SENDETERMIN Sa., 12.02.22 | 23:45 Uhr | Das Erste

Lissy Eichert: Großes Kino

PlayLissy Eichert
Lissy Eichert: Großes Kino | Video verfügbar bis 12.02.2027 | Bild: ARD

Können Sie sich noch an Ihren letzten Kinobesuch erinnern? Einfach mal aussteigen aus dem Alltag und einsteigen in die Story des Films. Mitfiebern. Aufschreien, in Tränen zerfließen, sich empören oder – hach – dahinschmelzen.

Drehbücher für jede Menge spannender Filme finden sich – in der Bibel. Zum Beispiel die Szene mit der Brotvermehrung: Da sind so an die 5000 Leute gekommen, um Jesus zu sehen. Sie hören ihm zu; ist ja interessant, was er sagt. Doch irgendwann kriegen sie Hunger. Ein Junge hat fünf Brote und zwei Fische dabei und gibt sie Jesus. Der dankt kurz dem Himmel und lässt beides austeilen. Und  – alle werden satt.

Großes Kino: Eine dramatische Situation [Hunger], ein charismatischer Hauptdarsteller [Jesus], der Gänsehaut-Moment [Wunder] und das Happy-End [gute Laune]. Wer hatte da wohl die Regie?

In Berlin findet jetzt die Berlinale statt. Eines der größten Publikumsfestivals der Welt – normalerweise. Immerhin dürfen sich die Kinosäle zu 50 Prozent füllen. Und auch der rote Teppich wird „in echt“ ausgerollt. Das tut gut. Weil Filme „Leichtigkeit und Schwung in den trüben Alltag bringen“, wie der künstlerische Leiter der Berlinale sagt. Und dass sie mehr sein sollen als ein Spiegel des Status quo.

Filme malen Bilder von einem Leben, das meinen Alltag übersteigt. Sie können den Sinn hinter den Dingen sichtbar machen. Visionen aufscheinen lassen, mich träumen lassen. Eigentlich würde ja ich ja gern selbst Regie führen in meinem Leben. Hab nur leider das Drehbuch nicht alleine in der Hand. Manchmal ist das Leben wie eine Tragödie; Gott sei Dank auch mal eine Komödie.

Wie wäre es denn, wenn ich dem Himmel die Regie überlasse? Und wenn ich bei der einen oder anderen Szene aus der Bibel mitspielen würde? Zum Beispiel Brot austeilen an Hungrige, wie bei der Brotvermehrung? Selbst das Wunder sehen, das geschieht, wenn ich aktiv werde – mit meinen zwei Fischen und fünf Broten. Und dabei… 

… Gott als Regisseur – als Regisseurin – erfahre.

Erleben, dass es unter göttlicher Regie keine unbedeutenden Rollen gibt. Ich bin mir sicher: Über den himmlischen roten Teppich laufen nur Superstars. Da herrscht Gedränge. Auch, weil die Preise anders verliehen werden: „Die Letzten werden die Ersten sein.“

„Ein guter Regisseur“, sagt der amerikanische Schauspieler Kevin Bacon, „schafft eine Umgebung, die die Schauspieler zum Fliegen motiviert“. Fliegen – dahinter steht die uralte Sehnsucht nach „Mehr“: mehr Sinn, mehr Inspiration, mehr Vision – und warum nicht auch mehr „Happy End“? Also, dass die Dramen und Katastrophen des Lebens letztlich gut enden. 

Auch der Glaube kann so eine Umgebung schaffen, die „zum Fliegen motiviert“. Wie wäre es also, Gott für dieses „Mehr“ im Leben Regie führen zu lassen? Denn: Mit Gott – da geht noch was.

Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht.

Sendetermin

Sa., 12.02.22 | 23:45 Uhr
Das Erste

Produktion

Rundfunk Berlin-Brandenburg
für
DasErste