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Warum wir Gewohnheiten brauchen

PlayEine grafische Querschnitt-Aufnahme vom Gehirn.
Warum wir Gewohnheiten brauchen | Video verfügbar bis 03.02.2023 | Bild: WDR

30 Prozent, 50 Prozent - vielleicht viel mehr: Die Schätzungen, wie viele unserer Handlungen Gewohnheit sind, gehen weit auseinander. Es lässt sich nur sehr schwer messen und ist von Person zu Person unterschiedlich. Fest steht aber: Ein großer Teil aller Bewegungen im Alltag sind Gewohnheiten.

Wie entstehen Gewohnheiten?

Eine grafische Querschnitt-Aufnahme vom Gehirn.
Nur zu Anfang werden unsere Bewegungen noch bewusst gesteuert. Später laufen sie automatisch ab. | Bild: WDR

Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen spult der Mensch ganz ohne nachzudenken immer wieder dieselben Routinen ab: Hemd oder Bluse werden zugeknöpft, der Kragen gerichtet oder die Schuhe gebunden. Dass das alles Gewohnheiten sind, zeigt sich erst, wenn man darüber nachdenken muss oder man sich gar nicht in der passenden Situation befindet. Dann fällt es unglaublich schwer, die einzelnen Bewegungen vom Schnürsenkel-Binden Schritt für Schritt zu erklären.

Der Automatisierungsprozess, der zu Gewohnheiten führt, wird vom Gehirn gesteuert. Im Grunde handelt es sich dabei um einen Lernprozess, wie er besonders bei Kleinkindern deutlich wird. Am Anfang muss der Mensch jede seiner Handlungen und Abläufe sehr bedacht ausführen. Die Bewegungen sind noch unbedarft, alles ein wenig langsamer als gewünscht.

Ständiges Erinnern führt zum Erfolg

Detailaufnahmen von vielen gleichzeitigen Handlungen.
Dank Gewohnheiten können wir viele Dinge gleichzeitig erledigen. | Bild: WDR

Das menschliche Gehirn verfügt über ein sogenanntes Handlungsgedächtnis, in dem alle erfolgreichen Bewegungen abgespeichert und hinterlegt werden. So kann sich das Gehirn beim nächsten Mal in derselben Situation daran erinnern. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Bewegung genauso ausgeführt wird und damit auch die Chance, dass sie klappt.

Das ist auch ein Grund dafür, warum wir beispielsweise beim Klavierspielen lernen und dabei immer besser werden. Irgendwann sind unsere Verbindungen im Hirn so gut verknüpft, dass es nicht nur leichter, sondern fast automatisch von der Hand geht. Dabei verändern sich die Hirnstrukturen. Die Verbindungen, die neu und stärker verknüpft werden, verlagern sich mit der Zeit und mit jeder Wiederholung in andere Hirngebiete. Wo die Abläufe zuvor noch vom Bewusstsein gesteuert wurden, laufen sie später allein im Unterbewusstsein ab.

Ohne Gewohnheiten geht es nicht

Das ist nicht nur praktisch, sondern auch bitter nötig. Hirnforscher sind sich sicher, dass der Mensch ohne Gewohnheiten gar nicht überleben kann. Jede noch so kleine Bewegung bewusst zu steuern, würde das menschliche Gehirn überfordern. Es benötigt schließlich sehr viel Energie dafür, die unzähligen Reize aus der Umwelt zu filtern.

Autoren: Mathias Tertilt, Eva Schultes (WDR)

Stand: 01.08.2019 03:25 Uhr

Sendetermin

Sa., 10.02.18 | 04:25 Uhr
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Produktion

Bayerischer Rundfunk
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