SENDETERMIN Do., 27.08.15 | 19:45 Uhr | Das Erste

Männliche Blüten duften anders als weibliche

PlayThomas D
Männliche Blüten duften anders als weibliche | Video verfügbar bis 30.07.2020 | Bild: ARD/Ralf Juergens

Kennen Sie das: "Ich kann Dich gut riechen". Ich würde mal sagen, dass der Geruch bei der menschlichen Partnerwahl eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Aber wie ist das eigentlich bei Blumen? Duften männliche Blüten etwa anders als weibliche Blüten? Denn die Wissenschaftler haben jetzt eine Pflanzenart untersucht, die männliche und weibliche Blüten besitzt und auf nur einen Bestäuber angewiesen ist. Da wird das Bestäuben schon mal kompliziert und muss gut organisiert werden.

Hier zunächst einmal die Protagonisten. Es handelt sich um die außergewöhnliche Partnerschaft zwischen dieser Pflanze hier, aus dem Stamm der – mein neues Lieblingswort – Phyllantheae und ihren Bestäubern: Weibliche Motten der Gattung Epicephala. Wer denkt sich nur solche Namen aus? Zum Stamm der Phyllantheae gehören in etwa 1200 verschiedene Arten von Kräutern, Sträuchern und Bäumen. Sie wachsen hauptsächlich in Tropen und Subtropen.

Unterschiedliche Geruchspartikel

Denn die Hälfte von ihnen wird ausschließlich von unseren weiblichen Epicephala-Motten befruchtet. Und die würden eigentlich nur die weiblichen Blüten anfliegen, denn sie brauchen die Samen der weiblichen Blüten dringend als Futter für ihre Larven. Die männlichen Blüten würden sie eigentlich links liegen lassen. Um aber den Fortbestand dieser Pflanze zu sichern, musste sich die Natur also etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Und genau das untersuchten Forscher rund um Tomoko Okamoto von der Universität Kyoto.

Dazu beobachteten sie schwangere, weibliche Motten und eben Pflanzen aus dem Stamm der Phyllantheae. Und stellten Erstaunliches fest: Vor die Wahl gestellt, flogen 80 Prozent der Motten zuerst die männlichen und dann die weiblichen Blüten an. Wie kann das sein? Auf der Suche nach einer Erklärung stießen die Forscher auf unterschiedliche Geruchspartikel in den männlichen und den weiblichen Blüten.

Und so konnten sie beweisen, dass die männlichen Blüten der Phyllantheae unwiderstehlich anders dufteten! Und nur so ist eines sicher: Die weiblichen Motten fliegen zunächst einmal direkt die enorm reizvoll riechenden männlichen Blüten an. Bei der nächsten Eiablage auf der weiblichen Blüte nimmt dann die Motte automatisch den Pollen der männlichen Blüte mit. Der Motten-Nachwuchs gedeiht prächtig und die Pflanze hat ihren Fortbestand gesichert. Sie können sich eben gut riechen.

Sendetermin

Do., 27.08.15 | 19:45 Uhr
Das Erste