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Die Suche nach einem Torfersatz

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Die Suche nach einem Torfersatz | Video verfügbar bis 20.10.2023 | Bild: NDR

8,5 Millionen Kubikmeter, eine Menge, die 108.000 große Container füllen würde: So viel Torferde verbrauchen Profis und Hobbygärtner in Deutschland jedes Jahr. Noch geht im Gartenbau nichts ohne den jahrhundertelang gewachsen Rohstoff aus dem Moor.

Alleskönner Torf

Im Erwerbsgartenbau wurzeln 98 Prozent der Kulturpflanzen noch immer in klassischer Torferde, in der die Setzlinge zuverlässig wachsen. Auch im Hobbybereich enthalten 90 Prozent der Blumenerden den Alleskönner. Torf kann ein Vielfaches seines eigenen Gewichts an Wasser speichern und ist gleichzeitig so luftig, dass die Wurzeln atmen können. Dabei zersetzt er sich nicht im Topf, speichert Nährstoffe aus Düngern gut und gibt sie langsam an die Wurzeln ab. Mit Ton, Sand, Kalk und Dünger gemischt lässt er sich so an nahezu jedes Pflanzenbedürfnis anpassen.Das einzige Problem: Er ist nicht nachhaltig. Bis sich einen ein Meter dicke Torfschicht aus zersetzten Pflanzen gebildet hat, vergehen bis zu 1.000 Jahre.

Die Krux mit den Torf-Ersatzstoffen

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Kompost ist eher ein Dünger als ein Substrat. | Bild: NDR

Deshalb investiert die Industrie seit Jahren in die Suche nach einem geeigneten Ersatz für Torferde. Kandidaten gibt es, aber alle haben gegenüber Torf Nachteile: Kompost ist eher ein Dünger als ein Substrat, denn er ist extrem nährstoffreich. Viele Pflanzen vertragen ihn nicht, denn sie sind auf magere Böden angewiesen. Außerdem schwanken Qualität und Zusammensetzung, je nachdem welche Abfälle im Komposthaufen verrotten.

Rindenhumus ist meist zerkleinerte, kompostierte Nadelholzrinde. Rindenhumus hat ein besseres Luftvolumen als Torf, aber hält Wasser dafür deutlich schlechter. Ähnlich wie Holzfasern, die sich darüber hinaus auf Dauer zersetzen und ihre Struktur verlieren.

Eine häufig genutzte Alternative zu Torf sind Kokosfasern, die aus der faserigen äußeren Schicht von Kokosnüssen gewonnen werden.  Sie haben viele der guten Eigenschaften von Torf, sind aber wegen des langen Transportweges auch keine besonders klimaschonende Alternative.

Für alle Ersatzstoffe gilt, dass sie in der Regel teurer und in weniger großen Mengen als Torf verfügbar sind.

Innovative Forschungsansätze

Torfmoos-Versuchsfeld
Bagger jätet Unkraut auf dem Torfmoos-Versuchsfeld im Hankhauser Moor. | Bild: NDR

Ein vollkommen neuer Gedanke ist der gezielte Anbau von Torfmoos als Ersatz für Torferde. Dazu braucht das Moos selbst nicht lange zu vertorfen. Schon in zerkleinerter, mit Dampf hygienisierter und getrockneter Form lässt sich daraus ein Pflanzsubstrat gewinnen, das vergleichbar gute Eigenschaften hat wie "gereifter" Weißtorf. Auf Versuchsfeldern in Niedersachsen baut das das Torfwerk Ramsloh in Zusammenarbeit mit den Unis Greifswald, Freiburg und Karlsruhe schon Torfmoos an. Testpflanzungen von Heide, Zierpflanzen und Gemüse auf Torfmoos-Substrat, die die Uni Berlin begleitet, haben vielversprechende Ergebnisse geliefert. Allerdings sind die Produktion und der Anbau noch fünfmal so teuer wie bei klassischer Torferde. Erst in ein paar Jahren soll das Verfahren soweit ausgereift sein, dass Torfmoossubstrat nicht nur qualitativ, sondern auch preislich eine ernstzunehmende Alternative zum Torf ist.

Torffreie Blumenerde: Worauf sollte man achten?

Kokosfasern
Kokosfasern sind meist in Blockform erhältlich, sie quellen im Wasser auf. | Bild: NDR

Die im Handel erhältlichen torffreien Erden und Substrate sind in der Regel Mischungen der verschiedenen bekannten Ersatzstoffe. Für den Erwerbsgartenbau lohnen sie sich in der Regel nicht, weil sie teurer sind und für jede Pflanze aufwendig getestet werden müssten, um Wasser- und Düngerversorgung neu einzustellen. Für den Hobbygärtner aber können sie eine umweltfreundliche Alternative zu Torf sein. Dabei ist es wichtig, genau auf die Inhaltsstoffe zu achten. Nur Bezeichnungen wie "torffrei" oder "ohne Torf" und das Gütesiegel RAL garantieren, dass die Erde wirklich keinen Torf enthält. Es kann sich lohnen, nicht die billigste Alternative zu kaufen, denn die Qualität von torffreien Substraten schwankt noch stärker als bei herkömmlicher Torferde.

Autorin: Annette Schmaltz (NDR)

Stand: 19.10.2018 14:13 Uhr