SENDETERMIN Sa., 11.07.20 | 23:35 Uhr | Das Erste

Nehmt Gottes Melodie in euch auf!

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Benedikt Welter: Nehmt Gottes Melodie in euch auf | Video verfügbar bis 11.07.2025 | Bild: SR

Eine Mundharmonika. Vier Töne. Und jede und jeder weiß, worum es geht. "Spiel mir das Lied vom Tod", so heißt der Film in der deutschen Fassung. Ennio Morricone hat die Musik komponiert; er ist vergangenen Montag mit 91 Jahren verstorben. Mich faszinieren dieser Mann und sein musikalisches Werk. Vier Töne also – und Bilder werden wach. Szenen. Auch wer kein Kinofan ist, kann damit was anfangen. So etwas wünsche ich mir auch für "meine Kunst": die Kunst, den Menschen von Gott zu erzählen. Vier Töne – und es würden Bilder entstehen; Bilder, die bewegen und berühren. "Spiel mir das Lied vom Leben" – so würde dieser Film heißen; er würde in Herzen und Köpfen lebendig.

Vorletzte Woche gab es die neuen Zahlen: über eine halbe Million Menschen haben im letzten Jahr die evangelische und katholische Kirche verlassen. Alle waren und sind sie getauft. Aber trotzdem scheint die Melodie an ihnen vorbeigeklungen zu sein, die viele immer noch bewegt und belebt und sie in ihren Kirchen hält. Bei ihnen ist offenkundig die Leinwand schwarz geblieben; keine Bilder mehr, wach gerufen durch ein paar klare Töne.

Eine eingängige Melodie für Gott finden oder neu erfinden? Vielleicht ist es ja umgekehrt: Gott hat eine eingängige Melodie für MICH. In der frühen Kirche, vor fast zweitausend Jahren also, haben sie manchmal Jesus Christus als den Sänger und Spielmann dieser Melodie angesehen und gehört. Dazu gab es ein Vorbild in der antiken Sagen-Umwelt: Das war die Geschichte von Orpheus. Ein begnadeter Musiker; alle Kreaturen hören ihm zu. Und  er singt sogar gegen den Tod an – und besiegt den Tod. Spiel mir das Lied vom Leben. Jesus spielt das Lied vom Leben – ein Lied für alle Menschen und für die ganze Welt;  das Lied von einem Leben, das sogar noch die äußerste Grenze überwindet.

Ennio Morricones "Lied vom Tod" haben sie vermutlich auch jetzt noch im Ohr – und die Bilder dazu vor Augen. Mich hat das angeregt, mich auf die Suche nach dem Lied vom Leben zu machen, wie es der Spielmann Jesus Christus für mein Leben singt und spielt.

Manchmal höre ich es ganz einfach in der Fußgängerzone, wenn Straßenmusiker die Menschen zum Klatschen und Tanzen bringen. Ich höre es vor dem Altenheim, wenn Kinder und Enkel für Opa und Oma singen, weil die keinen Besuch bekommen dürfen. Ich habe es gehört, als Angehörige, die mit mir auf dem Weg des Begräbnisses zu einem Waldgrab waren, mit mir das "zum Paradies mögen Engel dich geleiten", gesungen haben. Manchmal ist das Lied vom Leben auch die stille Bitte um Hilfe – oder der laute Schrei der Not; eigentlich kaum zu überhören.

Kann schon sein, dass das ein bisschen Übung braucht. Ich muss die Ohren wieder auf Empfang stellen, um Gottes Melodie hören zu können; muss vielleicht mal wieder die Stille suchen, damit Platz wird für Gottes Lied und Anruf. Der hat es offenbar schwer, heute wieder zu mir durchzudringen.

Die Ohren offen halten für Gottes Melodie. Auch meine Kirche muss wieder besser zuhören und dann als gut gestimmtes Instrument in der Hand des Spielmanns Christus seine Melodie weiterspielen. Vielleicht, dass das Lied vom Leben dann auch die Menschen wieder berühren kann, die in der letzten Zeit nichts davon hören wollten; und dass sie auch wieder die Bilder vor Augen haben, die vom Leben erzählen und zu leben helfen. Gottes Melodie ist eigentlich immer da – es lohnt, sie für sich oder gemeinsam mit anderen zu entdecken.

Sendetermin

Sa., 11.07.20 | 23:35 Uhr
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Saarländischer Rundfunk
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