Katrin Sass ist Ex-Staatsanwältin Karin Lossow

Katrin Sass ist Karin Lossow.
Katrin Sass ist Karin Lossow. | Bild: NDR/ARD Degeto / Oliver Feist

Katrin Sass zeigt im "Usedom-Krimi" eine weitere Seite ihres großen Könnens, komplexe Charaktere zu spielen. Seit 2014 verkörpert sie die ehemaligen Staatsanwältin Karin Lossow, die im Affekt ihren untreuen Ehemann erschossen hatte und nach Verbüßung ihrer Haftstrafe einen Neuanfang auf der Ostsee – insel gewagt hat.

Gespräch mit Katrin Sass

"Träume" ist der zehnte "Usedom-Krimi". Sie feiern also ein kleines Jubiläum. Wie blicken Sie auf die Jahre zurück?

Ich bin erstaunt über diese Jahre, genauso erstaunt wie über die 30 Jahre Mauerfall – es ist irgendwie nicht zu fassen. Entweder liegt es am Alter oder an der schnelllebigen Zeit, ich habe es nicht richtig mitgekriegt und auch gar nicht begriffen. Es fühlt sich an, als hätte ich gerade erst angefangen. Das ist aber auch ein gutes Zeichen. Auf jeden Fall. Wir drehen immer im Winter. Die kalte Jahreszeit ist nun wirklich nicht mein Fall – ich habe es lieber warm. Und doch gehe ich sehr gern zum Dreh, weil ich weiß: Auf Usedom ist meine Filmfamilie und ich gehe ans Meer, wo ich eigentlich zu Hause bin. Du gehst in die Heimat und du gehst in eine gute Familie. Und was mir tatsächlich sehr liegt, ist, dass wir bei diesen ruhig erzählten Geschichten bleiben, bei denen nicht Ströme von Blut fließen und sich nicht die Kamera darauf stürzt. Beim "Usedom-Krimi" geht es ruhig zu. Ganz entspannt und zugleich hoch konzentriert. Eine schöne Zeit für mich.

Was erwartet den Zuschauer künftig von Karin Lossow?

Das sag’ ich nicht, weil ich ja nicht die Autorin bin (lacht). Ich kann sagen, was ich mir wünschen würde: Ich wollte immer gerne einen Hund haben, denn das wäre noch entspannter. Und jetzt habe ich privat einen. Was Karin Lossow angeht, so wollen wir gern in der Familienthematik bleiben. Es werden zwei Drehbücher entwickelt und geschrieben, die wieder sehr stark Karin Lossows Familie in den Mittelpunkt stellen. Da geht es um ein Familienmitglied, das sie mehr als 20 Jahre nicht gesehen hat. Sie nähert sich auch der Schwester an, die sie ebenfalls sehr lange nicht gesehen hat. Das alles hat natürlich mit ihrer Vergangenheit zu tun – mit der "Mörderin" Karin Lossow. Die Zuschauer dürfen gespannt sein.

Ex-Staatsanwältin Karin Lossow wird immer wieder von ihren Mitmenschen um juristischen Rat gebeten und landet mitten im nächsten Fall. Was treibt Karin Lossow an?

Es ist ja ein großes Glück, seine Berufung ausleben zu können. Es bedeutet, das Hobby zum Beruf zu machen. Das ist – glaube ich – bei Karin Lossow ganz stark der Fall. Sie macht nichts, was nicht ihre Berufung wäre. Und das hat zur Folge, dass sie sich immer wieder einmischen MUSS, wenn Leute kommen und um ihre Unterstützung bitten – obwohl sie ja eigentlich gar keine Vollmacht, kein Mandat mehr hat und eigentlich gar nicht mehr loslegen darf. Usedom ist eine Insel, also ein überschaubarer Kosmos. Karin Lossow ist in diesem Kosmos extrem bekannt. Die Menschen wissen, dass sie früher eine gute Staatsanwältin war. Wenn da verzweifelte Nachbarn zu ihr kommen, packt es sie einfach immer wieder. Zu Beginn habe ich mich manchmal gefragt, ob dieses Konzept aufgehen kann. Die Zuschauer haben es jedoch angenommen und gehen immer noch mit. Ich finde es schön, dass sie diesen Beruf mal ausgeübt hat und ihre Mitmenschen sie immer wieder herausfordern. Ich weiß nicht, ob sie sich von allein nicht etwas ganz anderes suchen würde. Ich mag es, dass Karin Lossow nicht völlig raus aus ihrem Beruf ist, sondern einfach weitermacht.

Inzwischen ist Ellen Norgaard für Karin Lossow eine Freundin und Vertraute geworden. Wie hat sich das Zusammenspiel zwischen Ihnen und Rikke Lylloff entwickelt? Sie haben jetzt fünf Filme zusammen gedreht.

Ja, das ist etwas ganz Schönes. Es ist immer ein bisschen fremd und das finde ich wirklich spannend. Ich mag das, wenn ganz fremde Gesichter plötzlich auftauchen, mit einem Akzent, der mal nicht Deutsch ist, den ich so mal nicht kenne. Im Zusammenspiel merke ich, dass Rikke Lylloff eine große Wärme mitbringt. Ich glaube, dass das unserem Zusammenspiel gut tut. Was daraus wird und wo sie mal landet, denn sie ist ja selbst eine Suchende, das verrate ich noch nicht.

Der Zuschauer erlebt Karin Lossow in "Strandgut" und "Träume" von einer ganz neuen Seite. Sie flirtet! Mit dem polnischen Kommissar Lucjan Gadocha, gespielt von Merab Ninidze. Was verändert sich da im Leben der Ex-Staatsanwältin? Und: Was schätzen Sie an den neuen Seiten ihrer Figur Karin Lossow?

An eine Flirterei oder gar Liebe hat sie, glaube ich, nicht mehr gedacht. Das mit Lucjan geht ja schon ein bisschen länger, aber sie geht in der Folge "Mutterliebe" zunächst nicht drauf ein. Das wird ganz dezent und zart erzählt, was ich sehr schön finde. Aber irgendwann siegen auch die Gefühle und ich mag, dass neben Karin Lossows direkter Art nun auch eine andere Seite gezeigt wird. Dass es da Gefühle gibt, die sie wieder in eine andere Zeit zurückbringen, die sie vor und mit ihrem Mann hatte, mit ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn. Das alles wacht, glaube ich, durch diesen Lucjan Gadocha wieder auf. Gegen diese Gefühle wehrt sich Karin Lossow – verständlicherweise, denn sie hat unglaubliche Schicksalsschläge erlebt. Nicht nur den Tod des Mannes, den sie selbst erschossen hat, sondern auch den Verlust der Tochter, die umgebracht wurde. Wie es nun genau weitergeht mit den beiden, weiß ich nicht. Aber ich würde mir wünschen, dass sich die Beziehung vertieft. Zumal Merab Ninidze ein unglaublich angenehmer Spielpartner und Kollege ist und die Gadocha-Figur sehr interessant und facettenreich. Da kann ruhig etwas draus werden.

Mit Dr. Brunner, gespielt von Max Hopp, liefert sich Karin Lossow spitzzüngige Wortduelle! Wie viel Freude macht Ihnen dieses Ping Pong der Figuren?

Unglaublich viel Freude. Weil Max Hopp wahnsinnig toll ist! Ich mag ihn als Schauspieler und schätze sehr, was er sich alles ausdenkt. Und dass er bei uns bleibt, trotz dieser doch kleineren Rolle, die aber eine unglaubliche Kraft hat. Wenn man einen unserer Filme sieht, denkt man, er hatte bestimmt zehn Drehtage. Der schafft es tatsächlich, mit zwei oder drei Drehtagen eine Figur zu präsentieren, die in Erinnerung bleibt. Das ist für Karin Lossow, aber auch für mich privat, eine großartige Herausforderung.

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