Interview mit Dagmar Gabler

Felice (Lea Freund) nach der Vergewaltigung in der Gerichtsmedizin.
Felice ist nach der Vergewaltigung in der Gerichtsmedizin. | Bild: NDR / Oliver Feist

Interview mit Dagmar Gabler

Drehbuch

"Nachtschatten" ist Ihr erster "Usedom-Krimi". Wie entstand die Idee für den Plot des Films?

Ich habe beobachtet, was mir auf Usedom begegnete: auf der touristischen Oberfläche der Insel und darunter. Und bin dort in den Clash von Alt und Jung geraten: hier die feiernden Jugendlichen und im Ferienhaus daneben Senioren auf Genesungs-Urlaub. Dazu kam die allgemeine Horrorberichterstattung über reale Vergewaltigungen. In meiner Jugend dachte ich immer, Vergewaltigungen sterben irgendwann aus, weil Frauenrechte immer manifester werden und wir als Gesellschaft peu à peu doch zivilisierter. Irgendwann, dachte ich, müssen Frauen nicht mehr bei jeder Begegnung mit einem Mann abschätzen, ob der alles unter Kontrolle oder unlautere Absichten hat. Irgendwann werden Mütter ihre Töchter nicht mehr zuerst mit Misstrauen gegenüber Männern impfen müssen – und irgendwann wird kein einziger Mann mehr Frauen als Triebabfuhr-Matratze missbrauchen. 30 Jahre später habe ich diese Hoffnung genauso begraben wie meinen Glauben daran, dass wir uns bald wirklich beamen können. Letzteres kann ich als Autorin nicht beeinflussen, aber zu Ersterem kann ich einen Primetime-Beitrag leisten – obwohl ich dieses Thema eigentlich nie bearbeiten wollte. Zuviel schien mir problematisch und delikat in der Darstellung, zudem werden wir überschwemmt von Nachrichten und Filmen über sexuelle Gewalt. Aber da war meine Idee beim Produzenten schon auf Interesse gestoßen, und so entstand "Nachtschatten".

Wie haben Sie sich auf diese Arbeit vorbereitet?

Vor-Ort-Recherche auf Usedom. Jugendliche in München belauschen. Drogen- und Psychologie-Kunde bei meinem Mann, der bei seiner Arbeit in der Psychiatrie einer großen Klinik immer mehr und öfter krasse Drogenund Missbrauch-Geschichten "reparieren" soll. Fachfragen mit der Kripo abklären. Und natürlich dem Sender und Produzenten zuhören, was geht und was nicht. ;-)

Sie hatten die Aufgabe, mit Rainer Witt, gespielt von Till Firit, eine neue Figur in das Ensemble einzuführen. Wie haben Sie diese Aufgabe gelöst?

Rainer Witt musste frisch erfunden werden – aber das war ich nicht allein. Da gab es Gespräche mit dem Mastermind der Produktion Tim Gehrke sowie dem NDR Redakteur Donald Kraemer und Autorinnen/Autoren anderer Folgen. Sowas ist anfangs natürlich ein wenig "try and error", weil die Figur sowohl zur Heldin Katrin Sass passen als auch den aktuellen Fall und die kommenden tragen muss. Irgendwann aber manifestiert sich ein Skelett und eine Marschrichtung – und wenn man dann Glück hat, bekommt man Till Firit, der ihm seine Haut leiht und ihm Leben einhaucht.

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