Regisseur Daniel Wild zu seinem Film

Daniel Wild
Daniel Wild | Bild: J. Marbach

»Ich mochte die Idee, dass von allen Figuren ausgerechnet der Typ im Superhelden-Kostüm die authentischste ist. Es hat mich interessiert, wie unsere Gesellschaft mit einem Menschen wie Torsten umgehen würde, der sich zwar mit großer Naivität, gleichzeitig jedoch einer ungeheuren Selbstlosigkeit den kleinen, ihm möglichen Dingen in seinem Umfeld widmet, um zu helfen. Doch anstatt die Uneigennützigkeit seines Engagements für die gute Sache zu respektieren, wird Torsten von der Allgemeinheit als Freak bzw. Loser abgestempelt und medial ausgeschlachtet. Warum wir heutzutage Menschen lieber belächeln oder ihnen gar misstrauen, wenn sie nichts im Gegenzug für ihre Handlungen einfordern, ist für mich eine zentrale Frage, die der Film auf seine ganz eigene Weise verhandelt.

Im Fokus des Films steht das Portrait von Lebensrealitäten und deren Dekonstruktion unter der Prämisse des Authentischen. Die Frage nach dem Sinn und der eigenen Positionierung im Leben sind zentrale Punkte in einer Gesellschaft, in der das Übermaß an Selbstverwirklichungsmöglichkeiten zu einer Überforderung des Einzelnen führen kann. Gerade über die Medien werden wir ständig mit außergewöhnlichen Lebensentwürfen und -zielen konfrontiert. Die Ausnahme, das Spezielle als erstrebenswertes Ziel, um sich aus der Masse herauszulösen und von ihr abzuheben, ist zur Regel geworden. Speziell sein, exklusiv, anders, einmalig.

Bei genauer Betrachtung stellt sich diese Einzigartigkeit jedoch nicht als selbst-, sondern als fremdbestimmt heraus. Denn unsere vermeintliche Individualität baut immer öfter auf Projektion und Maskerade auf: unserer eigenen und der unseres Umfelds; in realen wie auch virtuellen Räumen. Projektion und Maskerade bilden daher auch ein durchgängiges Motiv des Films bei der Verhandlung der Frage nach Authentizität und Wahrhaftigkeit. Ganz konkret finden wir sie als Kostüm und Maske in Torstens Superheldenidentität „Lux“, aber auch in Kittys Job als Stripperin oder symbolisch im Schein und Sein von Brandts Intrigenspiel, dem Truman-Show-Effekt. Nicht zu vergessen, dass uns der eigentliche Film auf der formalen Ebene ebenfalls vorgaukelt etwas zu sein, was er nicht ist. Nämlich ein Abbild der Wirklichkeit. Das Genre des Dokumentarfilms als Deckmantel bzw. Cape.«

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