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Brecht (1)

Die Liebe dauert oder dauert nicht

Brechts Dachkammer in Augsburg. Über der Wohnung der Eltern hat sich Brecht hier schon früh ein eigenes Reich eingerichtet, in das er immer wieder zurückkehrt, auch als er längst sein eigenes Leben führt. Hier notiert er gerade den Entwurf zu einer Erzählung, mit der er die turbulenten Szenen seines Kampfes um die Sängerin Marianne Zoff "episieren" will – durch die literarische Überformung Abstand finden zu den wütenden Ausbrüchen seiner brennenden Eifersucht. | Bild: WDR / Nik Konietzny

Brechts Dachkammer in Augsburg. Über der Wohnung der Eltern hat sich Brecht hier schon früh ein eigenes Reich eingerichtet, in das er immer wieder zurückkehrt, auch als er längst sein eigenes Leben führt. Hier notiert er gerade den Entwurf zu einer Erzählung, mit der er die turbulenten Szenen seines Kampfes um die Sängerin Marianne Zoff "episieren" will – durch die literarische Überformung Abstand finden zu den wütenden Ausbrüchen seiner brennenden Eifersucht.

Auch in seiner Augsburger Dachbude kann Bert Brecht sich das Grauen an der Front vorstellen. Sein Bruder Walter will unbedingt kämpfen und badet in Opfermut und Todesbereitschaft. Sein Freund Caspar Neher ist an der Westfront verschüttet und wieder ausgegraben worden. Brecht schreibt und komponiert die "Legende vom toten Soldaten“. Eine Soldatenleiche wird ausgegraben, eingekleidet und zurück an die Front geschleppt. "Doch der Soldat, so wie er’s gelernt / Zieht in den Heldentod."

Brecht hat aus Gorkis Revolutionsroman "Die Mutter" ein Theaterstück gemacht. Nun inszeniert er es zusammen mit seinem engsten Freund, dem Bühnenbildner Caspar Neher. "Lob des Kommunismus" – ob das durch die Zensur gehen wird?

"Bess, machen wir Reklame!" Elisabeth Hauptmann, Brechts Sekretärin und Geliebte, hat für ihren Chef wieder mal eine Idee mitgebracht. Die Steyr-Werke machen ein Preisauschreiben, gesucht: ein Werbegedicht. Brecht dichtet, und er gewinnt das Auto. "Singende Steyrwagen ..."

Der Jahrmarkt in Augsburg, "Plärrer" genannt. Brecht mit seiner Freundin, der Schülerin Paula Banholzer, selig auf der Schiffschaukel. Erst nachdem Bert lange um sie geworben hat, sind die beiden ein Paar geworden. Das Liebesidyll dauert nur kurz. Paula wird schwanger, der gemeinsame Sohn muss in Pflege gegeben werden. Als uneheliche Mutter – die "Schande"! – muss Paula ihre Zukunftspläne begraben.

Paula Banholzer zieht mit Brecht den gemeinsamen Sohn Frank in einem kleinen Wagen hinter sich her. Sie sind in Kimratshofen im Allgäu, weit weg von Augsburg. Hier musste die Schülerin Paula das Kind heimlich zur Welt bringen, "wegen der Schande". Nun wächst es bei fremden Leuten auf. Manchmal kommt auch der Student Brecht aus München zu Besuch.

Caspar Neher, Brechts engster Jugendfreund, hat sich bald nach Kriegsbeginn freiwillig an die Front gemeldet. Durch Artilleriebeschuss wird er in seinem Unterstand verschüttet und erst nach drei Tagen wieder ausgegraben. Bald danach muss er zurück ins große Schlachten. Das hat Brecht im Sinn, als er seine "Legende vom toten Soldaten" schreibt.

Sommer 1928. Berlin, Theater am Schiffbauerdamm. Brecht hat von einem jungen Theaterdirektor eine große Chance bekommen: eine Premiere. Wenn es auch nur ein "Nebenwerk" ist – die Folgen werden beachtlich sein. Der Titel des Stücks: "Die Dreigroschenoper".

Mit einem Potpourri aus Brecht-Songs, die er bereits vertont hat, zeigt der junge Komponist Kurt Weill dem skeptischen Theaterdirektor Ernst Josef Aufricht sein Können. Brecht hat ihn in die "Dreigroschenoper"-Produktion geholt. Aufrichts Zweifel schwinden, als er hört, was da zu hören ist.

Die Opernsängerin Marianne Zoff verrät dem jungen Schriftsteller Brecht in ihrer Garderobe im Augsburger Stadttheater – sie spielt die Carmen – ein Geheimnis: "Ich bin schwanger." –"Von wem?" – "Von dir!"

Brecht in angespannterer Erwartung vor der Premiere seiner "Dreigroschenoper". Noch weiß er nicht, dass das ein Wendepunkt in seinem langen Kampf um Anerkennung und Erfolg wird: der erste Schritt zum Weltruhm.

Der Schauspieler Harald Paulsen singt als Mackie Messer zusammen mit Tiger Brown den "Kanonen Song", einen Gassenhauer, der das Premieren-Eis bricht und die Zuschauer zu Beifallsstürmen hinreißt. Das Stück wird, vor allem durch die Songs von Kurt Weill, ein Welterfolg. "Und der Haifisch, der hat Zähne ..."