SENDETERMIN Sa., 01.08.20 | 16:00 Uhr | Das Erste

Süße Früchtchen – Wie gesund ist Obst?

PlayVerschiedene Obststorten liegen auf einem blauen Tisch.
Süße Früchtchen – Wie gesund ist Obst? | Video verfügbar bis 02.05.2025 | Bild: NDR

Fünf Mal am Tag Obst oder Gemüse essen – so lautete lange die goldene Regel für gesunde Ernährung. Doch viele Früchte enthalten so viel Zucker, dass Ernährungsexperten empfehlen, die Regel anzupassen. Sie raten: Esst weniger Obst und dafür mehr Gemüse!

Am süßesten sind Trockenfrüchte: 100 Gramm Datteln etwa kommen leicht auf 60 Gramm Zucker – das entspricht rund 20 Zuckerwürfeln. "Ein Diabetiker sollte das auf keinen Fall zu sich nehmen, und auch für einen Gesunden sollte das definitiv die Ausnahme sein", warnt Dr. Stefan Kabisch vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Doch auch bei frischen Früchten lohnt es sich für Diabetiker oder Menschen mit Übergewicht genauer hinzusehen: Eine große Banane bringt es schnell auf eine Zuckermenge von 6 oder 7 Zuckerwürfeln. Das Gleiche gilt für eine Handvoll Weintrauben. "Man muss ein Gefühl dafür bekommen, mit welcher Zuckermenge man zu hoch liegt", sagt Kabisch. Er beobachtet bei vielen Patienten, dass sie den Zucker in Früchten unterschätzen und die fünf Mal am Tag-Regel nicht so interpretieren, wie sie gedacht ist: "Bei den meisten Patienten ist es leider so, dass sie fünf Mal am Tag Obst essen und das Gemüse eher weglassen – statt, wie empfohlen, insgesamt fünf Portionen über den Tag verteilt an Obst oder Gemüse zu verzehren." Und nicht nur das machen wir meistens falsch, weiß Stefan Kabisch: "Meistens sind es auch Obstsorten, die sehr zuckerhaltig sind. Wir empfehlen, mit tropischen Früchten oder Weintrauben zurückhaltend zu sein."

Obst und Diabetes

Verschiedene Obststorten liegen auf einem blauen Tisch.
Früchte enthalten nicht nur Fruchtzucker, sondern auch Traubenzucker. | Bild: NDR

Der Zucker, der in Früchten steckt, ist nicht gesünder als gewöhnlicher Haushaltszucker und ganz ähnlich zusammengesetzt. Früchte enthalten nicht nur Fruchtzucker, sondern auch Traubenzucker. Genau wie der Zucker aus der Küchenschublade, der ebenfalls etwa zur Hälfte aus Trauben- und zur anderen Hälfte aus Fruchtzucker besteht. Dass Traubenzucker bei der Entwicklung von Diabetes eine Rolle spielen kann, ist lange bekannt, denn er geht direkt ins Blut. Darauf reagiert die Bauchspeicheldrüse und produziert das Hormon Insulin, um den Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Insulin wirkt wie ein Schlüssel, der die Zellen für den Traubenzucker öffnet. In den Zellen wird er verbrannt und liefert Energie. Wenn wir ständig zu viel Zucker aufnehmen, kann es im Blut zu einer Art Zuckerstau kommen. Dann wird zwar jede Menge Insulin produziert, aber es wirkt kaum noch. Wie bei einem ausgeleierten Schloss, lassen sich die Zellen trotz Schlüssel nicht mehr richtig öffnen, sie sind "insulinresistent". Wenn der Zucker dauerhaft im Blut verbleibt, werden Gefäße und Organe geschädigt – das ist das Gefährliche an der Zuckerkrankheit Diabetes.

Vom Fruchtzucker zur Fettleber

Leber grafisch dargestellt mit Fetttropfen an der Außenwand.
Die Auswirkungen der Fettleber sind noch wenig erforscht. | Bild: NDR

Da Fruchtzucker nicht direkt die Insulinproduktion ankurbelt, dachte man lange, diese Zuckerart sei für Diabetiker gesünder. Inzwischen weiß man: Fruchtzucker belastet die Leber, da er nur dort verstoffwechselt werden kann. Wenn die Leber mehr davon erhält, als sie verarbeiten kann, wandelt sie den Fruchtzucker in Fett um und lagert es an: Eine Fettleber entsteht. "Dieses Krankheitsbild spielt zunehmend auch in der Diabetes-Forschung eine Rolle", erklärt Dr. Stefan Kabisch. "Einerseits erkennen wir, dass die Fettleber ein Problem für die Leber darstellt und zu sehr schweren Krankheitsverläufen führen kann. Zum anderen wissen wir, dass Patienten, die ihre Fettleber loswerden, auch eine große Chance haben, den Diabetes loszuwerden." Mit einer konsequenten Ernährungsumstellung unter ärztlicher Aufsicht kann es gelingen, Diabetes auch ohne Medikamente in den Griff zu bekommen.

Süß ist nicht gleich zuckerhaltig

Datteln und Zuckerstücke liegen nebeneinander auf einem gelben Tisch.
Weniger Obst – dafür mehr Gemüse! | Bild: NDR

Wie hoch der Zuckergehalt in einer Frucht ist, kann man nicht immer zuverlässig herausschmecken. Beeren haben trotz ihres intensiven, teils süßen Geschmacks nur wenig Zucker und sind auch für Diabetiker empfehlenswert. Mit einer großen Handvoll Blaubeeren kommt man beispielsweise gerade mal auf die Menge, die in einem Zuckerwürfel steckt. Von Rezepten, in denen Industriezucker durch sehr süße Früchte wie Rosinen oder Datteln ersetzt wird, hält Diabetologe Stefan Kabisch wenig: "Das macht keinen Unterschied, ob das jetzt 50 Gramm Zucker aus der Packung sind, oder 50 Gramm Zucker in Form von Datteln. Das bisschen an Ballaststoffen, an Mineralstoffen, macht prinzipiell ein etwas gesünderes Lebensmittel draus, aber der Zuckergehalt ist am Ende doch das, was zählt, und da tut man sich keinen großen Gefallen, wenn man das ersetzt." Er rät Patienten, die an Diabetes erkrankt sind oder auf eine Stoffwechselstörung zusteuern: "Fünf Mal am Tag ist immer noch eine gute Regel. Aber man sollte darauf achten, dass Gemüse die Oberhand behält. Obst hat seine Berechtigung, aber man sollte auf die Menge achten."

Autoren: Christine Seidemann und Ute Jurkovics (NDR)

Stand: 27.07.2020 10:39 Uhr

Sendetermin

Sa., 01.08.20 | 16:00 Uhr
Das Erste

Produktion

Südwestrundfunk
für
DasErste