Antje Traue spielt Rosalie

Max Riemelt
Max Riemelt als Jan. | Bild: NDR / Mark Monheim

Zur Rolle

Rosalie ist der Traum aller vergeistigten Jünglinge. Sanft fließende dunkle Haare, flatternde Sommerkleider und eine Brille, die die Liebe zur Literatur zu signalisieren scheint. So steht sie in Jans Buchhandlung und lässt sich auf ein Gespräch über Proust ein. Da merkt sie noch nicht, was für einen Gefühlssturm sie da heraufbeschwört. Als Journalistin ist Rosalie dafür bekannt, Porträts zu schreiben, die kritisch sind, riskant für die Porträtierten. Damit hat sie Viktoria herausgefordert, interessiert und erobert. Schnell ist klar, hier haben sich zwei Seelenverwandte gefunden, die das Leben fortan gemeinsam verbringen wollen: zwei starke, erfolgreiche Frauen. Sie wollen ein Kind, nicht zuletzt als Zeichen ihrer Liebe. Auch Rosalie findet Gefallen an Viktorias Idee, Jan als Spender heranzuziehen. Allerdings ist sie deutlich aufgeschlossener für dessen Sehnsüchte.

Die Schauspielerin

Nach einigen Rollen in deutschen Filmen wie "Kleinruppin forever" (2004, Regie: Carsten Fiebeler), "Berlin am Meer" (2008, Regie: Wolfgang Eißler) und "Phantomschmerz" (2009, Regie: Matthias Emcke) sowie in Christian Alvarts englischsprachigem Kinofilm "Pandorum", der ihr den Weg nach Hollywood ebnete, spielte sie Hauptrollen in internationalen Produktionen wie "Man of Steel" (2012, Regie: Zack Snyder), "Seventh Son" (2013, Regie: Sergey Bodrov) und "Woman in Gold" (2014, Regie: Simon Curtis), der in der Berlinale Special Gala gezeigt wurde. Aber auch in Deutschland ist Traue vielbeschäftigt: Sie spielte Hauptrollen in den Kinofilmen "Vier gegen die Bank" (2016) von Wolfgang Petersen, "Kundschafter des Friedens" (2017) von Robert Thalheim und "Es war einmal in Deutschland" (2017) von Sam Gabarski. 2018 startete in den deutschen Kinos Timen Modersohns Debütfilm "Spielmacher", in dem sie an der Seite von Frederick Lau die weibliche Hauptrolle verkörpert. Sie stand für mehrere Serien vor der Kamera wie z. B. für die preisgekrönte Miniserie "Weinberg", 2016 in der ersten Staffel der Netflix-Serie "Berlin Station" und für Philipp Leinemanns "Tempel" (ZDFneo) sowie für "Dark". 2018 übernahm sie in der Miniserie "Dead End" unter Regie von Christopher Schier die Hauptrolle.

Gespräch mit Antje Traue

Ist Rosalie eine Traumfrau?

Rosalie ist in gewisser Weise eine Märchenfigur. Menschen projizieren ihre Träume in sie. Ihre lesbische Freundin, die Verlegerin Viktoria, wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind von ihr. Aber auch Viktorias Sohn, der Buchhändler Jan, ist schockverliebt in Rosalie, als sie zum ersten Mal in seinen Laden hineinweht. Sie entspricht dem Bild seiner Träume. Jan will einfach nicht akzeptieren, dass Rosalie nur Frauen liebt, obwohl sie ihm das immer wieder deutlich zu verstehen gibt.

Warum ist sie so altmodisch im französischen Stil gekleidet?

Dass Rosalie ein frankophiler Mensch ist, macht sie für den ausgewiesenen Marcel-Proust-Kenner Jan umso attraktiver. Ihr Äußeres ist für mich auch Ausdruck ihrer Eigenwilligkeit und ihrer Aufgeräumtheit. Sie ist sehr bei sich und lehnt sich nicht an andere an. Im Gegensatz zu Jan weiß sie genau, was sie im Beruf und in der Liebe erreichen will und wohin sie gehört. Sie ist eine lesbische Frau und stellt ihre sexuelle Identifikation nicht in Frage.

Erleben Rosalie und Viktoria eine romantische Liebesgeschichte?

Ja, es ist eine junge Liebe und sie schwärmen sehr füreinander. Den gemeinsamen Plänen stehen keine Hindernisse entgegen. Rosalie ist sich bewusst, wie unterschiedlich sie sind, aber sie tritt deswegen nicht auf die Bremse, halt, du bist mir zu alt, zu gesetzt, du hast schon Mann und Kind. Sie nimmt die Herausforderung an, diese starke Frau zu lieben und sich ein Kind mit ihr zu wünschen.

Eine solche Rolle bekommt man nicht jeden Tag angeboten. Was gab den Ausschlag?

Im Anschluss an die düstere Krimiserie "Dead End" fürs ZDF wollte ich unbedingt eine Figur spielen, der leichter ums Herz ist und die so etwas Bezauberndes hat wie Rosalie. Beim Lesen des Drehbuchs hatte ich ein Lächeln im Gesicht. Es hat viel Wortwitz, die Darstellung der lesbischen Frauen ist frei von Stereotypen, und es hat mich angerührt, wie die Protagonisten miteinander umgehen. Ich habe an französische Komödien gedacht. Solche Filme vermisse ich in Deutschland.

In Filmen, die gleichgeschlechtliche Liebe thematisieren, hat meistens irgendjemand ein Problem. Hier ist es nicht so.

Das Buch greift ein Thema auf, das gesellschaftlich relevant ist und über das man sich nachher unterhalten kann. Wie weit darf ein Kinderwunsch gehen? In welcher Konstellation darf man eine Familie gründen? Fehlt den Kindern lesbischer Eltern nicht der männliche Erziehungspart, wie manche konservative Politiker meinen? Alle diese Fragen stellt unsere Komödie, wenn man sie denn ernsthaft betrachten möchte. Aber sie geht natürlich leichten Herzens damit um. Wir leben in einer offenen Gesellschaft, wie es sie in Deutschland nie zuvor gegeben hat. Der Film lotet auf amüsante Weise die Grenzen aus, wie weit unsere Toleranz geht.

Als Jan seiner Mitbewohnerin Hannah von der Samenspende erzählt, sagt sie spontan: "Das ist doch wie Inzest." Hat er der Film bei Ihnen eine ähnliche Assoziation geweckt?

Es handelt sich, wenn überhaupt, um einen emotionalen Inzest. Und ich persönlich würde meinem Sohn niemals zumuten wollen, mir einen solchen Wunsch zu erfüllen. Jan zählt im Film alle Rollen auf, die er übernehmen müsste, wenn er der Vater von Rosalies und Viktorias Kind werden würde: Er wäre nicht nur Vater, sondern auch Bruder. Der Plot ist sicherlich extrem, im Vordergrund steht aber eine andere Frage: Warum sollten zwei Frauen, die sich lieben und die in einem intakten Umfeld leben, nicht ihr Wunschkind großziehen dürfen?

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