Regisseur Pjotr Lewandowski zu seinem Film

Pjotr Lewandowski am Set zu "Jonathan"
Pjotr Lewandowski am Set zu "Jonathan" | Bild: Andre Stoeriko

»"Jonathan“ ist eine Geschichte, die polarisiert. Ich bin immer wieder überrascht, wie stark verschiedene Menschen darauf reagieren. Doch die unglaublichsten Geschichten schreibt tatsächlich das wahre Leben – so wie auch diese: "Jonathan" basiert auf einer wahren Begebenheit. Als ich diese Geschichte hörte, war ich davon stark ergriffen. Ich frage mich dabei immer wieder, wie es möglich ist, dass heute bestimmte Themen weiterhin so stark tabuisiert oder verschwiegen werden. Und das nicht aus Respekt, oft stehen Angst und geringe Toleranzgrenzen dahinter. So hat auch der reale Burghardt sehr wenig Verständnis von seiner eigenen Familie erfahren, ähnlich wie "mein" Burghardt im Film. Psychisch und körperlich ist er dadurch völlig aus dem Gleichgewicht geraten und schließlich daran zerbrochen. Die Last des Lügengebäudes, das er selbst aufbaute, war einfach zu groß. Manchmal gibt es aber keine einfachen Lösungen.

Als Jurymitglied des Thomas Strittmatter Preises nannte Volker Schlöndorff "Jonathan" "... ein riskantes Buch, das eine talentierte Regie erfordert. Gerade aber, weil es unversöhnlich ist, weil es Wahrheiten zum Tod und Sex ausspricht, die gerne verschwiegen werden, weil es sich nicht an übliche dramaturgische Rezepte hält ..., weil es ganz aus den Personen heraus lebt, hat das Buch eine Dringlichkeit, die den meisten anderen fehlt." Schlöndorffs Worte bedeuten mir enorm viel. Paradoxerweise polarisiert das Thema Tod genauso stark wie das der Sexualität. Keine leichte Kost. Das ist mir klar. Ich will tiefgreifend von Familie und Freundschaft erzählen, geprägt von kleinen Gesten und liebevoll skizzierten Figuren. Der Film soll die existenziellen Ängste und Träume eines jungen Mannes vermitteln, der sich mit dem Thema Tod auseinandersetzen muss. Trotz der dramatischen Grundstimmung kommt bei "Jonathan" der Humor nicht zu kurz: Ich finde es essenziell, neben den dramatischsten Situationen immer wieder auch humorvolle Elemente einfließen zu lassen.

Die Geschichte von "Jonathan" erzählt vom Hier und Jetzt, von Träumen, von Liebe, Hass, Toleranz und Akzeptanz. Viele Aspekte sind sehr eng mit meinem Leben und meinen eigenen Erfahrungen verknüpft und für mich daher sehr wichtig zu erzählen. Nicht zuletzt durch meine Kindheit, die ich zu einem großen Teil auf einem Biohof verbracht habe, und die dortige Nähe zur Natur. Für mich ist es am wichtigsten, die Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit der Figuren zu zeigen, ihren Alltag in diesem naturnahen Umfeld präzise nachzuzeichnen, aber auch ihren absoluten Lebenswillen und die Phantasie, mit der sie jeden Tag aufs Neue durchhalten, um ihre Träume nicht aus den Augen zu verlieren.«

1 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.

Zum Film