Regisseur Savaş Ceviz

Regisseur Savaş Ceviz
Regisseur Savaş Ceviz | Bild: kurhaus production

»Wie wohl viele von uns las auch ich die Schlagzeilen von 'dem Monster', einem 'Kinderschänder' etc.. Ich habe mich immer gefragt, weshalb tun diese Menschen das? Was steckt dahinter?  Wie kann man etwas tun, das weltweit so geächtet wird wie nichts Anderes. Wie kann man sich dem aussetzen? Ich wollte verstehen, was dahinter steckt, weshalb diese Männer so etwas Schreckliches tun und so fing ich an zu recherchieren.

Schnell war klar: 1. Es ist eine Neigung, die man sich nicht aussucht 2. Es gibt gar nicht so wenige, die das nicht wollen, sich dafür hassen und damit quälen, aber nichts dagegen tun können. Das stellt einen riesigen inneren Konflikt dar und das hat mich interessiert. So ist KOPFPLATZEN, die Geschichte eines Pädophilen entstanden. Allein in Deutschland reden wir von etwa 350.000 Pädophilen, 1% der männlichen Bevölkerung – die Dunkelziffer wird auf das drei- bis vierfache geschätzt. Das sind Männer aus allen sozialen Schichten vom Müllmann bis zum Fußballer, vom Staatsanwalt bis zum Bäcker, vom TV-Moderator bis zum Architekten, wie in KOPFPLATZEN.  

Und nur zur Klarstellung, da einige das (zu gerne) durcheinanderbringen: Es geht nicht darum, strafbare Taten eines Pädophilen zu entschuldigen, zu rechtfertigen oder sonst wie gutzuheißen. Jenseits des pauschalisierenden 'Schlagzeilen'–Massenurteils, gilt es aber für eine entwickelte Gesellschaft den Blick auf diese, weltweite Problematik zu erweitern und zu vertiefen. Was kann es für jemanden bedeuten, solch eine Neigung zu haben? Das wollte ich zeigen. Aus der Perspektive des Pädophilen Markus.

Es ist aber auch eine Geschichte über uns alle, über jeden von uns: Wie geht jeder von uns mit seinen eigenen, vermeintlich 'dunkelsten' Seiten um (auch jenseits der Sexualität)? Mit Charakterzügen, Eigenschaften, Vorlieben, die man an sich selbst nicht mag und gutheißt, aber sie nicht verhindern und abstellen kann. Häufig isolieren sich solche Menschen wie Markus in KOPFPLATZEN selbst oder werden von der Gesellschaft dazu gedrängt. Diese Isolation wollte ich zeigen; durch Räume, Farbgebung, Kamera, Tempo, Musik, Darstellung, etc. Da ich das Thema und die Geschichte für sich als sehr stark erachte, wollte ich in meiner Inszenierung beim Wesentlichen bleiben und erreichen, dass so wenig wie möglich davon ablenkt.

Max Riemelts Sensibilität und Intuition waren wichtig für die Figur. Eine Figur, die viele seiner Gefühle und Zustände nur in Nuancen und Blicken äußert. Zudem sieht Max gut aus, was ebenfalls wichtig für die Figur und die Geschichte war, die ich erzählen wollte. Denn wir alle haben geprägt durch die Medien ein vorgefertigtes, klischeehaftes Bild eines Pädophilen. Meistens schmierig, eklig, ungepflegt, hässlich, unteres soziales Level usw.. Aber das ist mitnichten so, da man sich eben diese Neigung nicht aussucht. Max Riemelt hat zu Recht Preise für seine großartige Leistung erhalten und wurde für KOPFPLATZEN in Brasilien sogar zu einem der 5 besten Schauspieler des Jahres 2019 gewählt, neben u.a. Robert De Niro, Christian Bale und Joaquin Phoenix.

Die Idee zu Kopfplatzen hatte ich bereits etwa 2006. Man sieht, wie lange es dauern kann. Seit vielen Jahren gibt es ja in der Branche kaum eine öffentliche Rede in der es nicht heißt, wir brauchen mehr mutige Stoffe, etc. pp! Und ich dachte, ja, hier ist einer. Aber niemand wollte finanzieren, einsteigen, mitmachen, obwohl doch alle davon sprachen. Zum Drehbuch wurde häufig gesagt, 'wirklich tolles Drehbuch, aber das können wir nicht machen.' Bis der SWR kam. Stefanie Groß und Manfred Hattendorf hatten den Mut, mit einzusteigen, sonst wäre der Film vielleicht nie entstanden.«

9 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.

Der Film