SENDETERMIN Sa, 29.06.19 | 22:50 Uhr | Das Erste

Wie neugeboren

gesprochen von Stefanie Schardien (ev.)

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Pfarrerin Stefanie Schardien: Wie neugeboren | Bild: BR

Morgen bekommt der kleine Gabriel in meiner Kirche in Fürth etwas, wonach wir uns wohl alle in dieser Hitze sehnen: Kühles Wasser. Gabriel, ein stolzes Jahr alt, wird getauft. Daran wird er sich später nicht mehr erinnern. Nicht daran, was ich von der Taufe erzähle: dass er in die Gemeinde aufgenommen wird, dass wir ihn symbolisch "reinwaschen", dass er immer wieder wie neu werden darf. Und auch nicht an die kurze Wasserbegegnung. Ich weiß auch gar nicht, ob er sie so zu schätzen weiß, wie ich in diesen Tagen. Auch als Pfarrerin drehte sich ein erheblicher Teil meiner Gedanken ums Wasser – aber eher ums Trinken, Füße ins Planschbecken halten und ums Duschen.

Neben dem kühlen Kirchraum war die Dusche eindeutig mein Lieblingsort in den letzten Tagen. Möglichst kalt. Weg mit allem Klebrigen und Verschwitzten. Danach hab ich mich frisch und sauber gefühlt, wie neugeboren und voller Power – zumindest für die nächsten zehn Minuten.

Was Wasser bedeutet, das spüren wir bei 35 Grad mehr als sonst. Da machen wir diese ganz wesentliche Erfahrung: Erst schwitzig und müde, dann wieder frisch und rein. In manchen Kirchen werden Menschen in der Taufe auch ganz untergetaucht. Einmal ganz im Wasser untergehen – weg mit dem Angstschweiß des Lebens – und dann wieder auftauchen, auch wie neugeboren. Vielleicht trag ich ja nach jedem Duschen zumindest einen winzigen Glanz davon an mir.

Früher als Kind fand ich solche superheißen Tage großartig: Ja! Hitzefrei, Eisessen, ab ins Schwimmbad. Jetzt als Erwachsene nehme ich viel mehr auch die bedrohliche Seite dieser Hitze wahr. Ein Bauer auf unserem Markt hat mir sehr besorgt erzählt, dass er über ganz neue Bewässerungstechnik für seine Felder nachdenken muss. Weil es allen Prognosen nach immer mehr Dürresommer geben wird: Wir sind total abhängig vom Wasser.

Daran denke ich auch jedes Mal, wenn ich das Wasser über den Kopf der Täuflinge laufen lasse: Jesus sagt mal von sich, dass er die Quelle des Lebens schenkt, das lebendige Wasser. Klar, das ist ein Bild: Unerschöpfliches, übersprudelndes Wasser für unsere Seele, damit sie nicht eintrocknet, sondern lebendig und frisch bleibt. Bei dieser Hitze höre ich das aber auch auf meinen Körper hin: Wussten Sie, dass wir bei der Geburt zu 95% aus Wasser bestehen? Ohne Wasser kein Leben. Darum taufen wir mit Wasser: Du sollst leben mit Leib und Seele, heißt das für Gabriel morgen.

Was ich und seine Eltern ihm wünschen: Dass er in seinem Leben etwas davon spürt, wie die Taufe mit ihrem Wasser sein Leben frisch und neu macht. Nicht nur für zehn Minuten, sondern für immer und immer wieder. Dass er in Durststrecken auf seinem Lebensweg an übersprudelnden Menschen vorbeikommt, die ihm helfen. Dass er wahrnimmt, wie kostbar dieses Leben ist. Wie schnell gefährdet. Und dass er aus dem frischen, neugeborenen Leben heraus Schwung nimmt, verantwortlich damit umzugehen.

Vermutlich können Sie sich nicht mehr an Ihre Taufe als Säugling erinnern. Ich auch nicht. Vielleicht waren Sie auch lange nicht in der Kirche, aber wer weiß, ob sie nicht beim Duschen eine Ahnung davon bekommen, was Taufe bedeutet. Kommen Sie mit ausreichender Erfrischung durch diese heiße Zeit. Eine gesegnete Nacht.

Sendetermin

Sa, 29.06.19 | 22:50 Uhr
Das Erste

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Bayerischer Rundfunk
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DasErste