SENDETERMIN Mo, 20.10.14 | 19:45 Uhr | Das Erste

Computer als Richter

Anja Reschke
Computer sind in ihrem Urteil immer gleich gerecht, solange sie nur Strom zu Verfügung haben. Aber reicht das für das Richteramt? | Bild: ARD / Tom Trambow

Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil...

So, und wenn sie jetzt als Angeklagter drauf hoffen, dass Sie eine Bewährungsstrafe bekommen, dann wär‘s gut, wenn ihr Richter gerade etwas gegessen hat. Herzlich willkommen bei Wissen vor 8 – Zukunft.

Denn, so belegt eine Studie, hungrige Richter verhängen weniger Bewährungsstrafen als satte. Tja, Richter sind eben auch nur Stoffwechsler. Aber da kommt einem natürlich sofort die Idee, warum man eigentlich nicht intelligenten Maschinen diese Arbeit überlässt. Unbestechlich und in ihrem Urteil immer gleich gerecht, solange sie nur Strom zu Verfügung haben.

Und ein Gesetz sollte ja klar formuliert, logisch und widerspruchsfrei in seiner Aussage sein. Also müssten sich Gesetze auch in ihren logischen Aussagen aufschlüsseln lassen, ähnlich einer Rechenaufgabe. Die ja auch ein Computer lösen kann. Aber die Realität sieht eben anders aus. Fast alle Gesetze enthalten Begriffe, die interpretiert werden müssen. Und zwar bei jedem neuen Fall.

Jedes Mal sind die Bedingungen verschieden, und jedes Mal müssen diese neu geprüft, bewertet und mit dem Gesetzestext verknüpft werden. Und wenn in Verträgen zum Beispiel dann noch völlig unscharfe Begriffe wie "Treu und Glauben" oder "Gute Sitten" verwendet werden, ist auch eine intelligente Maschine mit ihrem Latein ganz schnell am Ende. Was bedeutet:

Einen Richter durch einen Computer zu ersetzen macht aus heutiger Sicht keinen Sinn.

Aber: bei weniger komplexen Entscheidungen, also zum Beispiel einem Antrag auf Elterngeld, können Computerprogramme bereits sehr effektiv arbeiten und dem Juristen ermüdende Vorarbeiten abnehmen.

Oder anders gesagt: Sie werden helfen, Akten zu fressen.

Wäre ja nicht schlecht. Hat der Richter wieder Zeit regelmäßig essen zu gehen, und wir bekommen menschliche Urteile. Wäre ja nicht schlecht. So hat der Richter wieder Zeit regelmäßig essen zu gehen, und wir bekommen menschliche Urteile.

Unser Experte: Prof. Dr. Thomas F. Gordon, Fraunhofer Fokus – Institut für Offene Kommunikationssysteme

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