Regisseurin Susan Gordanshekan zu ihrem Film

Susan Gordanshekan
Susan Gordanshekan | Bild: Andreas Müller Fotografie

»Als Tochter iranischer Eltern in Deutschland geboren, bin ich sowohl mit der iranischen als auch der deutschen Kultur aufgewachsen. In der traditionellen iranischen Kultur lernen sich Männer und Frauen über, von der Familie arrangierte, Gespräche kennen. Wenn sie einander sympathisch finden, entscheiden sie sich häufig nach nur wenigen Treffen zu heiraten. Im Westen aufgewachsen, wo das Idealbild einer Beziehung aus der romantischen Liebe hervor geht, war ich sehr überrascht zu beobachten, dass die traditionellen iranischen Ehen häufig ähnlich glücklich bzw. unglücklich verlaufen, wie die westlichen Liebesehen. Sie entstehen lediglich in umgekehrter Reihenfolge. Ein wirkliches Kennenlernen findet erst nach der Hochzeit statt. 

'Die defekte Katze' erzählt die Geschichte einer traditionell geschlossenen Ehe und stellt sie in einen westlichen Kontext, um die Gemeinsamkeiten ihrer Herausforderungen, anstelle ihrer Unterschiede herauszustellen. 

Wir begleiten zwei Menschen, die die Erfahrung machen, dass sich die Ehe mit einem Unbekannten schwieriger gestaltet, als ihre Vorstellung davon.  Die Protagonisten Mina und Kian suchen einander aus, stellen jedoch unterschiedliche Ansprüche und Erwartungen an die gemeinsame Ehe. Ihre Beziehung  stellt sich zunehmend als defekt heraus - wie die Katze, die Mina im Laufe des Films anschleppt. Die beiden finden erst zueinander, nachdem sie von ihren Erwartungen an einander und denen ihres sozialen Umfeldes losgelassen haben. Befreit durch das Eingeständnis des Scheiterns der Beziehung, sehen Mina und Kian einander das erste Mal wie sie wirklich sind. 

In 'Die defekte Katze' geht es darum, sich von Idealbildern zu befreien, um sein Glück zu finden. Genauso wie das Idealbild der Liebe muss die Protagonistin Mina auch ihr Idealbild des Westens loslassen. 'Es ist nicht so wie im Satellitenfernsehen' sagt Masoud über das Leben in Deutschland zu Mina, nachdem Mina ihre anfängliche Enttäuschung darüber angedeutet hat.

Alle Beziehungen stehen irgendwann vor ähnlichen Herausforderungen, unabhängig davon, wie sie entstanden sind. Auch der romantischen Liebe geht eine, durch die Medien forcierte, Idealvorstellung voraus. Diese Idealvorstellung loszulassen, eröffnet die Chance, sich auf einen anderen Menschen mit all seinen Schwächen und Eigenarten einzulassen. 

Diese Gedanken bilden für mich das Fundament des Films. Dennoch wollte ich keinen Film machen, der eine These herausarbeitet, sondern vielmehr eine 'umgekehrte Liebesgeschichte', entgegen der etablierten filmischen Erzählweise, verwirklichen. So ist das Ende in 'Die defekte Katze' als ein Anfang zu begreifen, da sich die Protagonisten am Ende des Films nochmals neu kennenlernen. «

1 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.