Fragen an die Regisseure Cyrill Boss Philipp Stennert

Die Dassler-Brüder Adi (Christian Freidel, li.) und Rudi (Hanno Koffler) eröffnen ihre Fabrik.
Die Dassler-Brüder Adi und Rudi eröffnen ihre Fabrik. | Bild: ARD Degeto

Was reizte Sie an der Geschichte am meisten?

Wir sind mit den Weltmarken Puma und Adidas aufgewachsen und waren von der Geschichte hinter diesen Firmen gleich fasziniert. Es ist in gewisser Weise auch die Geschichte über die Geburtsstunde des Kapitalismus, wie wir ihn heute kennen. Auch die Tatsache, in diesem Setting 50 Jahre deutsche Historie erzählen zu können, war für uns als Regisseure sehr reizvoll. Als wir dann tiefer in die Materie eingetaucht sind, hat uns aber vor allem das starke emotionale Thema gepackt: der Konflikt zwischen persönlichem Erfolg und dem Zusammenhalt der Familie. Die tragische Geschichte der Brüder erinnerte uns sofort an klassische Shakespeare- Dramen. Man wird mit der Frage konfrontiert, wieso wir Menschen immer wieder bereit sind, für Erfolg und Macht alles aufs Spiel zu setzen, auch die Beziehungen zu den Menschen, die wir am meisten lieben.

Wie haben Sie sich auf die Dreharbeiten vorbereitet? Gab es Gespräche mit den Dassler- Erben und mit Adidas und Puma?

Wir haben für die Arbeit am Drehbuch sehr viel recherchiert, um den Film so wahrhaftig wie möglich zu machen. Dafür haben wir alles verschlungen, was Journalisten bereits zusammengetragen hatten, uns Dokumentationen angesehen und alte Zeitungsartikel zu dem Thema gelesen. Es fanden auch diverse Treffen mit den Firmen statt, die ja beide inzwischen nicht mehr in Familienhand sind. Bei Puma und Adidas gibt es aber Leute, die sich mit Liebe und Hingabe dem Thema "Firmenhistorie" widmen, alte Dokumente, Fotos, Schuhmodelle sammeln und sich mit der Geschichte der Dassler-Brüder auskennen. Glücklicherweise hatten wir dann später auch Kontakt zu den Familien selber, die uns sehr viel Vertrauen entgegengebracht und Einblick in ihre Archive gewährt haben.

Der Film spielt über ein halbes Jahrhundert, zeigt über 50 Jahre deutscher Geschichte, lässt seine Figuren um 50 Jahre altern. Was war beim Dreh die größte Herausforderung?

Die Dreharbeiten waren in jeder Hinsicht eine Herausforderung, aber wir hatten ein extrem engagiertes, professionelles und talentiertes Team. Eine besonders schwierige Aufgabe war mit Sicherheit die Arbeit mit den Altersmasken. Wir haben lange überlegt, ob wir bestimmte Rollen doppelt besetzen sollen, uns dann aber für den Alterungsprozess entschieden. Es gibt in unserer Geschichte keinen größeren Zeitsprung, nach dem man einen neuen, älteren Schauspieler hätte etablieren können. Außerdem ist das Älterwerden selbst ein wesentlicher Teil unserer Geschichte. Wir wollten zeigen, wie ein agiler, fröhlicher Rudi Dassler zu einem müden, starren alten Mann wird. Dafür musste man aber einen Hanno Koffler 40 Jahre kontinuierlich altern lassen. Ein echter Kraftakt für uns, den Maskenbildner Birger Laube, aber vor allem auch für die Schauspieler, die sich dieser Aufgabe extrem mutig und leidenschaftlich gestellt haben. Die sind mit ihren alten Charakteren regelrecht verschmolzen, das war toll zu beobachten.

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