Statement von Lola Randl

Autorin und Regisseurin von "Die Erfindung der Liebe"

Samuel Finzi, Irm Hermann, Regisseurin Lola Randl, Mario Adorf und Bastian Trost Schauspieler bei der Premiere des Kinofilms "Die Erfindung der Liebe".
Lola Randl schrieb das Buch zu "Die Erfindung der Liebe" und führte die Regie zum Film. | Bild: dpa

»Wo soll ich beginnen? Vielleicht damit, dass ich mir schon sicher war, wer die Rolle Emily spielen sollte, als mich jemand auf eine junge Schauspielerin namens Maria Kwiatkowsky aufmerksam machte. Weil ich diese Rolle eigentlich schon besetzt hatte, wollte ich mir ihre Arbeit schon aus Prinzip nicht anschauen. Aus purer Neugier tat ich es dann doch und schaute eine Nacht lang irgendwelche selbstgedrehten You-Tube-Videos von ihr, und danach wusste ich, dass sie es sein musste. Aber was ich wirklich sagen will, beginnt eigentlich erst mit Marias Tod. Oder genauer in dem Moment wo wir, das Filmteam, sprachlos auf einem Parkplatz in Köln standen, während in Berlin gerade jemand ihre Wohnung aufgebrochen und sie dort leblos gefunden hatte.

Ich werde immer wieder gefragt, wann mir klar wurde, dass ich den Film dennoch zu Ende bringen wollte. Ich weiß es nicht mehr genau, aber ich glaube recht bald. Ihn nicht fertigzustellen, war für mich jedenfalls die schlimmere Vorstellung. Es stand nie außer Frage, dass wir das alte Material, also das Material mit Maria, behalten wollten und dass der Film, der es mal hätte werden sollen, damit passé war. Ich konnte den Tod nicht einfach unter den Tisch kehren und in der gleichen frivolen Art das ursprüngliche Drehbuch noch einmal verfilmen. Ich musste auf den Tod reagieren, er hat mich dazu regelrecht genötigt. Ich wundere mich heute noch, dass gerade das als unmoralisch angesehen wurde, wie überhaupt die Tatsache, dass wir weitermachten nach einem solchen Vorfall. Ich habe dann den Tod ins neue Drehbuch geschrieben, weil ich nicht wusste, wie ich ihm sonst begegnen sollte. Ich wollte mich nicht vor ihm verbeugen dafür, dass er uns jemanden genommen hat und nicht mehr wieder hergibt und wir eine Riesenangst haben, dass wir als nächstes dran sind, sondern ich wollte ihm die Stirn bieten und den Film zu Ende drehen. Weil wir immer noch leben.

Und schließlich hört der Zirkus mit uns nicht auf, auch wenn neben uns einer stirbt und man kurz oder sogar länger das Gefühl hat, dass man sich nur noch wahr und ehrlich lieben sollte und kluge Sachen sagen. Aber das klappt nicht, die Trivialitäten holen uns wieder ein. Darüber habe ich einen Film gemacht. Und für Maria. Weil ich mir schon sicher war und dann durch sie doch nicht mehr sicher war und ich mir mit ihr dann wieder sicher war, diesmal aber ganz sicher und dann alles zerbrach und ich mir dann wieder sicher wurde.«

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