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Anders: Das Küstenwetter

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Anders: Das Küstenwetter  | Video verfügbar bis 30.04.2021 | Bild: SWR

An Nord- und Ostseeküste hat man so seine Probleme mit dem Wetterbericht. Oft ist schlechtes Wetter vorhergesagt, während in Wirklichkeit die Sonne lacht. Tagestouristen kommen aber nicht bei schlechter Wetterprognose. Orte wie etwa Timmendorfer Strand leben von Tagestouristen, größtenteils aus dem Großraum Hamburg. Bleiben diese Gäste aufgrund falscher Wetterprognosen aus, bedeutet dies massive Umsatzeinbußen. Das ärgert vor allem Geschäftsleute wie den Strandkorbvermieter Marcus Bade.

Erfahrung versus Wetter-App

Personen liegen in Strandkörben
Sagt die Wetter-App schlechtes Wetter voraus, bleiben Tagestouristen aus. | Bild: WDR

Marcus Bade kommt aus dem Norden und weiß oft genau, bei welchen Voraussetzungen die Sonne scheint – oder eben nicht. Dieser Erfahrung vertrauten seine Gäste früher und riefen ihn vor dem Wochenendtrip an. Das hat sich jedoch in den letzten Jahren gewandelt. Heute geht der Blick meist auf das Handy: Sagt die Wetter-App schlechtes Wetter voraus, bleiben die Touristen zuhause, unabhängig davon, ob dann herrliches Strandwetter herrscht.

Das Land-See-Windsystem

Der geschlossene Kreislauf des Land-See-Windsystem.
Das Land-See-Windsystem ist ein lokales, küstennahes Wetterphänomen.  | Bild: WDR

Dabei liegt sogar der Deutsche Wetterdienst mit seinen Prognosen für das Küstenwetter oft falsch. Grund ist ein Wetterphänomen, das wegen der unterschiedlichen Wärmeeigenschaften von Festland und Wasser entsteht: Das Land erwärmt sich tagsüber gegenüber dem Wasser schneller. Die Warmluft über dem Land steigt auf. Da die Luft über dem Wasser noch kühler ist und nicht aufsteigt, herrscht dort ein niedrigerer Luftdruck. Die aufsteigende Luft vom Land weicht dorthin aus, kühlt sich wieder ab und fällt nach unten. Eine Ausgleichsströmung entsteht – ein Wind.

Dieses sogenannte Land-See-Windsystem tritt nur rund einen Kilometer landeinwärts und einen Kilometer seewärts auf. In diesem Bereich vertreibt der Wind die Wolken. Es kann also sein, dass während es ein paar Kilometer landeinwärts regnet, direkt am Strand herrlichstes Badewetter herrscht. Ein lokales Wetterphänomen, das sich nicht vorhersagen lässt und das jeder als "steife Brise" an der See kennt.

Eigene Wettersymbole und Webcams

Wettervorhersage auf der Website  von Timmendorfer Strand
Im Tourismusbüro Timmendorfer Strand kämpft mit einer eigenen Vorhersage gegen die falschen Prognosen. | Bild: WDR

Als eine der ersten Gemeinden an der Ostsee hat das Tourismusbüro von Timmendorfer Strand reagiert und einige kreative Lösungsansätze gefunden. Zum Beispiel stellt die Gemeinde seither ihren eigenen Wetterbericht mit eigenen Wettersymbolen auf ihre Website. Die Wetterdaten kaufen sie bei verschiedenen Anbietern ein, zwischen denen sie wechseln können, je nachdem welcher gerade richtiger liegt. Außerdem wurden HD-Webcams installiert, die das aktuelle Wetter vor Ort zeigen. Das Tourismusbüro versucht, das vorhergesagte Wetter besser zu kontrollieren. Aber trotzdem wird das Küstenwetter auch in Zukunft noch für Überraschungen gut sein.

Autor: Andreas Martin (WDR)

Stand: 11.07.2019 17:33 Uhr