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Wie gut verstehen wir Wetterdaten?

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Wie gut verstehen wir Wetterdaten?  | Video verfügbar bis 30.04.2021 | Bild: SWR

Wolken, Sonne, Regentropfen, Blitz: Wettersymbole präsentieren das Wetter eines Tages auf einen Blick. Dass die Wolke bei dem einen Anbieter etwas grauer und beim anderen etwas weißer ist, bei dem einen Anbieter ein Regentropfen und bei dem anderen drei Regentropfen abgebildet sind, obwohl beide die gleiche Wetterlage beschreiben, kann vorkommen – und ist verwirrend.

Es liegt daran, dass die Symbole nicht genormt sind. Jeder Anbieter hat sein eigenes Design. Vielleicht ist eine bestimmte Wettervorhersage beliebter, weil dort selbst der stärkste Regen in der Vorhersage immer freundlich aussieht? Tipp: Am besten immer auch die Kurztexte dazu lesen.

Die Regenwahrscheinlichkeit  

Meteorologin Yvonne Tuchscherer und Reporter Burkhardt Weiß.
Meteorologin Yvonne Tuchscherer erklärt den begriff "Regenwahrscheinlichkeit". | Bild: WDR

Einige Meteorologen benutzen den Begriff der Regenwahrscheinlichkeit nicht gerne, weil sie aus Studien mit Laien wissen, dass der Begriff oftmals falsch verstanden wird. Die Angabe einer Regenwahrscheinlichkeit ist aber im Zeitalter der Wetter-Apps wieder aktuell geworden. Wenn eine Regenwahrscheinlichkeit von 60 Prozent angegeben wird, meint das: In 60 von 100 Fällen, die durch diese Wetterlage, die an dem Tag auftreten soll, gekennzeichnet sind, hat es geregnet. Sie gibt also nur die Wahrscheinlichkeit an, dass es an dem Tag regnen könnte – und zwar mindestens einmal. Sie sagt weder etwas über die Menge des Niederschlages, noch über dessen Dauer aus.

Manchmal wird die Wahrscheinlichkeit direkt mit der voraussichtlichen Niederschlagsmenge angegeben. Und dabei liest man auch mal scheinbar widersprüchliche Angaben wie 40 Prozent Regenwahrscheinlichkeit mit einer angenommenen Regenmenge von 0,0 Litern pro Quadratmeter. Das liegt dann sehr wahrscheinlich daran, dass der Anbieter der Wettervorhersage die Niederschlagsmenge prinzipiell erst bei einer Wahrscheinlichkeit ab 50 Prozent aufführt.

Die Niederschlagsmenge

[W]-wie-Wissen-Reporter Burkhardt Weiß mit einem Niederschlagsmesser.
Neun Millimeter Niederschlag bedeuten neun Liter auf einen Quadratmeter.  | Bild: WDR

Der Niederschlag wird üblicherweise in der Maßeinheit Millimeter angegeben. Eine Niederschlagsmenge von 9 Millimetern entspricht 9 Litern pro Quadratmetern. Faktoren wie Verdunstung, Bodenversickerung oder Abfluss werden bei der Messung nicht berücksichtigt. Wenn die Niederschlagsmenge in Wettervorhersagen angegeben wird, ist das übliche Messintervall 24 Stunden – es sei denn, eine andere Zeitspanne ist explizit genannt. Über die Niederschlagsintensität sagt eine Tagesangabe wenig: Dafür ist entscheidend, ob die Regenmenge über den Tag verteilt oder beispielsweise nur vormittags fällt.

Meteorologen sprechen bei weniger als einem halben Liter pro Quadratmeter in einer Stunde von leichtem Niederschlag, bei weniger als vier Litern pro Quadratmeter in einer Stunde von mäßigem Niederschlag und bei mehr als vier Litern pro Quadratmeter in einer Stunde von starkem Niederschlag. Der Deutsche Wetterdienst warnt ab einer Regenmenge von über 15 Litern pro Quadratmeter pro Stunde vor Starkregen.

Das Niederschlagsradar

Handy mit Niederschlagsradar.
Wird’s demnächst regnen? Am besten das Niederschlagsradar checken.  | Bild: WDR

Prinzipiell gilt für die Niederschlagsprognose: Länger anhaltender Regen lässt sich besser vorhersagen als Regenschauer. Wer kurzfristig wissen will, ob es regnen wird oder nicht, der sollte sich eine Wetter-App mit Niederschlagsradar installieren. Es zeigt alle fünf Minuten die aktuelle Verteilung der Niederschläge über Deutschland. Die Radarvorhersage berechnet aus dem letzten vorhandenen Radarbild auf Basis der Zugbewegung der Wolken, wohin die Regenwolken ziehen könnten. Das Prinzip des Radars beruht auf der Rückstreuung von elektromagnetischer Strahlung an den Niederschlagsteilchen. Anhand der Radardaten kann nicht nur die Lage, sondern auch die Intensität ermittelt werden. Diese wird im Niederschlagsradar mit unterschiedlichen Farben dargestellt.

Für die kommenden zwei Stunden ist das Niederschlagsradar die zuverlässigste Vorhersage, aber auch hier gibt es mögliche Fehlerquellen: Wenn das Regenradar eine geringe Niederschlagsintensität anzeigt, kann es auch vorkommen, dass gar kein Regen auf der Erde ankommt, weil er schon auf dem Weg nach unten verdunstet ist. Und neu entstehende Niederschlagsgebiete kann die Radarprognose nicht vorhersagen, da in der Vorhersage ja lediglich die vorhandenen Niederschlagsgebiete verlagert werden. Ganz genau den Regen vorherzusagen, bleibt also immer noch eine der schwierigsten Aufgaben der Wettervorhersage.

Autorin: Pia Huneke (WDR)

Stand: 30.04.2016 11:20 Uhr

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