Fragen an Hanno Koffler

Rudi Dassler

Rudi Dassler
"Rudis Charakter ist auch ein Charakter seiner Zeit. Solche Persönlichkeiten gibt es nur noch selten." | Bild: ARD Degeto/Wiedemann & Berg/Martin Spelda

Adi und Rudi Dassler waren ein ziemlich unterschiedliches Brüderpaar. Wie war Rudis Beziehung zu seinem Bruder Adi?

Nach allem was ich weiß, verband die beiden eine sehr enge und auch von starker Zuneigung zueinander geprägte Kindheit und Jugend. Wobei sich Rudi als der Ältere seiner Position als Erstgeborener immer bewusst gewesen ist. Charakterlich waren die beiden schon immer sehr unterschiedlich: Adi eher der introvertierte Tüftler und Rudi eben der extrovertierte Kommunikator. In diesem Unterschied lag sowohl die Anziehung als auch die Ablehnung zwischen den Brüdern. Am Anfang ihrer Karriere haben sie sich traumhaft und sehr erfolgreich ergänzt, sie waren gegenseitig abhängig von den Qualitäten des anderen. Im Laufe der Jahre wurde ihr Potenzial als Team allerdings immer mehr zur Last und sie haben allmählich versucht, sich aus der Abhängigkeit vom anderen zu befreien und sich zu emanzipieren. Eigentlich ein normaler Prozess bei so symbolischen Beziehungen, doch aufgrund dieser einzigartigen Charaktere, ihrer außergewöhnlichen Erfolge und der besonderen zeitgeschichtlichen Epoche ihres Lebens entstanden aus dieser individuellen Befreiung der Brüder eben sehr große und sehr existenzielle Konflikte – miteinander, aber auch in jedem einzelnen der beiden.

Wie würden Sie Rudi Dasslers Charakter beschreiben?

Rudis Charakter ist auch ein Charakter seiner Zeit. Solche Persönlichkeiten gibt es nur noch selten, wie ich finde. Rudi Dassler war Lebemann, Frauenheld, Geschäftsmann, er war ein Mann, der großen Unterhaltungswert mitbrachte, gesellig und energetisch, er konnte sehr charmant sein, und er war tüchtig und stolz. Eine schillernde Persönlichkeit. Ein Puma eben. Aber unter all dem lag bei ihm immer auch dieser nicht zu stillende Ehrgeiz nach Erfolg und ein großes Geltungsbedürfnis. Die Angst vor der Bedeutungslosigkeit und eine fast quälende Umtriebigkeit. Rudi war ein Jäger, der eigentlich nie zur Ruhe gekommen ist. Ein Macht- und Erfolgsmensch, den der Gedanke, zu scheitern oder unbedeutend zu werden, in große Ängste und Selbstzweifel gestürzt hat, trotz seines Erfolgs. Da gab es womöglich eine Art Minderwertigkeitskomplex, wenn man es böse ausdrücken will, der ihn angetrieben und auch belastet hat. So versuche ich mir jedenfalls seine tiefen Krisen zu erklären, die es eben auch gab.

Rudi Dassler war ein leidenschaftlicher Verkäufer. Was war sein Erfolgskonzept?

Rudis Erfolgskonzept war mit Sicherheit allen voran seine einnehmende Persönlichkeit. Seine Eloquenz im Umgang mit den Menschen, den Kunden, den Firmen, den Sportlern. Rudi war immer sehr volksnah, konnte aber auch mit Menschen aus Politik und Wirtschaft angstfrei und auf Augenhöhe umgehen. Und, das darf man bei all dem Geschäftssinn Rudis nicht vergessen, er und sein Bruder Adi waren leidenschaftliche und außerordentlich gute Sportler. Sie wussten einfach, wovon sie redeten und haben durch und durch geliebt, was sie taten.

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