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Weihnachten absagen

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Pastor Christian Rommert: Weihnachten absagen | Bild: WDR

Die Frage, die ich heute stelle, die stelle ich mir normalerweise erst Anfang Dezember. Aber in diesem Jahr ist alles anders. "Wissen Sie schon, wie Sie Weihnachten feiern?". Auch ich habe in den letzten Tagen darüber nachgedacht, wie mein, wie unser Weihnachten in diesem Jahr aussehen soll.

Normalerweise würden wir als Familie so feiern: Gottesdienst, mit den Kindern, "Oh Du Fröhliche" singen, dann die Lichter am Tannenbaum anzünden, Geschenke auspacken und danach zusammen essen.

Aber dieses Jahr? Zunächst einmal: Die Christvesper – canceln? Zu viele Menschen? Zu gefährlich? Stattdessen mit Oma, Opa, Kindern, meiner Frau im kleinen Kreis  vor dem Weihnachtsbaum sitzen? Singen – geht das? Müssen wir unterm Tannenbaum eine Maske tragen?

Oder sollen meine Eltern nicht besser alleine zuhause bleiben? Ist sicherer. Sie gehören zur Risikogruppe!

Da fällt mir ein: Ein paar Tage Quarantäne vorher – wenn ich die Termine so schieben kann?

Ich habe gedacht, dass es bestimmt noch andere mit diesem Problem gibt und habe meine Freundinnen und Freunde online gefragt: "Wie feiert Ihr dieses Jahr Weihnachten?". Die wenigsten gehen davon aus, dass sie wie in den letzten Jahren in einen Gottesdienst gehen werden. Einer schrieb: "Wir wollen ein Krippenspiel per Videoclip vorbereiten und verschicken!" Eine Andere: "Wir werden nach Möglichkeit mit den Nachbarn ein Liedersingen auf dem Hof machen - mit Abstand."

Es wird auf jeden Fall ein Weihnachten im Krisenmodus. Die schönen Weihnachtsmärkte, die Vorfreude beim Glühweintreffen – fällt alles aus. Auch Kirchengemeinden planen um: Gottesdienst im Freien. Aufgebaute Krippenstationen, an denen man innehalten kann, übertragen per Livestream. Und Fernsehgottesdienste. Die gibt es ja glücklicherweise. Und voll werden die Gottesdienste auch nicht sein – wir müssen halt Abstand wahren!

Weihnachten im Krisenmodus – 2020. Ist das schlimm? Das habe ich erst gedacht. Aber dann: Es ist auf jeden Fall viel näher an der Geschichte der ersten Weihnacht. Unsichere Zeiten. Eine ungewisse Reise. Verschlossene Türen… Auch in der Weihnachtsgeschichte in der Bibel gibt es ein Beherbergungsverbot. Am Ende dient eine Futterkrippe als Bettchen für das neugeborene Kind. Alles reine Improvisation.

Und doch: voller Liebe. Das erste Weihnachten war ein Weihnachten im Krisenmodus! Der Glanz und die Glorie, die Besinnlichkeit und vieles von dem, was wir alles so lieben kam erst später dazu. Und sehr wahrscheinlich sind wir mit all dem, was dieses Jahr geht und nicht geht, näher an dieser ersten Weihnacht im Stall als all die Jahre zuvor. Kleiner. Bescheidener. Ruhiger.

Ist das gut? Es kommt darauf an, was wir daraus machen. Es ist nicht gut, wenn wir unsere alten Eltern, Großeltern, Kranken und Pflegebedürftigen allein lassen. Da können wir gern mal alles versuchen und wenn irgendwie möglich vorher ein paar Tage in selbstgewählte Quarantäne gehen. Das wäre das Besondere in diesem Jahr, dass Weihnachten den Blick auf das Wesentliche lenkt: Beziehung, Liebe, Füreinander da sein, Zeit schenken!

Und all das andere, was fehlt? Ist das gut? Weihnachtsmärkte, große Gottesdienste? Glanz und Gloria? Es ist eine Chance, so eine "stille Nacht, heilige Nacht"! Es ist die Chance, den Kern von Weihnachten im eigenen Leben zu fühlen und anders und neu zu verstehen, wenn die Engel singen: Gloria in excelsis deo! "Ehre sei Gott im Himmel! Denn er bringt der Welt Frieden und wendet sich den Menschen in Liebe zu."

Sendetermin

Sa., 24.10.20 | 23:50 Uhr
Das Erste

Produktion

Westdeutscher Rundfunk
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