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Männer al dente

Tommaso Cantone schaut sich die Geschäfte in der familiären Pasta-Firma an.
Beim Abendessen kommt sein älterer Bruder Antonio ihm jedoch überraschend zuvor: "Ich bin gay, homosexuell, 'ne Schwuchtel, schwul, 'ne Tunte", erklärt er dem geschockten Papa, der seinen Erstgeborenen verstößt und prompt einen leichten Infarkt erleidet. Ein weiteres Geständnis würde den Alten unweigerlich ins Grab bringen, und so steckt Tommaso nun in der Klemme – und er spielt erst einmal den heterosexuellen Geschäftsmann in der Pasta-Firma.  | Bild: ARD Degeto/Fadango

Spielfilm Italien 2010

Ein schwules Coming-out sollte im 21. Jahrhundert kein großes Problem mehr sein. Im süditalienischen Städtchen Lecce, wo zwischen malerischen Gässchen und heimeligen Marktplätzen noch die erzkatholische Ordnung herrscht, gehen die Uhren aber noch etwas anders. Hierher kommt Tommaso Cantone zurück, nachdem er in Rom nicht etwa Wirtschaftswissenschaften, sondern heimlich Literatur studierte. Schriftsteller möchte er werden und keinesfalls – wie von ihm erwartet – in die Nudelfabrik seiner Eltern einsteigen.

Außerdem muss er dem stockkonservativen Vater Vincenzo endlich gestehen, dass er homosexuell ist. Beim Abendessen kommt sein älterer Bruder Antonio ihm jedoch überraschend zuvor: "Ich bin gay, homosexuell, 'ne Schwuchtel, schwul, 'ne Tunte", erklärt er dem geschockten Papa, der seinen Erstgeborenen verstößt und prompt einen leichten Infarkt erleidet.

Ein weiteres Geständnis würde den Alten unweigerlich ins Grab bringen, und so steckt Tommaso nun in der Klemme. Als seine stockschwulen römischen Freunde zu einem Überraschungsbesuch vorbeitanzen, verwandelt sich die Villa der Cantones in einen Käfig voller Narren.

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Die gefühlvolle Gender-Komödie entlarvt die "heilige" italienische Familie als verkrustete Institution, in der jeder jeden hintergeht und belügt. Allen voran der cholerische Pasta-Patriarch, dessen eingefleischte Homophobie nur die Spitze des Eisberges ist. Vincenzo betrügt seine Gattin, die ihren Frust an den Dienstboten auslässt. Die liebeskranke Tante empfängt nachts anonyme Liebhaber, und die Oma übertrifft alle: Um ihrer großen Liebe nah sein zu können, heiratete sie einst einen Mann, für den sie nie etwas empfand. Dank seiner liebevoll gezeichneten Frauenfiguren wird der in Istanbul geborene Wahlrömer Ozpetek als italienischer Almodóvar bezeichnet. Mit dieser melodramatisch-heiteren Demontage einer apulischen Familie kommt er dem großen spanischen Vorbild durchaus nahe.

Besetzung und Stab

Rolle Darsteller
Tommaso Cantone Riccardo Scamarcio
Alba Brunetti Nicole Grimaudo
Antonio Cantone Alessandro Preziosi
Vincenzo Cantone Ennio Fantastichini
Stefania Cantone Lunetta Savino
Großmutter Ilaria Occhini
Großmutter (jung) Carolina Crescentini
Tante Luciana Elena Sofia Ricci
Musik: Pasquale Catalano
Kamera: Maurizio Calvesi
Buch: Ivan Cotroneo
Ferzan Ozpetek
Regie: Ferzan Ozpetek
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