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Vogelmord am Urlaubsort

PlayModerator in großem Käfig
Vogelmord am Urlaubsort | Video verfügbar bis 15.04.2021 | Bild: ARD

Millionen von Singvögeln verenden Jahr für Jahr auf dem Weg nach Süden, gefangen in den Netzen und Fallen legaler und illegaler Vogeljäger. In praktisch allen Staaten rund um das Mittelmeer hat der Vogelfang eine lange und unrühmliche Tradition. Hauptübeltäter auf europäischer Seite: Frankreich, Italien, Zypern, Malta, Bulgarien und Rumänien.

Zahnloser Vogelschutz

Eigentlich verbietet die Vogelschutzrichtlinie der EU schon seit 1979 die Jagd auf die meisten Wildvogelarten. Lediglich 24 Arten gelten als nicht gefährdet und dürfen bejagt werden, für 54 weitere Arten ist aber auf Antrag der jeweiligen Mitgliedsstaaten eine ebenfalls eine Jagderlaubnis möglich.

Besonders ausgiebig Gebrauch davon machen Frankreich und Italien. Allein durch legale Jagd kommen in diesen beiden Ländern jährlich mehr als 40 Millionen Vögel ums Leben. Wenigstens die gleiche Menge dürfte Wilderern zum Opfer fallen.

Grausame Fallen

Schlagfalle
Eine getarnte Schlagfalle. | Bild: NDR

Bei den Fangmethoden ist man wenig zimperlich: Netze, in denen die Vögel sich verfangen; Leimruten, an denen sie kleben bleiben; Schlingen, in denen die Tiere sich strangulieren, wenn sie zu entkommen versuchen; Schlagfallen, die die Vögel bestenfalls nur einklemmen, oft aber so stark verletzen, dass sie elend verenden.

In Frankreich ist der Einsatz all dieser Methoden auch in der legalen Jagd zulässig. Der Einsatz von Netzen ist in Italien und Spanien erlaubt, nur in Spanien auch der von Leimruten.

Mahlzeit!

Italeinsche Polizisten der Antiwilderereinheit
Pettirosso (Rotkehlchen) heißt die Antiwilderereinheit der italienischen Polizei. | Bild: NDR

Viele der getöteten Vögel landen auf dem Teller. Gerichte mit Singvögeln gelten in bestimmten Regionen als Delikatesse. In Italien waren sie lange Zeit sogar in Restaurants erhältlich, seit 2013 allerdings nur noch illegal und zu entsprechend hohen Preisen. Doch das Aufbessern des Speiseplans ist schon lange nicht mehr der Hauptgrund den Tieren nachzustellen: "Es gibt zwar einige, die sich so ein Zubrot verdienen", erklärt Alexander Heyd vom Komitee gegen den Vogelmord, "doch das ist mittlerweile fast ausgestorben.

Professionelle Wilderei gibt es fast nicht mehr. Für die meisten, eigentlich für alle, ist es eine Tradition. Das ist etwas Gemeinschaftsbildendes. Die Norditaliener zum Beispiel, die möchten sich ein bisschen absetzen von Rom, von Brüssel. Sie möchten zeigen, dass sie unabhängig sind und halten an besonders alten Traditionen fest. Dazu gehören Dialekte, Volkstänze, aber auch die Wilderei."

Kampf der Wilderei

Um dieser unerwünschten Traditionspflege den Garaus zu machen, unterhält die italienische Forstpolizei eine Sondereinheit. Unter dem Namen Petirosso (Rotkehlchen) verfolgt sie Vogelwilderer. Unterstützung erhält sie dabei von privaten Aktivisten, die ebenfalls regelmäßig auf die Suche nach illegal aufgestellten Fallen gehen. Das "Komitee gegen den Vogelmord" mit Hauptsitz in Bonn etwa veranstaltet regelmäßig sogenannte Vogelcamps in den bekannten Wildererregionen Südeuropas, um dort Fallen zu suchen und unschädlich zu machen.

Autor: Thomas Wagner (NDR)

Stand: 11.07.2019 15:24 Uhr