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"Von guten Mächten wunderbar geborgen"

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Pfarrer Wolfgang Beck: Von guten Mächten wunderbar geborgen | Bild: WDR
Wolfgang Beck
Wolfgang Beck | Bild: WDR


Es ist beeindruckend, wenn Menschen anderen Mut machen können, sogar dann, wenn es für sie selbst unbeschreiblich schwer ist. Dafür gibt es kein Rezept und keinen Trick. Gerade deshalb fasziniert mich einer, dem das besonders gut gelungen ist. Es ist der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer, der vor 75 Jahren seine Verlobte getröstet hat und seither viele andere Menschen.

Er ist selbst im Gefängnis, gefoltert und drangsaliert. Und er schreibt seiner Verlobten noch einen Brief. Wenige Wochen vor seiner Hinrichtung durch die Verbrecher des Naziregimes schreibt er einen bis heute berührenden Text: "Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr."

Ein beeindruckender Mann, der da andere tröstet. Er hätte vorher leicht eine Aufgabe im Ausland übernehmen und sich absetzen können und ist doch wieder nach Deutschland zurückgekehrt, obwohl er wusste, dass das für ihn gefährlich werden würde. Er hat sich in der Ausbildung von Pastoren der Bekennenden Kirche engagiert, die sich eben nicht dem Naziregime angepasst hat. Er verstand sich als Pazifist und wusste, dass das auch harten politischen Widerstand fordern kann.

75 Jahre ist es her, dass Bonhoeffer sein Gedicht an seine Verlobte geschrieben hat. Sich an ihn zu erinnern, muss auch die Wahrnehmung für die Gegenwart schärfen. Wieder gibt es Nazis und Feinde der Demokratie in deutschen Parlamenten. Wieder werden Gewalttaten gegen Schwache verharmlost. Solchen Dingen hat sich Bonhoeffer entgegengestellt, mit seinem Glauben. Und mit einer poetischen Sprache, die wohltuend ruhig ist, wo andere pöbeln und schreien. Sich von einer menschenverachtenden und schäbigen Sprache nicht infizieren zu lassen, auch das ist ein Auftreten gegen Gewalt nach Art Dietrich Bonhoeffers. Er hat sich sein Gespür für notwendigen Widerstand bewahrt und eine Verbindung aus einfühlsamer Sprache und einer vertrauensvollen Glaubenshaltung geschaffen.

Der Text wurde vielfach als Lied vertont. Vielleicht wird es manchmal ein bisschen unbedacht gesungen, mit wenig Gespür, dass da einer in Todesgefahr seinen Glauben bezeugt. Sein Text endet mit den Worten, die viele als Refrain des Liedes kennen: "Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag." Was für ein großes Vertrauen eines Mannes, der schon mit seiner Hinrichtung rechnen muss. Keine billige Vertröstung. Kein romantisches Gerede. Große Nüchternheit und tiefe Gelassenheit. Er weiß, dass Gott ihn begleitet – egal, wie schlimm es wird; egal, was noch kommt. Wie lehrreich beim Übergang von einem alten in ein neues Jahr!