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Sauberes Wasser am Kiosk

PlayWasser wird in Kanister abgefüllt
Sauberes Wasser am Kiosk | Video verfügbar bis 08.11.2021 | Bild: SWR

Alle Menschen sollen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben – so lautet eines der Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Doch 2015 mussten weltweit noch immer 663 Millionen Menschen ihr Wasser aus verschmutzten Flüssen oder Quellen schöpfen. Die Hälfte von ihnen lebt im südlichen Afrika. Dort hat rund ein Drittel der Bevölkerung kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung. Die Folgen sind gravierend: Jedes Jahr sterben rund 622.000 Kinder an Durchfallerkrankungen, die durch verschmutztes Wasser verursacht wurden.

Technisch einfache Lösung

 Wasserkiosk
Im Wasserkiosk wird aus verschmutztem Flusswasser sauberes Trinkwasser. | Bild: WDR

Für dieses Problem gibt es eine technisch relativ einfache Lösung: ein Wasserfilter mit einer extrem feinen Membran, die nicht nur grobe Verschmutzungen, sondern auch Keime auffängt. Dieser Wasserfilter ist das Herzstück der "Safe Water Enterprises". Nachdem das verschmutzte Fluss- oder Grundwasser einmal in Tanks auf einen Turm gepumpt wurde, kommen die Anlagen ohne zusätzliche Energie aus. Das Wasser läuft automatisch durch einen darunter liegenden Filter und sammelt sich in einem zweiten Tank.

Stiftungs-Projekte für nachhaltige Entwicklung

Caroline Weimann
Caroline Weimann, Projektleiterin bei der Siemens-Stiftung prüft, ob der Kiosk profitabel wirtschaftet. | Bild: WDR

Bislang wurden in Kenia 17 solcher Wasserkioske aufgestellt. Finanziert wurden sie von der Siemens-Stiftung. Die von dem gleichnamigen Konzern mit einem Stiftungskapital ausgestattete Organisation engagiert sich für eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung in Europa, Afrika und Lateinamerika und setzt dabei neben Bildung vor allem auf eine gesicherte Grundversorgung. Dabei ist es das erklärte Ziel der Stiftung, dass sich die von ihr finanzierten Projekte auf Dauer selber tragen.

Profitabel wirtschaften

Frauen am Fluss
Warum für Wasser bezahlen, das bislang umsonst war? | Bild: WDR

Damit die Wasserkioske nicht für unabsehbare Zeit auf ausländische Unterstützung angewiesen sind, wird das Wasser an die Bevölkerung nicht verschenkt, sondern verkauft. Sie müssen so viel Gewinn erwirtschaften, dass davon eine Person bezahlt werden kann, die die Anlage betreibt und wartet. Gleichzeitig darf das Wasser nicht so teuer sein, dass es sich die Menschen nicht mehr leisten können. Knapp 5 Cent für 20 Liter sind für alle im Dorf bezahlbar. Trotzdem kommt die gute Idee nicht automatisch bei allen Bewohnern an.

Warum für Wasser bezahlen?

Unterricht einer Schulklasse
In der Schule werden die Kinder über die Bedeutung von sauberem Wasser aufgeklärt. | Bild: WDR

Die Menschen verstehen nicht, was plötzlich schlecht daran sein soll, das Wasser aus dem Fluss zu holen, wie es schon ihre Großeltern getan haben. Sie wissen nicht, dass die Gewässer heute viel dreckiger sind als vor 50 Jahren, weil inzwischen deutlich mehr ungeklärte Abwässer eingeleitet werden als früher. Auch der Zusammenhang zwischen verschmutztem Wasser und Durchfallerkrankungen ist oft nicht bekannt. Warum also für Wasser bezahlen, denn - dreckig wie es ist - war es bislang immerhin umsonst.

Hausbesuche, Straßentheater, Lehrer

Frau nimmt Wasserkanister auf den Kopf
Die Aufklärungsarbeit kostet mehr als die Anlage. | Bild: WDR

Die Stiftung setzt auf Aufklärung, die mindestens genauso wichtig ist wie die Logistik und Technik. Mindestens ein Jahr werden die Anwohner bei Hausbesuchen durch freiwillige Helfer, Straßentheater oder Lehrer in der Schule über die Zusammenhänge informiert. Sie werden darüber informiert, warum es sich lohnt, für sauberes Wasser zu bezahlen. All diese Veranstaltungen, Trainings und Materialien kosten mehr als die Anlage an sich. Doch nur so erreicht der Wasserkiosk eine Gewinnspanne, mit der sich Betrieb und Wartung dauerhaft finanzieren lassen und die das Projekt von fremder Hilfe unabhängig macht.

Mehr als nur eine gute Idee

Seit 50 Jahren finanzieren Hilfsorganisationen Projekte in Afrika. Doch wenn sich die Spender zurückziehen, verlaufen die Projekte oft im Sande, weil sich niemand dafür zuständig fühlt, die Gebäude oder Anlagen in Stand zu halten. Damit sich das ändert, gehen inzwischen manche Organisationen neue Wege: Sie ziehen die Hilfe als Geschäftsmodell auf. Projekte müssen für die Betreiber vor Ort finanziellen Gewinn abwerfen. Dann werden sie sich auf Dauer halten. Damit das gelingen kann, braucht es viel mehr als nur eine gute Idee und die technische Ausstattung.

Autorin: Katharina Nickoleit (WDR)

Stand: 13.07.2019 05:47 Uhr

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