Regisseur Tim Dünschede

Regisseur Tim Dünschede
Regisseur Tim Dünschede | Bild: Holger Jungnickel

»Mit seiner Umsetzung, eine 90-minütige Geschichte in einer einzigen, fortlaufenden Einstellung zu drehen, war 'Limbo' eine einmalige Herausforderung, in deren Genuss man als Regisseur nicht oft kommt. Eine Form, bei der man durch Verzicht eine neue, vollkommene, unverfälschte Authentizität erschaffen kann. Ohne die Montage, einem der wichtigsten filmischen Gestaltungsmittel gibt es kein 'Entweder Oder', keine Optionen, kein Hin und Her, keinen Rettungsanker. Alles, was man sieht, ist da, direkt und ohne Umschweife. Erzählzeit wird zu Echtzeit. Ist der Startschuss einmal gefallen, gibt es kein Zurück, kein Halten mehr. 90 Minuten Leben in 90 Minuten gedrehtem Film.

Einen Film auf diese Weise zu realisieren forderte uns als Filmemacher noch einmal auf einer ganz neuen Art heraus und bedurfte ein grundsätzliches Umdenken. Planung, Reduktion aber auch Flexibilität waren nötig um Konventionen umgehen zu können. Im Vergleich zu herkömmlich gedrehten Filmen bekam die Vorbereitung eine noch ausschlaggebendere Bedeutung. In einer intensiven Probenzeit galt es gemeinsam mit den Schauspielern, der Kamera und schließlich einem 50-köpfigen Team, das Tempo, den Rhythmus, die Sprache des Films zu finden und zu formen.

Das Zusammenspiel mit der Kamera wurde zu einer Choreographie und mündete letztlich in einer Symbiose bei der das Eine das Andere unmittelbar bedingt. Dieser Umstand brachte ein völlig neues visuelles Storytelling mit sich. Eine Erzählweise, bei welcher sich die Gewichtung der Arbeit für uns komplett verschob. Wie in der Geschichte, brachte jede Aktion eine Reaktion mit sich, löste jede Handlung eine Folge aus, verbunden und bedingt in einer immer fortlaufenden Kausalitätskette. Eine Form der Arbeit, die sehr viel Freiheit mit sich zu bringen scheint, dafür aber auch sehr viel Vertrauen und Vorarbeit fordert. Ohne ein so wunderbares Team, das in jeder Minute alles gegeben hat, wäre dies niemals möglich gewesen. Allein deshalb wird 'Limbo' für mich immer in Erinnerung bleiben als das Projekt, das mir einige meiner wertvollsten filmischen Erfahrungen beschert hat.«

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