SENDETERMIN Sa., 09.10.21 | 23:35 Uhr | Das Erste

Wir schreddern die Welt

PlayDas Wort zum Sonntag spricht Lissy Eichert
Lissy Eichert: Wir schreddern die Welt | Video verfügbar bis 09.10.2026 | Bild: ARD

Heute war Tag der Offenen Tür in der Riesenfabrik für Elektrofahrzeuge, die Elon Musk im Land Brandenburg bauen lässt. Dadurch werden Arbeitsplätze geschaffen. Sein Motto: mit Elektroautos in die Zukunft.

Klingt gut. Umweltbewusst. Derselbe Unternehmer aber shuttelt reiche Touristen ins Weltall. Für Jux und Dollerei. Und dabei wird jetzt schon an einem einzigen Tag so viel Kohlenstoff verbrannt, wie Mutter Erde in tausend Jahren gebildet hat. Vor kurzem hat Elon einen Preis ausgerufen: "Wer erfindet eine eigene Maschine, die CO-2 binden kann?" Gegenfrage auf Twitter: "Dürfen sich auch Bäume bewerben?" Ichliebe Bäume, genieße Waldspaziergänge. Schon deshalb beunruhigt mich die Erderwärmung: Waldbrände, verheerende Unwetter, Artensterben. Wir schreddern gerade unsere Lebensgrundlage. Manchmal denke ich: Die Erde schlägt zurück

Der Weltklimabericht vom August belegt die Erwärmung um 1,5 Grad bis 2030. Klar, es gibt so viele andere Probleme, die drängen, aber: 2030 ist in neun Jahren! "Bewohnbare Planeten sind knapp", hat ein Kind auf sein "Fridays for future"- Plakat geschrieben. Trotz aller Hoffnung auf technologische Innovationen: Wir brauchen klare Spielregeln, was ökologisch geht, und was ein Foul gegen die Natur ist. Heißt: Wir brauchen endlich den Willen zum Haltungs-Wechsel.

Manchmal hilft da ja ein Blick in die Bibel: Hier werden Tiere, Pflanzen, die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde "Mitgeschöpfe" genannt. Sie sind also keine Sachen, kein Verbrauchsmaterial. Sie haben einen Wert. Und sind – wie wir – sogar zum Lobpreis Gottes aufgerufen: "Alles, was atmet, lobe den Herrn", singt der Psalmist. Diese Verbundenheit mit allem, was lebt, fühlen, spirituelle Zusammenhänge erkennen: Hier liegt für mich die innovative Kraft.

Der Apostel Paulus bringt es auf den Punkt: Wir sollen als Kinder Gottes die Schöpfung nicht versklaven, sondern befreien. So klingt die frohe Botschaft Gottes. Vor dem Klimagipfel, der Ende Oktober in Glasgow stattfindet, hat Papst Franziskus junge Klimaaktivisten eingeladen. Er sagte: "Ihr seid nicht die Zukunft, Ihr seid die Gegenwart. Macht Lärm, verschafft Euch Gehör!" Franziskus dankte ihnen für ihre Ideen, ihre guten Projekte, segnete alle, die "in der Gegenwart die Zukunft bauen". Jetzt gilt es, unsere Erkenntnisse in die Tat umzusetzen. Dazu trägt auch morgen die Verleihung des Deutschen Umweltpreises bei. Elon Musk bekommt diesen Preis noch nicht.

Doch ob preiswürdig oder bescheiden: Jede und jeder kann etwas tun: Bäume pflanzen; weniger Müll produzieren; am Thema dranbleiben, auch wenn es aussichtslos scheint. Und neu staunen: über die bunten Farben im Herbst, über den Zauber eines Sonnenaufgangs oder über den Fuchs, der durch die Stadt spaziert. Und dem kreativen Geist dahinter zu danken: Gott, wie schön ist Deine – unsere – Welt!

Sendetermin

Sa., 09.10.21 | 23:35 Uhr
Das Erste

Produktion

Rundfunk Berlin-Brandenburg
für
DasErste