Regisseurin Laura Lackmann zu ihrem Film

Laura Lackmann
Laura Lackmann | Bild: Beda Mulzer

»Sarah Kuttners Roman "Mängelexemplar" sprach mir und offensichtlich über einer halben Million anderer Leser aus dem Herzen. Karos Geschichte berührte mich extrem, denn sie ist echt und ehrlich. Es ist ein Buch, das man zwischen Freundinnen hin- und herreicht, denn irgendjemand braucht es mit Sicherheit. In "Mängelexemplar" wird nicht nur Karos Problem erzählt, sondern das Problem einer Generation und das unserer heutigen Zeit in der westlichen Welt. Hat man ein Herzleiden, wird das berücksichtigt, leidet die Seele, muss man es versteckt halten.

Karos stärkster Gegner ist sie selbst. Den Konflikt, den sie mit sich austrägt, habe ich versucht durch die Figur des "Inneren Kindes" für uns sichtbar zu machen. Denn wenn man genau hinsieht, ist dieser Gegner, den wir alle in uns haben, wahrscheinlich zart, ziemlich klein und eher beschützenswert als gefährlich. Ich habe mich entschieden, Karos Gedankenstimme ins Drehbuch zu übernehmen. Nicht der Inhalt der Gedanken ist für mich ausschlaggebend, denn sie sollen nicht erklärend sein. Wichtig ist, die Stimme, die einen ständig begleitet, für den Zuschauer nachvollziehbar zu machen. Was im Kopf passiert, ist das, was einen krank macht: Ängste und Phantasien. Das Besondere ist, dass man diese selbst produziert. Kein anderer kann einen heilen, nur man selber. Deswegen spielt der Ton bei der filmischen Umsetzung eine ganz besonders wichtige Rolle. Die Klangwelt des "Mängelexemplars" – Sprache, Töne und Musik – soll uns Karos Erleben nahebringen.

Bei der Verfilmung habe ich versucht, der bildlichen Sprache der Vorlage gerecht zu werden. Für mich ist "Mängelexemplar" ein subjektiver Film, aus der emotional gefärbten Sicht von Karo. Wir erleben alles mit ihr mit. Die Bilder, die entstehen sollen, sind wie Karos Gedanken, phantasievoll, schnell und emotional. Ich habe versucht, den Film, der sich so stark auf die schauspielerische Leistung der Figuren ausrichtet, auch auf diese zu konzentrieren. Mir gefällt es, wenn man zumindest den Eindruck hat, dass die Schauspieler die Kamera bestimmen und nicht umgekehrt. Ich bin mit dem Projekt sehr verwachsen. In meinem Umfeld gibt es zahlreiche Fälle, die mich sehr an Karo erinnern. Ich denke, dass "Mängelexemplar" ein toller Film geworden ist, der es schafft, sich auf eine Art mit einem Leiden unserer Zeit auseinanderzusetzen, die ungewöhnlich, trotzdem zugänglich, lustig, unterhaltsam und außerdem eindringlich ist.«

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