SENDETERMIN Sa, 09.12.17 | 23:50 Uhr | Das Erste

Magnificat

PlayDie Berlinerin Lissy Eichert.
Lissy Eichert, Berlin | Bild: rbb / Walter Wetzler

Ob an der Krippe auf dem Weihnachtsmarkt oder auf der Pyramide aus dem Erzgebirge – sie ist immer dabei: Maria, die Mutter von Jesus. In diesem Advent geht mir ein Gebet nicht aus dem Kopf, das Maria zugeschrieben wird, ich meine das so genannte Magnificat.

Da treffen sich zwei Frauen, die beide überraschend schwanger geworden sind – nach der biblischen Erzählung vom Heiligen Geist. Die eine eigentlich viel zu alt, und die andere  eigentlich viel zu jung, geschätzt 14 Jahre. Trotzdem: Beide lassen ihrer Freude freien Lauf, und aus Maria platzt es heraus: "Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter."

In diesem besonderen Moment erkennt Maria, wie Gott aus ihrem kleinen gewöhnlichen Leben etwas Großes macht, sie wirklich aus ihrer Ängsten herausholt. Denn ledig und schwanger in einer patriarchalen Gesellschaft, das ist hart.

Jetzt aber erahnt sie: Ja, es stimmt: Gott erhöht die Niedrigen. Aber stimmt es auch, wie Maria weiter betet: Gott stürzt die Mächtigen vom Thron, lässt die Reichen leer ausgehen und sättigt die Hungrigen? Was für starke Aussichten! Das Magnificat gilt nicht umsonst manchen als "das leidenschaftlichste, wildeste, ja revolutionärste Adventslied, das je gesungen worden ist".  

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Und heute? Heute stehen wir weltweit vor unvorstellbaren Herausforderungen.  Machtgier, Kriegsgeschrei, Ungerechtigkeit – die Liste ist lang. Täglich hören wir von Menschenleben, die geopfert werden und neuen Krisenherden. Nicht zu wissen, wie das ausgeht, macht ein mulmiges Gefühl. Dabei bereiten wir uns doch auf Weihnachten vor, das Fest des Friedens. Kann sein, dass es diesmal weniger friedlich ausfällt. Jedenfalls für die Bewohner von Betlehem, dem Ort, der im Mittelpunkt der Weihnachtsgeschichte steht. Denn viele Mächtige spielen Machtspiele und provozieren Unruhen, ausgerechnet in einer Weltregion, die einem Pulverfass gleicht.

Hilft es da zu singen "Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen"? Mir schon, denn dann weiß ich, auf welcher Seite ich zu stehen habe: nämlich auf der Seite der Niedrigen,  der Ohnmächtigen, der Hungernden. Aber ich  kann auch die Enttäuschung vieler verstehen, dass  Gott nicht höchst selbst alles Unrecht aus der Welt schafft. "Frieden auf Erden" – und es passiert wieder nichts. Oder zu wenig. Gott arbeitet nicht einfach unsere "Wunschzettel" ab. Nein, Gott sucht Menschen wie Maria, die Frau aus Nazaret, die sich auf das Wagnis einlassen, auf Gott zu vertrauen. Sie willigt ein in den Plan Gottes, auch wenn sie ihn nur erahnt. Und je mehr sie auf  Gott vertraut,  desto tougher wird sie. Findet zu mehr Selbstvertrauen.

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Und heute? Heute sind wir dran, den mühevollen Weg des Friedens zu suchen.

Ich wünsche uns allen  einen hoffnungsfrohen Zweiten Advent.