinigen." Heute hingegen sehe er immer weniger Insekten. Doch diese Insekten sind eine der Hauptnahrungsquellen der meisten Vögel.

Ebenso Wildkräuter, die durch den konsequenten Einsatz von Herbiziden aus den Äckern und deren Umfeld fast vollständig verschwunden sind. "Die Spritzmittel vernichten beispielsweise im Weizenfeld alle zweikeimblättrigen Pflanzen", erläutert Berthold, "also die Mohnblumen, die Kornblumen, die Kornraden, die Stiefmütterchen und ungefähr 200 weitere Arten. Und die haben alle früher Samen gebildet, sodass allein in den Weizenfeldern in den 1950er-Jahren noch bis zu einer Million Tonnen Sämereien von diesen Wildkräutern produziert worden sind." Samen, die ebenfalls eine wichtige Nahrungsquelle für viele Vogelarten waren.

Füttern als Notlösung

Das mangelnde Futterangebot wirkt sich in einem drastischen Rückgang der Wildvogelpopulationen aus. Einer Studie britischer Forscher aus dem Jahr 2014 zufolge hat die Zahl der Vögel in Europa in den vergangenen 30 Jahren um mehr als 420 Millionen abgenommen.

Wildbiologe Peter Berthold sieht angesichts der Nahrungsproblematik zurzeit nur eine Lösung: Wir müssen die Vögel füttern, nicht mehr nur in den kargen Wintermonaten – das ganze Jahr über!

Autor: Thomas Wagner (NDR)

Stand: 16.04.2016 17:35 Uhr