SENDETERMIN Sa, 25.08.18 | 23:50 Uhr | Das Erste

Auf dem Holzweg

gesprochen von Alfred Buß (ev.)

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Alfred Buß: Auf dem Holzweg | Video verfügbar bis 25.08.2023 | Bild: WDR

Dieser Tage haben meine Frau und ich Widerspruch eingelegt. In unserem Viertel sollen 80 Jahre alte Rosskastanien der Wohnbebauung weichen. 25 Meter sind die Baumstämme hoch mit Kronen bis zu 15 Metern (Durchmesser). Ein Naturdenkmal. Hundert Jahre könnten sie noch stehen.

Baumriesen sind durch nichts zu ersetzen. In Paris, so las ich, besprühten Eltern auf den Spielplätzen ihre Kinder mit Wasser in der Hitze dieses Sommers. Hilfreicher wären da wohl ein paar schattenspendende Bäume gewesen. Aber die sucht man in Paris mancherorts lange. Wie auch auf Spielplätzen hierzulande.

Die Bäume des Herrn stehen voll Saft, singt ein Schöpfungspsalm der Bibel. Bäume sind die Bewahrer der Luft, reinigen, feuchten sie und werfen kühlen Schatten. Würden die fünf Kastanien bei uns gefällt, bräuchte es kurzfristig 10.000 junger Bäume, um deren Wirkung zu ersetzten. Die Kosten, in Geld ausgedrückt: 750.000 €.

In Wahrheit aber lässt sich der Wert von Baumriesen mit Geld gar nicht fassen. Die mindern nicht nur den Treibhauseffekt, sie sind auch Herberge für Vögel und zahllose andere Lebensarten. In jedem Frühjahr summt und brummt es um die – weitleuchtenden – Blütenkerzen der Rosskastanien.

Die Hitze dieses Sommers setzte Landwirten und Binnenschiffern schlimm zu. Auch die Innenstädte und Wohnungen heizten unerträglich auf. Von tropischen Nächten genervt, sagte eine Nachbarin: Jetzt kauf ich eine Klimaanlage! Kurzfristig eine wirksame Lösung, ja. Aber auch nachhaltig, auf Dauer? Schadstoffe werden das Erdklima weiter aufheizen, damit’s in dieser einen Wohnung kühler wird.

Schon vor dreihundert Jahren setzte sich in Deutschland eine neue Einsicht durch: Damals ramponierte ungebremster Holzeinschlag die Wälder. Da entschloss man sich, sie künftig "nachhaltig" zu bewirtschaften. Es durfte in einem Jahr nicht mehr Holz geschlagen werden, als nachwachsen konnte. Auch künftige Generationen sollten eine Lebensgrundlage haben.

Der biblische Psalm 96 sagt: Die Bäume sollen jauchzen, wenn Gott kommt mit seiner Gerechtigkeit.

Nicht nur unser Umgang mit Bäumen muss heute von Nachhaltigkeit geprägt sein, sondern unser ganzes Tun und Lassen. Wie wirkt sich auf Dauer aus, was wir konsumieren, in den Müll werfen, wie wir uns fortbewegen, was wir in die Luft blasen oder ... abholzen.

In den Rathäusern weiß man ein Lied davon zu singen, wie schwer nachhaltiges Planen ist. Im Kern geht’s um Gerechtigkeit. Um gute Lebensgrundlagen der Enkelkinder ebenso wie um bezahlbare und wärmegedämmte Wohnungen heute. Nachhaltiges

Planen muss schöpfungsgemäß sein wie sozial gerecht. Und wirtschaftlich ersprießlich. Darum gilt es zu streiten.

Da, wo wir wohnen, leben und arbeiten, entscheidet sich, ob wir unsere Zukunft nachhaltig gestalten und gerecht: In den Städten und Kommunen.

Einen Hinweis, ob wir dabei auf dem Holzweg sind, gibt uns der biblische Psalm: Geben wir den Bäumen Grund zum Jauchzen, auf dass sie nicht mehr seufzen.

So wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag. 

Die „Wort zum Sonntag"-Sendung kann unter www.DasErste.de/wort nachgelesen oder als Video-Podcast sowie am jeweiligen Tag nach 18:00 Uhr in der Mediathek des Ersten angesehen werden.

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Sa, 25.08.18 | 23:50 Uhr
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Westdeutscher Rundfunk
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