Gespräch mit Katrin Sass

Karin Lossow (Katrin Sass) auf Spurensuche.
Karin Lossow auf Spurensuche. | Bild: NDR / Oliver Feist

Die Folgen "Winterlicht" und "Geisterschiff" erzählen von Ereignissen, die Karin Lossow ziemlich an die Subs- tanz gehen, trotzdem wirkt sie stets sehr gefasst. Warum gibt Karin Lossow nur so wenig von ihren Gefühlen preis?

Was ich da ohne große Aufregung mache, kann mini- malistisch genannt werden. In der vorletzten Folge, die wir gedreht haben, ist es ein bisschen anders. Da schreit Karin Lossow irgendwann ein für alle Mal alle Gefühle raus. Aber das passiert tatsächlich sehr selten. Was sie in den acht Jahren im Gefängnis erleben musste, hat Karin nachhaltig geprägt. Es dauert sehr lange, bis sie diese Erlebnisse verarbeiten und loslassen kann. Ich glaube, dass sie vorher etwas quirliger war. Aber Karins Geschichte ist davon geprägt, was in den acht Jahren im Gefängnis passiert ist und vor allen Dingen mit wem. Die Menschen im Gefängnis bringen einen zurück auf den Boden. Sie hat dadurch sehr viel über das Leben gelernt.

In der Folge "Mutterliebe" besucht Karin Lossow zu Beginn eine junge Usedomerin, die in Polen seit zwei Jah- ren vermeintlich unschuldig in U-Haft sitzt. Mit welchen Empfindungen geht sie in das Gefängnis?

Karin Lossow besucht Martina Gentsch, weil Holm Brendel sie darum gebeten hat. Als sie das Gefängnis betritt, um sich Martinas Geschichte anzuhören, kommen viele Gefühle und Erinnerungen wieder hoch. Die Bilder, die Geräusche und Gerüche – das ist wie ein Flashback. Sie hätte mit der Frau auch einfach telefonieren kön- nen, doch Karin Lossow hat den Mut, Martina Gentsch persönlich zu treffen – sie stellt sich der Situation. So unangenehm das Erlebnis einerseits ist, so reizvoll ist es zugleich. Denn Karin spürt instinktiv, dass ihr der Besuch im Gefängnis hilft, ihre eigene Vergangenheit zu bewäl- tigen.

Auch mit einer neuen Kommissarin auf Usedom mischt sich Karin Lossow weiter in Ermittlungen ein. Was bringt sie dazu, sich immer wieder in die Polizeiarbeit einzubringen?

Die Polizeiarbeit reizt Karin unglaublich. Eigentlich hat sie zu kein Recht mehr, denn ihre Zulassung als Staats- anwältin hat sie verloren. Dennoch sieht sich Karin weiterhin in der Pflicht, Menschen zu helfen. Das hat auch mit ihrer Vergangenheit und dem Gefängnis zu tun. Sie macht die Dinge, wovon sie früher als Staatsanwältin gelebt hat, heute aus einer ganz anderen Motivation. Ihr ist es sehr recht, dass Menschen zu ihr kommen und einen Rat brauchen. Die Insel ist nicht besonders groß und Karin Lossow ist überall bekannt. Man weiß, was für eine Staatsanwältin sie war. Deshalb geht man gerne zu ihr und holt sich einen Rat. Es ist für sie ganz wichtig, dass sie Menschen in juristischer Not unterstützen kann.

Mit Ellen Norgaard nimmt eine Kommissarin die Arbeit auf, die ihre Tochter sein könnte. Wie erlebt Karin Lossow die Polizistin Norgaard und den Menschen Ellen?

Das ist für Karin nochmal eine ganz verrückte Verbindung. Nicht nur, dass Ellen Norgaard fast in dem Alter ihrer Tochter ist. Hinzu kommt, dass Ellen ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Probleme hat. Wenn Ellen nur eine Wohnung gesucht hätte, müsste sie nicht ausgerechnet zu Karin kommen. Der eigentliche Beweggrund, warum sie bei Karin Lossow auftaucht, ist einfach: Ellen erhofft sich, durch Karin ihre Vergangenheit aufzuarbeiten: Die Geschichte mit ihrer Mutter. Ellen weiß, dass es damals etwas gab. Die Mutter und Karin Lossow kannten sich. Nach und nach wird erzählt, was da passiert ist. Für Karin ist es außerdem ganz gut, dass eine junge Frau kommt, die ebenso wie Karin weiß, was sie will. Die wie Karin nicht ständig aus der Haut springt. Die sich mit ihren 35 Jahren wie Karin relativ im Griff hat. Sie ergänzen sich gut und Karin wird dadurch aus ihrer Einsamkeit gerissen, die ziemlich heftig ist. Der Mann, die Tochter, die Vergangenheit und dann das Mörderhus. Das ist ziemlich viel. Deshalb hat diese Ablenkung etwas Gutes. Auch in den neuen Folgen wird wieder an der Vergangenheit gearbeitet. Diesmal jedoch nicht Karins Vergangenheit.

Sie haben mit Rikke Lylloff eine neue Kollegin bekommen. Welche neuen Impulse bringt sie ans Set des Usedom-Krimis?

Das ist eine sehr angenehme, sehr heitere Kollegin. Bei unseren letzten Dreharbeiten bin ich mit ihr vor Lachen regelrecht zusammengebrochen. Es war unglaublich schwer, sich wieder zusammenzureißen. Das ist natür- lich durch den wunderbaren Akzent, den sie hat, noch etwas ganz anderes. Das ist nicht die polnische Seite, sondern die nordische, die sehr charmant klingt. Ich bin gespannt, wie das mit uns weitergeht und wie das Publikum annimmt, was wir machen.

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