Gespräch mit Regisseur Felix Herzogenrath

Ellens (Rikke Lylloff) erster Arbeitstag nach der Elternzeit.
Ellens erster Arbeitstag nach der Elternzeit. | Bild: NDR/Razor Film / Oliver Feist

„Entführt“ ist bereits Ihr dritter „Usedom-Krimi“. Was mögen Sie an der Reihe?

Mich interessieren insbesondere zwei Aspekte an dieser Reihe. Einmal, dass der Schwerpunkt nicht auf dem Krimi, sondern auf dem Drama der Figuren in den Geschichten liegt. Und das ist, glaube ich, auch das, was die Zuschauer daran lieben. Nicht unbedingt das Herumkniffeln an komplizierten Fällen, sondern das Interesse an komplexen Figuren. Das zweite ist die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit wundervollen Schauspielern, allen voran natürlich Katrin Sass, die ich nach drei Filmen noch mehr ins künstlerische wie auch ins menschliche Herz geschlossen habe.

Der Film erzählt eine außergewöhnliche Geschichte. Die Vergangenheit holt Karin Lossow und Ellen Norgaard ein – in Gestalt von Patrizia Norgaard, Ellens Mutter, die auf der Insel nach 30 Jahren wieder auftaucht. Was hat Sie an diesem Plot interessiert?

Die spannendste Frage der Geschichte ist für mich: Wie funktioniert Vergangenheitsbewältigung? Diese passiert ja zwangsläufig mit dem Fortlaufen der Zeit auf der politischen, aber auch auf der individuellen, menschlichen Ebene. „Entführt“ machte diese Frage an verschiedenen Figuren fest, die ganz unterschiedlich mit ihrer Vergangenheit und damit mit ihrer individuellen Wahrheit umgehen. Was braucht es an charakterlicher Stärke, um sich auch Fehlern der Vergangenheit zu stellen?

Was war Ihnen bei der Inszenierung dieses Stoffes wichtig?

Die Figur der Patrizia ist in der Geschichte dramaturgisch der Gegenspieler von Karin Lossow. Dabei war es mir wichtig, dass diese Figur nicht nur als „Villain“, als Schurke, funktioniert, sondern zu versuchen, diese Frau so komplex wie möglich zu zeigen. Wenn sich die Zuschauer fragen, warum Patrizia so handelt, wie sie handelt, fände ich es toll, wenn sich viele verschiedene Gründe und verwobene Motivationen als Antwort ergeben würden. Aber gerade mit der so detaillierten, feinen Darstellung der Figur durch Marion Kracht bin ich mir sicher, dass diese Figur in aller Komplexität bei den Zuschauern ankommt.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer erleben ein großes Duell zwischen Karin Lossow/Katrin Sass und Patrizia Norgaard/Marion Kracht – wie haben Sie die Begegnung der beiden Figuren, der beiden Darstellerinnen wahrgenommen?

Auf die Begegnung der beiden Figuren habe ich mich die ganze Drehzeit gefreut. Aber eben mindestens so sehr auf die Begegnung der beiden Schauspielerinnen. Wir haben es sogar geschafft, dass die große Konfrontations-Szene am Ende des Filmes im Drehablauf die erste Szene war, die die beiden zusammen gespielt haben. Wir haben versucht, Marion und Katrin so gut es ging voneinander zu trennen, so dass dann, mit zwei drehbereiten Kameras am Set, direkt ohne Probe gedreht wurde. So trafen nicht nur die beiden Figuren, sondern eben auch die beiden Schauspielerinnen erstmalig zusammen. Es war fantastisch. Mein Job war es, nur zuzusehen.

Sie haben unter Corona-Bedingungen gearbeitet. Was war dabei die größte Herausforderung?

Dieser Film war schon die zweite Produktion, die ich unter Corona-Bedingungen gedreht habe, dadurch war eine gewisse Vorbildung vorhanden. Wir haben mit einem Schutzsystem gearbeitet, das es den Schauspielerinnen und Schauspielern ermöglichte, nah aneinander zu spielen, was mir wichtig war. Um dieses Hygienekonzept umzusetzen, hatte das ganze Team, besonders die Produktionsabteilung, die schwierigste Arbeit. Und ein wenig Glück gehört auf jeden Fall auch dazu, dass sich niemand vor oder hinter der Kamera angesteckt hat.

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