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Die Welt ist nicht beherrschbar

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Benedikt Welter: Die Welt ist nicht beherrschbar | Bild: SWR

Die fachliche Abkürzung ist spröde: 2019-nCoV; seine Ausbreitung wird täglich in den Nachrichten auf den neuesten Stand gebracht: das Coronavirus. Wieder einmal wird deutlich: es gibt immer noch und immer wieder die Gefahr von Epidemien; und die lassen sich nicht dort festhalten, wo sie entstehen. Aus der Sicht eines Virus gesehen funktioniert sie also doch: die Globalisierung.

Corona – der Kranz, die Krone heißt das Virus, weil es unter dem Mikroskop so aussieht. Und trotz aller Bemühungen: Corona wirkt. Und sei es nur deswegen, weil sich eben doch Panik verbreitet. Manche Apotheken auch hier bei uns melden inzwischen, dass sie keinen Mundschutz mehr haben oder bestellen können.

Das Kronen-Virus zeigt, wie verletzlich der Mensch ist und bleibt; der Mensch, der sich gerne als Krone der Schöpfung sieht.

Seit damals: ein nackter Mann, eine nackte Frau, ein Baum und eine Schlange. Das berühmte biblische Bild vom Paradies und wie sie es verloren haben. Die berühmte Geschichte von Adam und Eva. Die Menschen erkennen, dass sie nackt sind und können diese Blöße vor den anderen nicht aushalten. Der Mensch tut sich schwer damit, verletzlich zu sein. Und alle Versuche, sich eigene neue Paradiese zu schaffen, sind kläglich gescheitert und werden scheitern.

Was bleibt mir da übrig? Ich kann meine eigene Verletzlichkeit anerkennen, und zwar so,  dass ich dies nicht als eine entmutigende Kapitulation begreife. Das scheint mir angesichts von "Corona" wichtig zu sein. Die Krone der Schöpfung bricht sich eben keinen Zacken aus der Krone, wenn sie einsieht: ich bin verletzlich. Das ist die biblische Analyse unseres Grundzustands, die Bibel ist da sehr nüchtern und deutlich.

Einen geistreichen Vorschlag, wie der Mensch mit ihrer und seiner Verletzlichkeit umgehen kann, macht der Apostel Paulus: Die Menschen sollten weinen, als weinten sie nicht; und sich freuen, als freuten sie sich nicht. Sie könnten kaufen, als wollten sie es nicht behalten; und überhaupt sollten sie diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht.

Ein anspruchsvoller Vorschlag: mich in alles hineinbegeben, was das Leben mit sich bringt – auch darin verletzlich zu sein – und zugleich darüber hinaus zu schauen.

Das ist ein nüchterner Umgang mit der Welt und motiviert zugleich, gut mit ihr und mit sich selbst umzugehen. Wenn die Menschen wissen, dass sie nicht das Paradies schaffen werden, können sie sich umso besser für diese Welt einsetzen: überall, wo sie begrenzt ist, wo sie gefährdet ist, wo sie der Heilung bedarf. Und gegen die Verbreitung von Corona kämpfen, natürlich; und gegen die normale Grippe sowieso.

Sendetermin

Sa., 01.02.20 | 23:35 Uhr
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Saarländischer Rundfunk
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