Martin Suter im Interview

Martin Suter
Martin Suter | Bild: Urs Jaudas

Welche Erinnerung haben Sie an die Entstehung von "Die dunkle Seite des Mondes"? Welche Bedeutung hat der Roman für Sie?

Ich wollte einen Roman schreiben, der vor allem im Wald spielt. Und der Protagonist musste jemand sein, der eigentlich überhaupt nicht in den Wald passt. Es war mein zweiter veröffentlichter Roman, der schwierigste, wie es heisst. Er ist noch immer einer meiner Lieblinge, nicht zuletzt, weil er der Lieblingsroman meiner Frau ist.

Welche Erfahrung haben Sie mit dem Roman gemacht? Wer waren die Leser und wie haben Sie reagiert?

In die Lesungen meines ersten Romans kamen vor allem Frauen. Nach "Die dunkle Seite des Mondes" waren plötzlich viele Männer im Publikum.

Wie nahe stehen Ihnen die Figuren? Können Sie heute noch nachempfinden, warum Sie diese Figuren so gewählt haben?

Zu Urs Blank hielt ich am Anfang etwas Distanz, weil ich wusste, dass die Figur im Laufe der Geschichte beschädigt würde. Aber es ist mir nicht gelungen, diese Distanz über die ganze Strecke zu halten. Ich begann, ihn zu mögen.

Woher kommen die Anspielungen aus dem Pink-Floyd-Album "Dark Side of the Moon"?

Das Album ist bis heute eines meiner liebsten. Und die Musik war zu ihrer Zeit eine treue Tripbegleiterin in der Szene.

Roman wie Film wagen eine faszinierende Gratwanderung: Eigentlich darf man Urs Blank nicht "gut" finden, darf man nicht mit ihm fiebern – seine Taten und Handlungen sind nicht entschuldbar. Warum aber tut man das dennoch?

Ich glaube, das geht den Lesern und Zuschauern so, weil es dem Autor auch so gegangen ist.

Wie stehen Sie allgemein zu Verfilmungen Ihrer Werke? Fällt es Ihnen leicht, ihre Romane loszulassen und in die Hände Anderer zu übergeben? Wie sehr involvieren Sie sich selbst in eine Verfilmung?

Es fällt mir einigermaßen leicht, weil ich weiß, dass ein Roman und ein Film zwei sehr verschiedene Medien sind. Ich mische mich bei der Entstehung nur ein, wenn das ausdrücklich gewünscht ist. Und auch das eher ungern, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass meine Ratschläge sowieso nicht befolgt werden. Im Fall von "Die dunkle Seite des Mondes" habe ich nicht einmal das Drehbuch gekannt.

Wie standen Sie zu Beginn im Speziellen zur filmischen Adaption von "Die dunkle Seite des Mondes"? Man könnte denken, dass der Roman nicht leicht verfilmbar ist.

Im Gegenteil, ich fand immer, dass sich der Roman sehr gut zur Verfilmung eignet und habe es bedauert, dass es so lange gedauert hat, bis es so weit war.

Und was denken Sie über das Ergebnis? Wie hat der Film Ihnen gefallen? Was daran hat Ihnen gefallen?

Er gefällt mir gut. Tolles Casting, schöne Bilder und eine gelungene filmische Interpretation meiner Geschichte.

Die Handlung ist im Grunde wie im Roman geblieben, aber es gibt auch Änderungen. Wie stehen Sie dazu?

Wenn man aus einem Roman von gut dreihundert Seiten einen Film von neunzig Minuten machen will, muss man straffen, streichen und ändern. Die Schwierigkeit besteht darin, die richtigen Striche, Straffungen und Änderungen zu machen. Das ist hier gelungen.

Vielleicht noch ein Wort zu den Darstellern – Moritz Bleibtreu als Urs Blank, Jürgen Prochnow als Pius Ott, Nora von Waldstätten als Lucille: Kommt das Ihrem "Kopfkino" nahe?

Es gibt Verfilmungen meiner Romane, in denen ich mich bis zum Schluss nicht an die Besetzung gewisser Figuren gewöhnen konnte. Hier hatte ich schon nach ein paar Minuten die Bilder, die ich von den Figuren im Kopf hatte, vergessen.

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