SENDETERMIN Sa., 01.05.21 | 23:45 Uhr | Das Erste

Impfen ist Nächstenliebe

PlayIlka Sobottke ist evangelische Sprecherin aus Mannheim. Sie studierte in Heidelberg und Rom, absolvierte ihr Vikariat im Hochschwarzwald und in Neapel.
Ilka Sobottke: Impfen ist Nächstenliebe | Video verfügbar bis 01.05.2026 | Bild: ARD/SWR / Patricia Neligan

Vielleicht kommt es daher, dass ich als Pfarrerin Menschen beerdigen muss die an und mit COVID gestorben sind. Vielleicht kommt es daher, dass ich als Pfarrerin die begleite, die trauern, weil sie jemanden verloren haben, den sie besonders liebten. Vielleicht auch daher, dass ich erleben musste, wie allein sich ein  Mann fühlte, seit die Frau starb, so allein, dass sein Verstand sich verabschiedet hat, er nichts mehr erinnert und die Kinder nicht mehr erkennt.

Es macht mich schier rasend, zu wissen, wie viel Leid vermeidbar wäre. Vielleicht deswegen versuche ich ständig alle um mich her zu überzeugen, sich impfen zu lassen.

Aber gerade weil ich mit so vielen über das Impfen rede, höre ich auch so viele Argumente dagegen. Eine Frau vertraut mir ihre Angst an: "Ich habe von jemandem erfahren, der ist am Tag nach der Impfung gestorben, einfach so, Schlaganfall heißt es. Ich lasse mich nicht impfen. Lieber bleibe ich zuhause, gehe keinen Schritt mehr vor die Tür, solange ich lebe."

Gott passt auf uns auf, aber wie?

Auf dem Markt ein junger Händler: "Mein Immunsystem ist so stark, ich brauche keine Impfung und wer weiß, was da noch dahinter steckt." Nach dem Gottesdienst an der Kirchentüre frage ich einen älteren Herrn: "Und sind sie schon geimpft?" Er zwinkert: "Das brauch ich doch nicht. Gott passt auf mich auf."

Gott passt bestimmt auf ihn auf, aber wie? Mir kommt er vor, wie der Mann, der bei einer Überschwemmung auf sein Hausdach klettert. Laut betet er und bittet Gott um Hilfe – ein Baumstamm schwimmt vorbei. Der Mann bleibt sitzen. "Gott wird mich retten", sagt er.

Ein Boot kommt, die Leute darin fordern den Mann auf: "Steig zu uns ins Boot!" Er lächelt: "Gott wird mich retten". Als das Wasser ihm bis zum Hals steigt, betet er flehentlicher. Ein Hubschrauber kommt. Man will ihn hochziehen. Der Mann winkt ab: "Gott wird mich retten".

So versinkt er in den Fluten und stirbt. Er kommt in den Himmel und beschwert sich: Ich habe auf dich vertraut, Gott, wieso hast du mich nicht gerettet? Gott antwortet: „Ich habe dir einen Baumstamm, ein Boot und einen Helikopter geschickt, um dich zu retten. Was hast du erwartet?“

Gottvertrauen – was bedeutet das für unser Tun?

Gottvertrauen – das bedeutet nicht nur abwarten und die Hände in den Schoß legen. Gottvertrauen heißt auch: die eigene Verantwortung wahrnehmen. Wir haben jetzt die Möglichkeit zur Impfung. Noch nicht alle, aber sehr schnell immer mehr Leute. Und da gilt für mich etwas fundamental Christliches.es  geht  beim Impfen nicht nur um die eigene Gesundheit, sondern auch um die Gesundheit unserer Mitmenschen. Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Jesu Gebot wird auf einmal unangenehm unbequem: Und das heißt für mich  nach all dem Leiden und Sterben: Schütze deine Mitmenschen wie dich selbst! Lass Dich impfen, auch wenn Du Angst hast, tue es für dich und tue es für deine Nächsten, die ganz nah und die ganz fern.

Gott hat uns den Verstand geschenkt, Klugheit, Beharrlichkeit und Menschenliebe – Baumstamm, Boot, Helikopter, und so eben auch Impfstoffe. Gott gibt uns die Freiheit zu handeln und damit die Verantwortung: Lassen Sie sich impfen, um der Liebe Gottes und um der Menschen willen.

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Sa., 01.05.21 | 23:45 Uhr
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