Katja Flint spielt Viktoria

Jan (Max Riemelt) und Mutter Vicky (Katja Flint).
Katja Flint in ihrer Rolle als Viktoria.  | Bild: NDR / Mark Monheim

Zur Rolle

Viktoria ist erfolgreich. Sie schreibt Bücher, in denen sie die Unabhängigkeit und Überlegenheit von Frauen gegenüber Männern feiert. Sie hat einen eigenen Verlag aufgebaut, ist wohlhabend und kann auf Männer verzichten, vor allem in ihrem Liebesleben. Irgendwann, als ihr Sohn noch ein Kind war, hat sie die lesbische Liebe entdeckt und nicht mehr losgelassen. Aber alles hat seine Grenzen. So weit ist die Biologie nicht, dass es nicht zumindest wenige Tropfen Mann bräuchte, um ein Kind zu zeugen. Eine Partnerin ist gefunden, die bezaubernde Rosalie. Aber wer soll seine Gene in den Ring werfen? Ein anonymer Spender? Auf keinen Fall. Nicht, so lange mit Jan ein junger gesunder Mann Viktorias Erbgut mit sich herumträgt. Und was sollte der Junge dagegen haben, wenn seine Mutter ihn lieb bittet?

Deie Schauspielerin

Katja Flint spielte ihre erste Hauptrolle im Kinofilm "Kolp" (Regie: Roland Suso Richter). Es folgten mehr als 100 meist Hauptrollen in Kino und TV-Produktionen, z. B. in "Vergesst Mozart" (1985, Regie: Miroslav Luther) und "Die Sieger" (1994, Regie: Dominik Graf). "Marlene" (2000, Regie: Joseph Vilsmeier), in dem sie die Titelfigur Marlene Dietrich verkörperte, wurde mit dem Hollywood Film Award ausgezeichnet. In "Kabale und Liebe" (2005, Regie: Leander Haußmann) spielte sie ebenso überzeugend wie in "Der verlorene Sohn" (2009, Regie: Nina Grosse).

Mit Friedrich Ani entwickelte sie die Figur der Hobbydetektivin Franziska Luginsland und spielte diese in vier Filmen. Auch die Figur Ginger aus "Wie krieg ich meine Mutter groß" (2004, NDR) und "Väter, Mütter, Kinder“" (2007, Regie: Stephan Wagner, NDR) beruht auf einer Idee von Katja Flint. 2018 spielte sie Hauptrollen im Drama "Frankfurt, Dezember 17" (Regie: Petra Wagner) und im "Tatort: Der Turm" (Regie: Lars Henning). Seit 2014 intensiviert Katja Flint die Beschäftigung mit der Fotografie.

Gespräch mit Katja Flint

Sie spielen eine lesbische Mutter, die ihren Sohn darum bittet, sie durch seine Samenspende gleichzeitig zur Mutter und zur Großmutter zu machen. Was haben Sie gedacht, als Sie das Drehbuch zum ersten Mal gelesen haben? Völlig verrückt, diese Geschichte?

Viele Mütter leben doch in der Hoffnung, dass der Sohn ihnen einen Enkel schenkt. Die Geschichte hat also durchaus einen realistischen Kern, so wie alle guten Komödien. Der Kinderwunsch wird in unserem Film natürlich ins Absurde gesteigert, damit es lustig ist. Wir empfehlen lesbischen Paaren ja nicht ernsthaft ein neues Rezept, wie sie eine Familie gründen können. Was mir an der Geschichte besonders gefallen hat, ist die Umkehrung der alten Rollenbilder. In der klassischen Konstellation ist ein betagter Mann mit einer Frau zusammen, die seine Tochter sein könnte. In unserer Komödie liebt die erfolgreiche Verlegerin Viktoria die halb so junge Journalistin Rosalie. Sie ist so eine Art Sugar-Mommy und kommt für die Rechnungen auf.

Und wer zahlt, darf sich nehmen, was er braucht?

Viktoria erfüllt sich ihre Wünsche unbekümmert, weil sie nicht der Meinung ist, irgendetwas Böses zu tun. Aus ihrer Sicht ist sie eine liebevolle Mutter und eine verlässliche Ehepartnerin, die zufällig begabter ist in Sachen Erfolg und Karriere als die anderen in ihrer Familie. Das findet sie aber nicht so tragisch. Ihr Ehemann Dieter, ein Alt-68er, macht auch nicht den Eindruck, dass er sich erniedrigt fühlt, nur weil er jetzt in der Souterrain-Wohnung ihres Hauses lebt, sich um den Garten kümmert und die Wäsche macht. Im Grunde erzählen wir die Geschichte einer ungewöhnlichen Familie, in der alle sehr unterschiedlich sind, aber irgendwie miteinander klar kommen. Mal gibt es Krach, dann verträgt man sich wieder. Damit kann sich jeder Zuschauer identifizieren.

Was imponiert Ihnen an Viktoria?

Ihre positive Art ist einfach wunderbar. Sie ist keine egozentrische, herrschsüchtige Zicke, die andere ausnutzt und über Leichen geht. Sie findet sich selber super und hat keinen Zweifel daran, dass ihre 30-jährige Geliebte sie auch super findet. Es hat mir sehr gefallen, hier einmal eine attraktive und coole Frau Ende 50 zu spielen, die keine Angst vor dem Altwerden hat, die auf manchmal eigenartige Weise ihr Leben lebt, ohne dabei anderen zu schaden. Was mir dagegen persönlich nicht so zusagt, ist ihre etwas verbissen feministische Haltung.

Sind die Männer das schwache – von Viktoria dominierte – Geschlecht?

Ich sehe nicht, dass den Männern in unserem Film die Hosen ausgezogen werden. Wenn Dieter sagt, Rasenmähen ist der Sex des alten Mannes und seine Frau bezahlt ihn dafür, dann wirkt er alles andere als todunglücklich. Im Gegenteil. Der Film nimmt die ganze Debatte um die Geschlechter ironisch auf den Arm. Hetero-, homo- und bisexuelle Lebenswirklichkeiten werden in gleicher Weise komödiantisch vorgeführt. Das finde ich so schön und so modern an "Die Freundin meiner Mutter": Schwul oder lesbisch zu leben ist heute so selbstverständlich, dass es in einem öffentlich-rechtlichen Fernsehfilm in der Primetime mit einer solchen Leichtigkeit inszeniert werden kann. Und keiner ruft: Skandal!

Welche Szenen haben Sie mit besonderem Vergnügen gespielt?

In meiner Lieblingsszene bittet Viktoria ihren Sohn um die Samenspende. Sie redet lange drumherum, bis sie endlich herausbringt, dass sie sich von ihm wünscht, Rosalie zu schwängern. Es ist sehr lustig, wie pragmatisch sie die Samenübertragung organisiert und die rechtlichen Fragen abarbeitet und wie die Sache dann doch grandios schief geht, obwohl sie die Spende für eine total geniale Idee hält. Ich versuche immer, eine Rolle aus der Haltung der Figur heraus zu spielen. Viktoria ist als Karrierefrau eine Problemlöserin. Deshalb glaubt sie auch hier, die perfekte Lösung gefunden zu haben. Auf den Gedanken, dass ihr Sohn das anders sehen könnte, kommt sie erst einmal gar nicht. In der vollen Überzeugung, das Richtige zu tun, machen wir manchmal die seltsamsten Dinge.

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