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Die Invasion der Pflanzen

Thomas D
Einige Pflanzenarten kommen als "blinder Passagier" zu uns, zum Beispiel auf Schiffen.  | Bild: ARD / Melanie Grande

Wenn sich fremde Pflanzen in unserer heimischen Natur ausbreiten, ist das nicht immer ein Liebesfilm. Das ist Drama, Action – oft ohne Happy End. Denn die fremden Pflanzen vermehren sich oft sehr schnell und verdrängen dabei ökologisch wichtige heimische Arten. Viele Pflanzen, die die Landschaft in Deutschland prägen, sind Einwanderer. Die meisten davon wurden bewusst eingeführt. Was wären wir zum Beispiel ohne Mais und Kartoffel?

Andere Arten kommen als "blinder Passagier" zu uns. Sie werden im Koffer von Reisenden auf Schiffen oder Flugzeugen eingeschleppt. Grundsätzlich ist die Einwanderung von Pflanzen in fremde Ökosysteme ein natürlicher Prozess, den es schon immer gegeben hat. Kamille, Klatschmohn oder Kornblume zum Beispiel kamen schon mit steinzeitlichen Völkerwanderungen zu uns – und haben sich seither friedlich in unsere heimische Flora eingegliedert.

Invasive Planzen in Europa

Es geht aber auch anders. Denn manche dieser fremden Pflanzen gelten als invasiv, Das heißt, sie verbreiten sich sehr schnell und sind in ökonomischer oder gesundheitlicher Hinsicht bedenklich, denn sie verändern ganze ökologische Kreisläufe. Die Robinie zum Beispiel kommt aus Nordamerika und breitet sich seit ihrer Einführung nach Europa im 17. Jahrhundert invasiv über ganz Europa aus. Als Schmetterlingsblütler kann sie Luftstickstoff binden, den Boden damit anreichern und somit chemisch verändern. Die Folge ist eine natürliche Überdüngung von seltenen Magerstandorten. Und das ist der Tod von vielen einheimischen Pflanzen.

Forscher vermuten, dass die Langzeitrisiken von Bioinvasoren bislang unterschätzt wurden. Denn gerade die Globalisierung mit dem enormen Anstieg des internationalen Handels sorgt für eine neue Welle der Bioinvasion.

Wissenschaftler der Universitäten Oldenburg und dem englischen Bristol haben jetzt ganz neue Modelle entwickelt, mit denen sie präzise Vorhersagen für Bioinvasion im Schiffsverkehr treffen können. Für jede einzelne Route, die ein Schiff fuhr, berechneten sie die Wahrscheinlichkeit, ob eine Pflanzenart die Reise überlebt und ob sie sich als neue Population im Zielhafen etablieren kann. Denn nur durch die gezielte Vorhersage der Invasionsrouten können Maßnahmen gegen schädliche Organismen ergriffen werden. So können zum Beispiel in Hot Spots der Bioinvasion wie Hongkong oder Singapur die Frachter gezielt desinfiziert werden. Schließlich wissen wir heute nicht, was sie morgen tun.

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