Regisseur Jakob Lass zu seinem Film

Jakob Lass
Jakob Lass | Bild: Anselm Belser

»Am Anfang lag der Titel in der Luft: „Tiger Girl“. Wie müsste eine Figur sein, die sich selbst so nennen darf? In unseren Gesprächen kreisten wir um Ohnmachtsgefühle und die daraus gespeisten Aggressionsphantasien. Die prekäre Arbeitswelt der privaten Sicherheitsdienste erschien uns als ideale Spielfläche für die Frage: Lässt sich Gewalt legitimieren? Was verändert eine Uniform? Welche Möglichkeiten schafft sie? Mit Tiger und Vanilla haben wir zwei Charaktere geschaffen, die von sehr unterschiedlichen Punkten starten und verschiedene Wertesysteme mitbringen, im Falle von Vanilla fast eher die Abwesenheit von Werten. Und wir wollten sehen, was passiert, wenn eine so ungleiche Beziehung kippt. So verursachen die beiden Frauen jeweils ein mittelschweres Erdbeben im Leben der Anderen. Das macht „Tiger Girl“ auch zu einem Film über eine große Freundschaft, in der zwei extrem unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen und sich aneinander abarbeiten. Diese echte Begegnung lässt es zu, dass Vanilla und Tiger aneinander wachsen, durch die Andere etwas über sich selbst erfahren und somit in der Freundschaft als Persönlichkeiten sichtbar werden. Beide lernen, dass sie sich ihrer sozialen Rolle und ihrer Konstituiertheit nie sicher sein können, indem sie sich ihren jeweiligen Ängsten auf ganz eigene Art stellen, eine neue Welt kennenlernen und am Ende ein Freundschaftspaar „against all odds“ bilden. Wie „Love Steaks“ mischt auch „Tiger Girl“ fiktionales mit dokumentarischem Erzählen: Fiktionale Figuren mit fiktionalen Handlungssträngen spielen sich durch die echte Welt, wo sie im Kontakt mit echten Menschen Dialoge improvisieren. Das hat uns erlaubt, ein Spannungsfeld zu erzeugen zwischen der verspielten Überhöhung unserer fast märchenhaften Geschichte und realen Momenten unserer Gegenwart.«

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