Regisseur Ali Hakim zu seinem Film

Ali Hakim
Ali Hakim | Bild: Leo Lindemann

»Ursprünglich habe es neben Frauen und Männern noch ein drittes Geschlecht gegeben – die Kugelmenschen, eine Mischung aus Mann und Frau. Sie waren kugelrund, mit vier Armen, vier Beinen, zwei Köpfen und zwei Geschlechtsorganen, und rollten über die Erde wie Zirkusakrobaten. Die Kugelmenschen waren glücklich, doch ihr Glück stieg ihnen so sehr zu Kopf, dass Zeus und seine Mitgötter beschlossen, sie in die Schranken zu weisen. Der göttliche Hofschmied Hephaistos teilte die Kugelmenschen in zwei Hälften. Heraus kamen – wir Menschen. Statt elegant zu rollen, stolpern wir durchs Leben auf der Suche nach unserer anderen Hälfte. Das ist die Liebe, sagt Aristophanes, eines der bedeutendsten Dichter aus der griechischen Antike. Die Sehnsucht nach der verlorenen Vollständigkeit.

Die beiden Protagonisten Yara und Kiki haben erkannt, dass ihre Liebe all die Wunden aus ihrer Vergangenheit heilt. Aus diesem Grund schützen sie ihre Liebe nun um jeden Preis, denn was gibt es, das die Wunden der Liebe heilen könnte?

Warum erzählt nun ein muslimisch aufgezogener Atheist eine lesbische Liebesgeschichte zwischen einer Muslima und einer tätowierten Powerfrau? Warum nicht?! Es sind diesmal eben zwei Frauen. So wie es auch ein Mann und eine Frau seien könnten. Natürlich ist Homosexualität dennoch bei dieser Art Geschichte immer auch Teil des Themas. Bonnie & Bonnie soll ein Film sein, der vor allem die starken Frauen in den Vordergrund stellt und sie auf dem Pfad bestärkt auf dem sie sich befinden. Um die Tour de Force der beiden Hauptfiguren in der gewünschten Intensität zu erzählen, ist es notwendig ihr Umfeld (die Familie sowie Personen, auf die sie treffen) entsprechend katalysierend zu gestalten. Mein Bestreben ist es zu zeigen, dass es sich lohnt sich selbst zu verwirklichen, auch wenn das Streben nach Glückseligkeit ins Verderben führen könnte.

Ich habe mich dazu entschlossen eine Geschichte über die erste große Liebe zu erzählen. Sie ist für mich die reinste Form der Liebe. Wir stürzen uns mit der rosaroten Brille hinein, ohne uns vor den Konsequenzen zu fürchten. Doch geht es in dem Film nicht nur um die Liebe zweier Liebenden, es geht darum sich selbst treu zu sein, zu sein wer man wirklich ist ohne sich von anderen etwas vorschreiben zu lassen. Ich habe mich gefragt ob wir in unserer heutigen Minglegesellschaft den Mut aufbringen alles für die Liebe zu tun, 'All-In' zu gehen und bereit sind für die Liebe zu sterben, wie es uns in unserer europäischen Literaturgeschichte beigebracht worden ist?«

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