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Darf’s ein bisschen fair sein?

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Benedikt Welter: Darf’s ein bisschen fair sein? | Video verfügbar bis 12.09.2021 | Bild: SR

Eine Tüte Chips, eine Tafel Schokolade oder etwas Knabbermischung mit getrocknetem Obst. Das hat ja vielleicht auch zu Ihrer späten Samstagabend-Ausrüstung gehört, auf der Fernseh-Couch. Und, ja, mit dieser Verpflegung könnten Sie die Welt schon ein wenig hin zum Guten verändert haben. Jedenfalls wenn Sie die richtigen Knabbersachen gekauft haben. Um den bekannten Spruch der Fleischwarenfachverkäuferin aus meinen Kindheitstagen zu aktualisieren. Statt: "Darf’s ein bisschen mehr sein?" – "Darf’s ein bisschen fair sein?"

Ziemlich genau vor fünfzig Jahren wurde die Idee vom fairen Handel geboren und in die Praxis umgesetzt: Kleinbauern in der damals noch sogenannten Dritten Welt sollten eine faire Chance bekommen. Die Chance, dass sich ihre mühevolle Arbeit auch lohnt. Dass sie besser davon leben können, statt auf Almosen angewiesen zu bleiben. Faire Preise eben für gute Ware.

Eine ökumenische Strategie für mehr Gererchtigkeit

Fair Handeln. Kaffee war das erste Erfolgsprodukt dieses neuen Denkens. Das katholische Hilfswerk Misereor und die evangelische Aktion Brot für die Welt haben gemeinsam diese Strategie für eine gerechtere Welt entwickelt. Unter den Rahmenbedingungen des Kapitalismus. Vor 50 Jahren.

Da erkannten also kluge Menschen die Ungerechtigkeiten im globalen Dorf Erde; und sie haben eine konkrete Wirtschaftspraxis entwickelt, die die Ungerechtigkeit verändert. Heute gibt es in jedem Supermarkt fair gehandelte Waren. Und auch in den Kirchengemeinden, die damals mit am Anfang der Bewegung standen, werden diese Waren des alltäglichen Bedarfs angeboten. Auch bei uns im Pfarrheim gibt es fairen Kaffee und faire Schokolade – und damit unterstützen wir konkrete Projekte in der Einen Welt.

Letztlich eine Frage von Würde und Achtung

Es geht dabei um Geld und faire Preise. Es geht um eine gerechtere Weltwirtschaft – und mehr: Es geht um die Würde von Menschen. Und es geht um einen veränderten Blick der Europäer auf die Menschen in Afrika und Asien, die sie als Kolonien ausgebeutet und geknechtet haben. Fair gehandelte Schokolade zu essen, kann auch ein Beitrag zur Dekolonialisierung sein, die gerade so viele dringend fordern. Dekolonisieren meint: Es ist anzuerkennen, dass die Menschen auf der südlichen Erdhalbkugel ihre eigenen Kulturen haben und eigene Geschichte und ein eigenes Denken – und dass die gleich viel wert sind wie unsere europäische Zivilisation.

Fair Trade. Fairer Handel. Ein von Misereor und Brot für die Welt gut begonnener Weg. Mittlerweile gehen viele Organisationen und zahllose Menschen diesen Weg mit.

Was oft fehlt: Faires Denken

Und als Werbung dafür: Die nächsten beiden Wochen gibt es bundesweit Aktionen unter dem Motto "Fair statt mehr. Fair Handeln für ein gutes Leben". Vielleicht ja auch in ihrer Nachbarschaft…

Ich meine: Zum FairTrade müsste noch "Fair Thinking" dazukommen, faires Denken. Da ist es ja ganz gut, dass fair gehandelte Schokolade auch als gute Hirnnahrung gilt.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und danach eine noch fairere Woche.

Sendetermin

Sa., 12.09.20 | 23:35 Uhr
Das Erste

Produktion

Saarländischer Rundfunk
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DasErste