SENDETERMIN Mi, 20.04.16 | 03:30 Uhr | Das Erste

Hilfe für Singvögel

PlayFrau mit Wiesenmischung
Hilfe für Singvögel | Video verfügbar bis 15.04.2021 | Bild: ARD

Die Lebensräume für Singvögel auf dem Land leiden unter der modernen, intensiven Land- und Wasserwirtschaft. Umso wichtiger ist es, den Vögeln möglichst viele Alternativen zu schaffen. Besonders einfach ist das im Garten. Ein bisschen aufwendiger, aber ebenso machbar ist es auf gewerblich oder industriell genutzten Flächen. Der Nabu bietet für beide Optionen Lösungen an.

Rundum-Wohlfühlpaket für Singvögel im Garten

Rasen, Rosen, Koniferen - der klassische deutsche Garten ist ein Albtraum für Singvögel. Für Rotkehlchen, Amseln, Meisen und Konsorten sind solche Flächen grüne Wüsten. Hier finden sie kaum Nahrung, Deckung oder Platz zum Brüten. Ganz anders: der Nabu Naturgarten in Hamburg. Obwohl mitten in der Stadt gelegen, zwitschert und flattert es hier in allen Ecken. "Um so ein Anlaufpunkt für Singvögel zu werden, mussten wir gar nicht so viel tun, das kann jeder Gartenbesitzer ganz leicht nach machen", erklärt Birgit Kasolowsky. Sie ist eine der vielen Freiwilligen, die hier gärtnern und beraten. Die wichtigsten Tipps sind schnell zusammengefasst:

Die Wildblumenwiese - Nachwachsendes Vogelfutter

 Wildblumenwiese
Wildblumenwiese: Hier finden Vögel ausreichend natürliche Nahrung. | Bild: NDR

Viele Singvögel lieben Insekten und deren Larven. Die eiweißreichen Leckerbissen sind auch das wichtigste Futter für Jungvögel. Um also Insekten, und damit Vogelfutter, in den Garten zu locken, kann man eine Wildblumenwiese anlegen. Solche Wiesen sollten auch Gräser enthalten, denn nicht alle Vögel fressen Insekten. Viele von ihnen bevorzugen als Altvögel Sämereien, also die Samen von Blumen und Gräsern. So eine Wildblumenwiese muss nicht gleich die gesamte Gartenfläche einnehmen, aber ein paar Quadratmeter sollten es schon sein. Für das Anlegen der Blumenwiese bietet der Handel bereits vorgemischte Saaten an und auch beim Nabu kann man entsprechende Saatmischungen erwerben.

Da Wildblumen und Gräser am besten auf mageren Böden gedeihen, kann es sich lohnen, vor dem aussäen ein paar Schaufeln Sand in den Boden einzuarbeiten. Im Herbst muss die Wiese dann gemäht werden, am besten mit der Sense. Die Mahd sollte dann ein paar Tage liegen bleiben und vor dem Abtransport gut ausgeschüttelt werden. So können auch die letzten Samen von den Vögeln aufgelesen werden.

Schutzraum Hecke

Haselbusch
Hecken bieten Platz zum Brüten und Verstecken. | Bild: NDR

Hecken sind der Lieblingsort vieler, vor allem der kleineren Singvögel. Sie nutzen sie um sich zu verstecken, um darin zu brüten und auch als Nahrungsquelle. Für einen vogelfreundlichen Garten bieten sich vor allem heimische, laub- und fruchttragende Büsche und Bäumchen an. Unter anderem sind das Schlehe, Weißdorn, Heckenkirsche und Hasel. Koniferen hingegen werden von den meisten Vögeln höchstens als Aussichtsplatz oder Durchgangsstation genutzt.

Lebensraum Totholz-Haufen

Totholz
In totem Holz leben viele Insekten. | Bild: NDR

Hecken und Bäume müssen hin und wieder zurückgeschnitten und ausgedünnt werden. Die dabei anfallenden Äste und Zweige können als Totholz-Haufen weiterverwertet werden: einfach lose aufstapeln und sich selbst überlassen. In den Hölzern siedeln sich über kurz oder lang Insekten an und einige Singvogelarten, wie Rotkehlchen und Heckenbraunelle nutzen solche Haufen um darin zu brüten.

Treffpunkt Badestelle

Nasszelle für Vögel
Nasszelle für Vögel. | Bild: SWR

Ein wichtiger Treffpunkt für Vögel, der in vielen Gärten oft vergessen wird, ist die Badestelle. In kleinen Vogeltränken können sich die Vögel nicht reinigen. Gerade in trockenen Perioden ist es daher wichtig, eine etwas größere Wasserstelle anzubieten und darin einen Stein zu platzieren. So müssen die Vögel zum Trinken nicht im Wasser stehen, können aber durchaus auch ihr Gefieder waschen. In strengen Frostperioden leiden Vögel oft mehr Durst als Hunger. Die Futterhäuschen sind dann gut gefüllt, Pfützen, Weiher und Vogeltränken sind dann aber oft eingefroren. Es ist daher wichtig auch im Winter Wasser zur Verfügung zu stellen.

Tipp:
Der Nabu berät gerne zum Thema "Vogelfreundlicher Garten", und wer sich vor Ort ein Bild machen möchte ist im Nabu Naturgarten in Hamburg immer willkommen.

Unternehmens-Natur - Mehr Platz für Vögel

Nabu-Mitarbeiterin bei  Mercedes Benz
Nabu und Mercedes Benz arbeiten in Hamburg zusammen. | Bild: NDR

Die meisten Firmengelände sind eher praktisch als naturnah gestaltet. Asphalt, Beton, Pflastersteine, Gehwege, dazwischen ein paar immergrüne Büsche, quadratische Rasenflächen und ein paar Blumenkübel. Einer solchen Gestaltung fallen enorm viele Flächen zum Opfer, die eigentlich besser genutzt werden könnten. Das fiel auch dem Nabu auf, und so riefen die Naturschützer das Projekt "Unternehmens-Natur" ins Leben. Egal ob groß oder klein, kurz- oder langfristig, jede Firma kann mitmachen. Der Nabu berät dann vor Ort über sinnvolle Renaturierungs- und Gestaltungsmöglichkeiten auf dem Gelände.

Leuchtturm-Projekt im Hamburger Hafen

Pflanzen vor einer Werkshalle
Natur auf dem Werksgelände - eine perfekte Kombination. | Bild: NDR

Auf dem Gelände eines Mercedes-Benz Standortes im Hamburger Hafen treibt die Zusammenarbeit von Nabu und Mercedes-Benz erste Blüten. Vor einem Jahr wurden hier gut 15.000 Quadratmeter Rasenflächen durch Wildblumenwiesen ersetzt. Auf einer großen Wiese blühen zig verschiedene Blumen und büschelweise Gräser. Dazwischen tummeln sich  Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten. Und die wiederum haben Vögel auf das Gelände gelockt. "Für meine Kollegen und mich ist es eine große Freude die Natur hier am Arbeitsplatz zu haben. Wir sehen viel mehr Vögel als früher, hier leben zum Beispiel Schwalben, Finken, den Hausrotschwanz und einige mehr", bestätigt Stephan Göb, stellvertretender Werkleiter des Standortes.

Eine weitere grüne Oase haben die Mercedes-Benzler gemeinsam mit dem Nabu in einem anderen Bereich des Geländes geschaffen. Hier haben sie eine Sickerfläche renaturiert. Ein kleiner Tümpel, drum herum 5.000 Quadratmeter Wildnis mit Bäumen, Wasservegetation, Gräsern und Wiesenblumen sind dabei entstanden.

Wohnraum für Vögel

Ein Nistkasten wird an einem Baum angebracht.
Die richtige Ausrichtung von Nistkästen ist wichtig. | Bild: NDR

Um den neu zugezogenen Vögeln ein bisschen mehr Wohnraum anzubieten, hängen bereits fünf Nistkästen auf dem Gelände, weitere zehn sollen folgen. Bei der Auswahl der richtigen Plätze hilft Dr. Katharina Schmidt vom Nabu. "Nistkästen sollten gut sichtbar aufgehängt werden, sodass die Vögel die Kästen auch finden und vor allem gut anfliegen können. Sie sollten auf keinen Fall nach Süden ausgerichtet werden, denn selbst die Frühlingssonne kann solche Nistkästen schon extrem aufheizen und die Küken dann den Hitzetod sterben."

Der Nistkasten sollte einmal im Jahr, am besten im Herbst ausgeleert werden. Ein Auswaschen mit kochendem Wasser ist nur nötig, wenn der Kasten stark verschmutzt ist, was eher selten vorkommt. Einen Tipp hat Katharina Schmidt noch: "Für unterschiedliche Vögel gibt es natürlich auch unterschiedliche Nistkästen. Das hängt von der Größe, aber auch von den Nistbedürfnissen der Tiere ab. Spatzen zum Beispiel brüten gerne in Kolonien, Meisen bevorzugen Kästen mit sehr kleinem Einflugloch und Mauersegler brauchen eine spezielle Einflugöffnung. Welche Nistkästen es gibt und welche in ihrem Gebiet Sinn machen, erfahren sie im Fachhandel oder bei uns im Nabu."

Autorin: Julia Schwenn (NDR)

Stand: 11.07.2019 15:24 Uhr