Regisseur Lars Henning zu seinem Film

Lars Henning
Lars Henning | Bild: Frank Dicks

»Mit 'Zwischen den Jahren' wollte ich eine einfache Geschichte aus dem Randgebiet der Gesellschaft erzählen. Zentrum und Ausgangspunkt war schon beim Schreiben die Figur Becker, deren selbstgewählte Einsamkeit und enigmatische Backstory mich sehr gereizt haben. Genau wie seine Lebenswelt sehr be-grenzt ist, wollte ich auch die erzählte Welt begrenzen.

Becker versucht sich aus allem herauszuhalten und ist am An-fang des Films sozial sehr isoliert. So touchiert der Film auch nur punktuell das normale gesellschaftliche Leben, das Becker umgibt, hält sich jedoch meist in seinen Randbezirken auf. Becker wohnt und arbeitet in verschiedenen Außenbezirken der Stadt, auch andere Handlungsorte des Films finden sich eher in den vorgelagerten Industriegebieten wieder. Der innerstädtische Bereich und das lebendige urbane Leben sind für Becker nur ein Transitbereich, den er durchquert, um zu seiner Arbeit zu fahren. Becker ist kein aktiver Teilnehmer des gesellschaftlichen Alltags, was auch durch die Tatsache bedingt ist, dass er nur in Nachtschichten arbeitet, daher den Alltag der meisten Menschen bestenfalls streift. Sein Leben findet in der Dunkelheit statt und er scheint sich daran gewöhnt zu haben.

'Zwischen den Jahren' ist vor allem auch der Versuch eines moralisch ambivalenten Genre-Updates. Ich wollte die Figuren befreien von den Plot-Mechanismen eines veralteten Subgenres wie dem Rachefilm und die Täter-Opfer-Konstellation auf den Kopf stellen, vielleicht sogar auflösen. Wir erleben diese Geschichte nicht wie üblich aus der Perspektive des Rächers und wollen irgendwann Blut sehen. Wir erleben mit dem Täter die Unausweichlichkeit der Gewalt, die er selbst in das Leben von sich und anderen gebracht hat, die alle Beteiligten zerstört und nichts als Opfer zurückgelassen hat.

Trotz der Nähe des Films zum Genre musste bei der Inszenierung und Gestaltung immer das Streben nach einer authentischen Darstellung der Geschichte vorherrschen. Statt stilisierter Bilder wollten wir einen visuell dichten und erdigen Rahmen für diese Geschichte bilden. Das Kamerakonzept haben wir so reduziert gehalten, dass wir das erzählte Milieu nicht übergestalten, um das Grundgefühl der Unmittelbarkeit und Direktheit der Erzählung zu stärken und den Film dadurch immer wieder zu erden.

Doch letztendlich ist 'Zwischen den Jahren' eine einfache Geschichte über einen einfachen Mann, der wenig Worte macht und nur noch wenig vom Leben will. Doch selbst das Wenige scheint unmöglich zu sein.«

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