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Warum kann man schneller segeln als der Wind?

Vince Ebert pustet auf ein Segelboot.
Wie der geübte Windsurfer gegen den Fahrtwind zu Hochleistungsgeschwindigkeiten kommt. | Bild: ARD / Kai Schulz

Segeln ist ja für mich als Physiker eine beeindruckende Angelegenheit. Eine harmonische Kombination aus Hochleistungssport und aerodynamischen Gesetzen. Das findet auch Herr Jensen aus Warnemünde – er schreibt mir: "Aloha Vince! Warum kann man schneller segeln als der Wind?" Ein Wunder?

Zunächst muss man sagen: Je mehr Widerstand ein Boot besitzt, umso unmöglicher ist es, schneller als der Wind zu segeln. So ne tonnenschwere Segelyacht, die tut sich ziemlich schwer. Bei einem Eissegler oder nem Katamaran wird’s schon einfacher. Die Frage nun ist, was das Boot antreibt?

Wie das Segel-Paradoxon funktioniert

Oder anders gesagt: Welcher Wind bläst ins Segel? Und tatsächlich machen sich Segler zwei Winde zunutze: Das eine, das ist der normale Wind, der sowieso da ist. Und das andere ist der Fahrtwind, den der Segler praktisch selbst erzeugt. Der kommt zwar direkt von vorne – aber jetzt kommt das, was als das sogenannte Segel-Paradoxon bezeichnet wird: Beide Winde addieren sich nämlich zu dem sogenannten "Scheinbaren Wind" – und der treibt das Boot an.

Hier kann mans nochmal deutlich sehen. Wenn der wahre Wind schräg von der Seite kommt und der Fahrtwind direkt von vorne, dann addieren sich beide zu einem scheinbaren Wind der größer ist, als der wahre Wind. Und das können sich geübte Segler zunutze machen. Indem sie ihre Segel so geschickt einstellen, dass sie dem wahrem Wind praktisch vorausfahren.

Der Weltrekord liegt übrigens bei 200 km/h – und das bei einer wahren Windgeschwindigkeit von nur 65 km/h. Das funktioniert jedoch nur, wenn der wahre Wind nicht direkt von hinten kommt. Dann nämlich ist es physikalisch unmöglich, schneller zu sein als der Wind.

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