Die Schauspieler über ihre Rollen

Bjarne Mädel zu seiner Rolle "Baffi"

Baffi (Bjarne Mädle) und Huhn Alma.
Baffi und Huhn Alma. | Bild: NDR / Dreamtool Entertainment

»Ich bin Baffi, Artist und Koch der Truppe! Ich muss an den dreckigen Töpfen täglich aus wenig viel zaubern, damit die Jungs mein Huhn Alma am Leben lassen. Wahre Loyalität gibt es für mich nur unter Soldaten, sie ist neben Heimweh alles, was wir haben. Leider war es meine Figur nicht wert, zu Ende erzählt zu werden. Sie wird von polnischen Partisanen gefangengenommen. Über ihr Schicksal ist nichts bekannt. Das ist der Dank dafür, dass ich die Truppe bei Laune und gesund gehalten habe – und meine Alma hat der Siegfried Lenz mir dann auch noch genommen!«

Florian Lukas zu seiner Rolle "Paul Zacharias"

Florian Lukas ist Paul Zacharias.
Florian Lukas ist Paul Zacharias. | Bild: NDR / Dreamtool Entertainment

»Bei aller Ernsthaftigkeit des Themas hatte ich viel Spaß, in der polnischen Einöde mit einer Truppe guter Schauspieler einen Film dieser Qualität zu drehen. Man arbeitet gemeinsam an den Szenen und guckt den Kollegen dabei zu, wie sie ihre Rollen angehen. Es war aufregend, mit einem großen polnischen Team durch die Wälder zu ziehen. Etwas befremdlich fand ich nur, mir die Wehrmachtsuniform zurechtzuzurren und die Waffen aushändigen zu lassen. Wir stellten fest, wie schön es doch ist, dass wir nicht mehr Krieg gegeneinander führen, sondern zusammen ein so spannendes Projekt verwirklichen, in dem wir unsere gemeinsame Geschichte erzählen.«

Leonie Benesch zu ihrer Rolle "Hildegard Roth"

Leonie Benesch ist Hildegard Roth.
Leonie Benesch ist Hildegard Roth. | Bild: NDR / Dreamtool Entertainment

»Hilde ist eine kluge Frau und ein praktischer Mensch. Sie geht die Beziehung zu Walter ein, obwohl sie weiß, dass er noch in die Partisanin Wanda verliebt ist. Sie akzeptiert, dass es im Leben ihres Mannes noch eine andere gibt. Ich finde nicht, dass dieses Arrangement typisch ist für die Nachkriegszeit. Es ist typisch für die Liebe. Das alte Hollywood-Klischee von 'The One and Only' ist mir zu eindimensional. In Wirklichkeit ist die Liebe tausend Mal vielfältiger. Was es bedeutet, sich in den Feind zu verlieben, weiß ich aus meiner eigenen Familie. Mein Großvater hat nach dem Krieg meine aus Frankreich stammende Großmutter geheiratet. Sie hatten sich bei einem Schüleraustausch kennengelernt. Dass sie nach Deutschland übergesiedelt ist, konnte ihr Vater ihr lange nicht verzeihen. Erst als das erste Kind geboren wurde, hat man sich wieder versöhnt. Das ist meine persönliche Parallele zum 'Überläufer'.«

Katharina Schüttler zu ihrer Rolle "Maria"

Katharina Schüttler ist Maria.
Katharina Schüttler ist Maria. | Bild: NDR / Dreamtool Entertainment

»Nach dem Lesen des Drehbuches war für mich sofort klar, dass ich mit Maria auf diese kleine und doch sehr intensive Reise gehen wollte. Die Szene, in der Walter Proska am Ende des Krieges nach Hause kommt und seine Schwester zum ersten Mal wiedersieht, hat mich sehr berührt. Es gibt selten Szenen mit so vielen dramatischen Wendepunkten: die Todesangst im Versteck, die Überraschung, ihren Bruder wiederzusehen, die Überforderung im Versuch zu begreifen, wer die fremden Menschen um ihren Bruder herum sind, die Unfähigkeit zu verstehen, weshalb Walter sich so widernatürlich verhält, der Versuch, den 'Iwan' und ihren Bruder zusammenzubekommen, die grauenvolle Ahnung, ihrem Mann könne etwas zugestoßen sein, der tiefe Wunsch, Walter glauben zu wollen, ihr Mann sei am Leben, und am Ende ihre Bereitschaft, sich dem eigenen Schicksal hinzugeben. Unter allem liegt immer ihre vom Krieg zerstörte Sehnsucht nach Glück. Für mich ist Maria eine Frau, die nie eine Wahl hatte und der der Krieg alles genommen hat: ihren Mann und ihren über alles geliebten Bruder – zuerst an die anfängliche Faszination des Krieges und schlussendlich an die Lüge und den Verrat.«

Ulrich Tukur zu seiner Rolle "Ernst Menzel"

Ulrich Tukur ist Ernst Menzel.
Ulrich Tukur ist Ernst Menzel. | Bild: NDR / Dreamtool Entertainment

»Ernst Menzel gibt es in der Romanvorlage von Siegfried Lenz nicht, aber ich hatte Lust auf diese Figur. Auch wenn es 'nur' ein kurzer Auftritt ist, so ist es doch eine für diese historische Situation sehr bezeichnende Figur. Menzel war während des Kriegs in Moskau und wurde dort auf eine Führungsrolle in einem sozialistischen deutschen Staat vorbereitet. Der Film öffnet so den Blick auf die Zeit kurz nach dem Krieg und die frühe Entstehungsphase der DDR, was ich besonders spannend finde.«

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