Das FilmDebüt 2021

»In Miriam Blieses Debüt "Die Einzelteile der Liebe", das die diesjährige Staffel "FilmDebüt im Ersten" eröffnet, finden fast alle privaten Gespräche und Interaktionen zwischen Menschen, die sich gut kennen, draußen vor der Haustür statt. Als das Drehbuch zu diesem Film geschrieben wurde, war dies noch eine ungewöhnliche Situation und eine originelle Grundidee. Das Wort "Mindestabstand" war noch nicht im alltäglichen Sprachgebrauch, und dass er in diesem Film bei fast allen Gesprächen vorbildlich eingehalten wird, liegt nicht an der Angst vor Ansteckung, sondern an den emotionalen Verletzungen von zwei Menschen, die sich getrennt haben und sich nun bei den regelmäßigen Übergaben um ihr Kind streiten.

Die Kinofilme, die jetzt im Ersten gezeigt werden, wurden alle noch in der "alten Zeit" gedreht. In ihnen gibt es noch Partys und Clubs, Unterricht findet noch in Schulgebäuden statt. Distanz ist weitestgehend mental motiviert, die Menschen flüchten sich in Schweigen, in Fantasiewelten, in Sex oder Liebe. Und wenn es in den Filmen Rückzug gibt, dann ist er selbstgewählt.

Als wir im vergangenen Jahr zum ersten Mal unter dem Eindruck von Corona ein Vorwort für die Debütstaffel geschrieben haben, war uns nicht bewusst, dass sich das Filmemachen in einem mehrjährigen Ausnahmezustand befinden wird. Im Jahr 2020 haben wir das 20-jährige Bildschirm-Jubiläum des "FilmDebüt im Ersten" digital begangen, mit einer Offensive in ONE und der ARD-Mediathek. Der Erfolg war so überwältigend, dass inzwischen Debütfilme einen festen Platz in der ARD-Mediathek erhalten haben. Mit der Rubrik "Debütfilme junger Filmemacher*innen" findet das interessierte Publikum nun auch ganzjährig ein Zuhause in der ARD-Mediathek. Es gibt auch gute Nachrichten. Auch die Filme der diesjährigen Staffel werden für eine längere Dauer in der ARD-Mediathek abrufbar sein.'

Eine gute Möglichkeit, vom Sofa aus das Leben durch die Augen junger Filmemacher*innen zu sehen und dabei zu überlegen, wann und vor allem wie wir wieder hinausgehen wollen. Selbst wenn es schwerfällt und für Viele ganz unmöglich ist: Versuchen wir, die Krise auch als Chance zu begreifen. Die Chance, eigene Routinen, aber auch gesellschaftliche Strukturen zu überdenken. Nur so ergibt diese Situation einen Sinn, die Filmemacher*innen beschreiben fast prophetisch diese positive Kraft.

Ihre Filme haben in diesem Jahr viel mit Umbrüchen, Revolutionen, Veränderungen zu tun. Die Held*innen setzen sich zunehmend mit unserer Gesellschaft auseinander. Sie erinnern uns an das, was wichtig ist, und an die Konsequenzen, die jedes Handeln hat.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen Gesundheit, Zuversicht und spannende Filmstunden mit zwölf Debütfilmen im Ersten, in ONE und in der ARD-Mediathek.«

Cooky Ziesche und Verena Veihl (rbb)
stellvertretend für die Debüt-Redaktionen der ARD

FilmDebüt im Ersten 2021