Der FilmDebüt-Sommer 2020

»In diesem Jahr feiert die Reihe 'FilmDebüt im Ersten' ihr 20-jähriges Jubiläum. Es wird ein stilles Fest, obwohl der Erfolg eine fette Party gerechtfertigt hätte. Das Corona-Virus verändert unser Leben in dramatischer Weise.

Smartphone-Dating und Home Office – die Liebe und das Filme machen verlangen in diesen Zeiten zunehmend mediale Kompetenz. Die meisten jungen Regisseure und Produzenten haben sie bereits, ihre Welt ist digital, – unsere entwickelt sich rasant dorthin. Neben der Ausstrahlung im Ersten zeigen wir eine ausgewählte Reihe von Debütfilmen der letzten zwanzig Jahre in ONE und in der ARD Mediathek. Sowohl die aktuellen Debüts als auch die Jubiläumsfilme werden in der ARD Mediathek abrufbar sein und erstmals den Vergleich möglich machen, welche Themen und Stile sich in den zwei Jahrzehnten im Nachwuchsfilm wiederfinden oder sich verändert haben.

Unser Fazit: Die jungen Filmschaffenden können uns den Weg in die Zukunft weisen, nicht nur formal, auch inhaltlich. Die Debütanten erzählen oft von dem, was sie gut kennen. Sie zeigen uns Lebenswelten von innen heraus, so dass wir dem Alltag der anderen Menschen sehr nah kommen können. Ihre Filme beschäftigen sich häufig mit inneren Krisenzuständen, mit Isolation. Und so kann uns die diesjährige Reihe viele unserer aktuellen Fragen unverhofft spiegeln – und auch Ant worten geben, wie man sich mit anderen neu verbindet.

Der Film 'Die defekte Katze' von Susan Gordanshekan zeichnet sehr sensibel den Alltag eines jungen Paares aus dem Iran, das sich Deutschland als neue Heimat ausgesucht hat. Die Filmemacherin zeigt ihr Ringen um eine Teilhabe an einem Leben, das nach fremden Regeln abläuft. Die Regisseurin beschreibt sehr eindringlich, wie viel Kraft es kostet, diese Regeln zu akzeptieren und trotzdem etwas Eigenes darin wiederzufinden. Auch zwei aktuelle Debüts, die exklusiv in der ARD Mediathek zu erleben sein werden, beschäftigen sich eindringlich mit der Frage nach Heimat und Identität: 'Haus ohne Dach' von Soleen Jusef und 'Messi & Maud' von Marleen Jonkman.

Karl, der junge Held in 'LOMO – The Language of Many Others' von Julia Langhof, formt aus Alltagsmomenten im Internet Clip-Reihen, um der Welt zu zeigen, wie austauschbar unsere Einzigartigkeit im Privaten im digitalen Zeitalter geworden ist. Als er Zurückweisung erlebt, entscheidet er sich, die Kontrolle über sein Leben ganz in die Hände seiner 'Follower' zu legen. In 'Alles ist gut' von Eva Trobisch, dem Eröffnungsfilm der diesjährigen Staffel, gibt uns die Regisseurin einen genauen Einblick in die persönlichen Abwehr- und Verteidigungsstrategien einer modernen, selbstbewussten Frau, die sich auch nach einer Vergewaltigung nicht als Opfer sehen will.

Die neuen und viele alte Debüts stellen sich der Frage, was passiert, wenn Menschen die gesellschaftliche Teilhabe verweigern, bzw. wenn ihnen diese Teilnahme verwehrt wird. Sie erinnern uns daran, dass man sich in eine fremde Situation, ein fremdes Leben hineinversetzen sollte, bevor man es beurteilt. Nach der Erfahrung, die wir gerade durchleben, sollten wir diesen Vertrauensvorsprung jedem Menschen und allen fremden Lebenswelten entgegenbringen. Die Teilhabe an gesellschaftlichem Leben ist ein unschätzbar hohes Gut.


Wir wünschen Ihnen Gesundheit, Zuversicht und spannende Filmstunden mit 12 neuen DebütFilmen im Ersten und vielen Schätzen aus den letzten 20 Jahren FilmDebüt in ONE und der ARD Mediathek.«

Cooky Ziesche und Verena Veihl (rbb)
stellvertretend für die Debüt-Redaktionen der ARD

FilmDebüt im Ersten 2020