SENDETERMIN Sa, 09.06.18 | 23:35 Uhr | Das Erste

Eucharistie schafft Gemeinschaft

gesprochen von Dr. Wolfgang Beck (kath.)

PlayPfarrer Wolfgang Beck

Für mich ist sie immer wieder sehr emotional, die Feier der Eucharistie – ob ich als Priester vorne stehe oder nicht. Egal ob mit einer kleinen Gruppe an einem Werktag oder mit mehreren hundert Gemeindemitgliedern am Sonntag. Glauben ist für mich ohne Eucharistie, ohne dieses ständige Wiederholen des Abendmahles Jesu, kaum vorstellbar. "Tut dies zu meinem Gedächtnis" hat Jesus dabei nach biblischer Überlieferung gesagt. Und genau das tun wir, immer wieder. Wer katholisches Christsein verstehen will, kann das kaum ohne dieses Feiern der Eucharistie. Hier drückt sich auch aus, dass wir über Zeit und Ort hinweg mit anderen Glaubenden verbunden sind. Auch mit dem jeweils aktuellen Papst in Rom, der immer als Zeichen der Einheit mit genannt wird. Wenn Menschen mit diesem wichtigen Element des Glaubens leichtfertig oder unachtsam umgehen, schmerzt mich das deshalb auch.

Meist bin ich aber beeindruckt, dass auch Kinder und Gäste schnell spüren: dieses Feiern der Eucharistie ist etwas Besonderes. Es wird nämlich deutlich: Zum Verständnis dieses Sakramentes gehört vor allem, dass es Menschen stärken soll. Es setzt eine Einheit im Glauben nicht nur voraus, sondern erzeugt sie, stellt sie her. Die Kommunion, dieses kleine Stück Leib Christi, ist ja keine Medaille für besondere Leistungen oder eine Auszeichnung für die Artigen, die man eben als Belohnung bekommt! Sondern sie soll gerade da wirken, wo menschliches Bemühen nicht ausreicht. Dieser Aspekt, dass ein Sakrament etwas in und unter den Menschen bewirken soll, kommt mir häufig zu kurz. Vor allem dann, wenn manche meinen, sie müssten es vor irgendetwas schützen. Da stellen sich manche hin, als wäre der Herrgott selbst darauf angewiesen, von ihnen geschützt zu werden. Das ist eine seltsame Vorstellung, das habe ich in meinem Dienst als Priester immer mehr eingesehen.

Im aktuellen Streit um die Kommunion, die Eucharistie für nicht-katholische Ehepartner, meinte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, hier gehe es um Leben und Tod. Als ich das gehört habe, musste ich stutzen. Stimmt, aber wenn das so ist, dann müsste er doch eigentlich allen, die als Getaufte darum bitten und erahnen, worum es da geht, die Kommunion anbieten. Dann wäre es doch erst recht unangemessen, von dem Großen, das wir da feiern, zu klein zu denken. Der ablehnende Brief des Papstes hat in den letzten Tagen viele irritiert, mich auch. Evangelische und katholische Eheleute dürfen das Sakrament der Ehe leben, aber die wichtigste Stärkung dafür, die dürfen sie nicht empfangen? Das wirkt für sich genommen schon seltsam. Aber es berührt auch die Frage, ob die katholische Kirche sich und ihre wichtigsten Elemente als Dienst und als Stärkung von Menschen versteht – auch und gerade dann, wenn deren Situation nicht den Idealvorstellungen entspricht.

Mit einem guten, aufrichtigen Gespür für diese sinnvolle Stärkung hat der Magdeburger Bischof Gerhard Feige die konfessionsverbindenden Paare deshalb aufgefordert, ihren Weg ruhig weiter zu gehen.

Das Feiern der Eucharistie führt Menschen zusammen, es bewirkt Einheit. Deshalb ist es gut auch dann miteinander zu feiern, wenn alle wissen, dass es mit dieser Gemeinschaft manchmal noch nicht so sehr weit her ist. Weder sind die Einzelnen mit ihrem Leben perfekt. Noch ist die Gemeinschaft, die sich da versammelt, eine perfekte Einheit. Die Kirche aus Einzelnen und als Gemeinschaft ist immer ein bisschen beschädigt. Sie ist immer deformiert und verbeult. Gerade deshalb erwartet niemand voller Stolz eine Auszeichnung, eine Stärkung zum Weitergehen aber schon.